Abel, Lothar (1841–1896), Gartenarchitekt und Architekt

Abel Lothar, Gartenarchitekt und Architekt. Geb. Hietzing, Niederösterreich (Wien), 15. 2. 1841; gest. Wien, 24. 6. 1896; bis 1873 evang. HB, dann röm.-kath. Sohn von →Ludwig Abel und Josephine Abel, geb. Heller, Bruder von Friedrich Abel (s. u.), Vater von →Othenio Abel; ab 1873 verheiratet mit Mathilde Schneider (geb. Wien, 25. 12. 1854; gest. 7. 2. 1936), der Tochter des Gründers des Grand Hotels in Wien 1, Anton Schneider. – Nach dem Besuch der Oberrealschule (Wien 3) studierte A. ab 1857 Architektur am polytechnischen Institut und ab 1861 an der Akademie der bildenden Künste (ABK) bei →Eduard van der Nüll, →August Sicard von Sicardsburg und →Karl Roesner. Ab 1868 unterrichtete er an der Schule der Gartenbau-Gesellschaft Zeichnen und Gartenkunst; ab 1877 war er als Privatdozent an der Hochschule für Bodenkultur tätig; seine Bewerbung als Dozent für Gartenarchitektur an der ABK (1882) wurde jedoch vom Ministerium abgelehnt. A. bildete sich auf zahlreichen Studienreisen nach Deutschland, Belgien, Holland, England, Frankreich, Italien und in die Türkei weiter, wobei ihn besonders die Garten- und Parkgestaltung interessierte. In seinen Arbeiten verfolgte er die Vision eines Gesamtkunstwerks, indem er trachtete, Außenarchitektur, Innenraum und Gartengestaltung zu einer Einheit zu verschmelzen. A., zu dessen wichtigsten Werken das von der französischen Renaissance geprägte Palais Chotek (1871–74) in Wien 9 zählt, stieß jedoch mit seinen Vorstellungen, in denen Symmetrie, Gesetzmäßigkeiten sowie Berücksichtigung ausgewogener Proportionen vorherrschten, in Wien vielfach auf Ablehnung. So war bei der Planung des Wiener Stadtparks →Rudolph Siebeck als Anhänger des englischen Landschaftsstils einer seiner stärksten Konkurrenten. Zu seinen weiteren Aufträgen gehörten 1872 die Planung der Praterregulierung, die Gestaltung des Parks am Beethovenplatz und vor der Votivkirche (beide 1878) sowie der Ehrengräberanlage auf dem Wiener Zentralfriedhof (1883). A. sah seine Berufung hauptsächlich in der Gartenkunst und zählte insbesondere durch seine Glashausbauten bald zu den führenden Gartenarchitekten Wiens. Zu seinen wichtigsten Arbeiten zählen u. a. die großen Gewächshäuser im Botanischen Garten (1876) sowie die eisernen Pflanzenhäuser, die →Ludwig Haynald für die erzbischöfliche Residenz in Kalocsa in Auftrag gab. Daneben plante er als Architekt Palais, Villen und Schlösser, verfasste zahlreiche Werke zur Gartenarchitektur sowie Gartenkunst und publizierte Fachbeiträge in der „Wiener Illustrirten Garten-Zeitung“. 1864 wurde er Mitglied des Österreichischen Ingenieur- und Architektenvereins, 1868–91 war er Mitglied der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens (Künstlerhaus), 1875 wurde er in den Verwaltungsrat der Gartenbau-Gesellschaft berufen; 1872 Ritter des Franz Joseph-Ordens. Sein Bruder Friedrich Abel (geb. Hietzing, 6. 4. 1844; gest. Mönichkirchen, Niederösterreich, 28. 6. 1903; begraben: Wien) erlernte nach dem Besuch der Oberrealschule im elterlichen Betrieb das Gärtnerhandwerk und führte nach dem Tod seines Vaters die Handelsgärtnerei weiter. 1886 trat er als Sekretär in die Kanzlei der Gartenbau-Gesellschaft in Wien ein und übernahm im selben Jahr das Lehramt für Gartenbau an der Gärtnerschule der Gesellschaft; 1898 wurde er Gebäudedirektor. Daneben redigierte er mit →Günther Beck von Mannagetta und Lerchenau die Monatsschrift „Wiener Illustrirte Garten-Zeitung“. Für seine Leistungen wurde er u. a. mit dem russischen Sankt-Stanislaus-Orden und dem goldenen Verdienstkreuz mit der Krone ausgezeichnet.

Weitere W.: s. AKL; Bacher; Architektenlexikon.
N.: NFP, 25. 6. 1896; Wiener Landwirthschaftliche Zeitung, 27. 6. 1896 (m. B.); Wiener Illustrirte Garten-Zeitung 21, 1896, S. 266.
L.: NFP, 15. 7. 1896 (A.); AKL (m. W.); Czeike; Die Wr. Ringstraße 2, 3, 7; Eisenberg 1; ÖKL; M. Petz-Grabenbauer, Der „Hortus Botanicus Vindobonensis“ ..., phil. Diss. Wien, 1997, S. 437–442; B. Bacher, L. A. Das gartenarchitektonische Werk, rer. nat. techn. Diss. Wien, 2006 (m. B., W. u. L.; auch für Friedrich A., S. 15); Stadtparks in der österreichischen Monarchie 1765–1918, ed. G. Hajós, 2007, s. Reg.; M. Svojtka, Das botanische Frühwerk des Paläobiologen Othenio A. (1875–1946), in: GeoGeschichte und Archiv ..., ed. J. Seidl – B. Hubmann, 2011, S. 53f.; Architektenlexikon Wien 1770–1945, http://www.architektenlexikon.at (m. W. u. L., nur online, Zugriff 25. 1. 2012); ABK, BOKU, Pfarre St. Stephan, TU, WStLA, alle Wien. – Friedrich A.: Wiener Illustrierte Garten-Zeitung 28, 1903, S. 241f.; Österreichische Gartenbau-Gesellschaft, Wien.
(M. Petz-Grabenbauer – B. Bacher)  
Zuletzt aktualisiert: 15.3.2013  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 2 (15.03.2013)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 1, 1954), S. 1
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