Scholz, Wenzel (Wenzislaus Johann) (1787-1857), Schauspieler

Scholz Wenzel (Wenzislaus Johann), Schauspieler. Geb. Innsbruck (Tirol), 28. 3. 1787; gest. Wien, 5. 10. 1857. Sohn von Josefa (s. d.) und Leopold S. (s. u. Josefa S.). S., ursprüngl. für den kaufmänn. Beruf bestimmt, trat ab 1804 (Debüt: Truffaldino in Schillers „Turandot“) als Mitgl. der von seiner Mutter z. Tl. gem. mit Wilhelm Frasel geleiteten Theatertruppe vorwiegend in Laibach und Klagenfurt auf und wurde im März 1815 an das Hofburgtheater in Wien engagiert (Debüt: Traugott in August v. Kotzebues „Bruderzwist“), jedoch nur in kleineren Rollen beschäftigt. Als er erkannte, daß ihn seine schauspieler. Eigenart zum Komiker im Lokalfach bestimmte, verließ er das Burgtheater im September des gleichen Jahres und gastierte am Theater i. d. Leopoldstadt. Da er dort trotz guter Kritiken nicht engagiert wurde, kehrte er nach Klagenfurt zurück, wo er bis 1819 vorwiegend in chargierten Episodenrollen und als jugendl. Komiker wirkte, mit großem Erfolg aber auch schon einige seiner späteren Wr. Glanzrollen gab. Mit der Spielzeit 1819/20 wechselte S. an das Ständ. Theater in Graz, an dem er bis 1826 v. a. im Lokalstück (u. a. Kasperle-, Thaddädl- und Staberl-Rollen) und in der Posse eingesetzt wurde. Ab 1826 trat er am Theater i. d. Josefstadt und ab Mai 1827 auch am Theater a. d. Wien auf. Von Publikum und Kritik sehr positiv aufgenommen wurde v. a. seine Darstellung des Staberl in Adolf Bäuerles „Die Bürger in Wien“, der endgültige Durchbruch zum beliebten Volkskomiker jedoch gelang ihm 1826 in der Rolle des Klapperl in Karl Meisls „Die schwarze Frau“. S. war in den folgenden Jahren einer der meistbeschäftigten Wr. Volksschaupieler. Er war sowohl in alten als auch in neuen Stücken mit für ihn geschriebenen Rollen erfolgreich und brauchte als Schauspieler auch einen Vergleich mit Raimund (s. d.) nicht zu scheuen. Den Höhepunkt seines künstler. Schaffens erreichte S. in seinem Zusammenwirken mit Nestroy (s. d.) in den Jahren 1832–52 (seit 1838 auch am Leopoldstädter Theater). Nestroy schrieb für S. dankbare Rollen, die dessen schauspieler. Möglichkeiten und künstler. Eigenart berücksichtigten. Als Schauspieler waren die beiden kongeniale Partner, die sich in ihrem Spiel und in ihrer kom. Wirkung ergänzten und steigerten. Zu S.’ größten Erfolgen in Nestroy-Stücken zählten der Zwirn in „Lumpazivagabundus“ (1833), Damian in „Zu ebener Erde und erster Stock“ (1835), Hutzibutz in „Das Haus der Temperamente“ (1837), Melchior in „Einen Jux will er sich machen“ (1842), Gluthammer in „Der Zerrissene“ (1844), der neue Seiten seiner Darstellungskunst fordernde Intrigant Puffmann in „Der Unbedeutende“ (1846), Holofernes in „Judith und Holofernes“ (1849) und Gabriel Brunner in „Kampl“ (1852). S.’ äußere Erscheinung – eine untersetzte Gestalt, ein rundes, meist unbewegtes Gesicht mit flinken, munteren Augen – und sein meist phlegmat. Temperament – in bei dem in Kontrast zu Nestroy – trugen viel zur kom. Wirkung seines Spiels bei. S. war in seiner Komik der letzte Vertreter einer in der Nachfolge Hanswursts stehenden naiven Burleskkomik. Die Rolle des vorlauten, dummpfiffigen Ratsdieners Klapperl, die ihm den Durchbruch brachte, stand durchaus noch in dieser Tradition und wurde, obwohl nicht für ihn geschrieben, durch seine Interpretation die erste klass. S.-Rolle und zugleich der letzte stehende Bühnentypus des Alt-Wr. Volkstheaters. Das oft drast., durchaus auch temperamentvolle Spiel seiner Frühzeit, das auch vor grotesk-parodist. Übertreibung nicht zurückschreckte (etwa noch in seiner Darstellung des Zwirn), wich im Laufe der Jahre einer naturwahren, wenn auch noch immer naiven – von den Zeitgenossen oft als „drollig“ bezeichneten – Komik, bei der im Gegensatz zu Nestroy nicht Witz und aggressive Satire, sondern Spaß und ein gemüthafter Humor bestimmend waren. Am besten gibt wohl die Rolle des Melchior – von Nestroy für ihn geschrieben – Temperament, Komik und Spiel von S. wieder. In S.’ Spätzeit kam es zu einer Zurücknahme der kom. Mittel zugunsten einer stärkeren Verinnerlichung und psycholog. Vertiefung (z. B. als Gabriel Brunner). S., der während der Ferienmonate zahlreiche Gastspiele in allen größeren Städten der Monarchie und Deutschlands absolv., stand bis zu seinem Tod, in den letzten Jahren allerdings kaum noch in neuen Rollen, auf der Bühne.Über 30 Jahre einer der besten und beliebtesten Wr. Volkskomiker, war er als Privatmensch gutmütig und bescheiden, seine Spielleidenschaft stürzte ihn allerdings immer wieder in finanzielle Schwierigkeiten. S. versuchte sich für seine Benefizvorstellungen vereinzelt auch – völlig erfolglos – als Dramatiker. S. war ab 1811 mit Antonia Rupp (gest. 1844), der Tochter eines Buchdruckereifaktors, ab 1850 mit der Choristin Therese Miller verehel. Während von seinen Kindern aus erster Ehe sein Sohn Anton zum Militär ging, traten die drei Töchter in ihrer Jugend ebenfalls als Schauspielerinnen auf; sein vorehel. Sohn Eduard S. (geb. Klagenfurt, Kärnten, 11. 3. 1811; gest. Wien, 23. 9. 1844) debüt. mit einigem Erfolg 1841 am Leopoldstädter Theater.

L.: M. G. Saphir, in: Humorist, 10. 10. 1857; ADB; Groner (mit Rollenbild); Eisenberg, Bühnenlex.; Kosch, Theaterlex.; Ulrich (Theater, Tanz und Musik); Wurzbach; K. Haffner, S. u. Nestroy, Neuaufl. 1947 (belletrist.); O. Rommel, Die Alt-Wr. Volkskomödie, 1952, s. Reg.; A. Bauer, 150 Jahre Theater an der Wien, (1952), s. Reg.; U. Deck, W. S. und das Alt-Wr. Volkstheater, phil. Diss. Wien, 1969 (mit Bildern, Ikonographie sowie Rollen- und Literaturverzeichnis); O. Rudan, Das Ständ. Theater in Klagenfurt 1810–68 (= Aus Forschung und Kunst 18), 1973, s. Reg.
(E. Marktl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 52, 1997), S. 132ff.
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