Abel, (Gottlieb) Ludwig (1811–1871), Gärtner

Abel (Gottlieb) Ludwig, Gärtner. Geb. Mosigkau, Preußen (Dessau-Roßlau, D), 8. 3. 1811; gest. Wien, 5. 2. 1871; evang. HB. Sohn eines Kunst- und Lustgärtners, Halbbruder von Rudolf Abel (s. u.), Vater von →Lothar Abel und Friedrich Abel (s. u. Lothar Abel); ab 1840 verheiratet mit Josephine Abel, geb. Heller (geb. Wien, 2. 11. 1821; gest. ebd., 17. 11. 1884), die im Geschäft ihres Mannes mitarbeitete, ab 1875 Mitglied der Gartenbau-Gesellschaft war und auf deren Ausstellungen durch ihre geschmackvollen Blumenbindereien hervortrat. ─ Nach Abschluss des Gymnasiums in Dessau absolvierte A. seine Lehrjahre im Landschaftspark von Wörlitz. 1833 arbeitete er als Gartengehilfe der Familie Salm-Reifferscheid in Prag, ab 1834 als Gärtner bei →Carl Alexander Frh. von Hügel in Hietzing (Wien 13), 1837 kurzfristig in Agram (Zagreb) und anschließend als Obergärtner wieder bei Hügel in Wien. Ab ca. 1840 war er Teilhaber einer Handelsgärtnerei im heutigen Wien 3 sowie an einem Blumengeschäft in Wien 1; um 1848 errichtete er eine eigene Handelsgärtnerei in der Baumgasse (Wien 3), die er bis zu seinem Ableben betrieb. Daneben bildete er sich autodidaktisch als Gartenarchitekt weiter. 1862–70 im Wiener Gemeinderat tätig, beantragte er u. a. die bauliche Umgestaltung der Wienufer sowie eine Verbesserung der gärtnerischen Ausgestaltung der Ringstraße; sein Plan zur Umgestaltung der Glacisgründe in Gartenanlagen blieb jedoch unausgeführt. 1857 wurde er in den Verwaltungsrat der Gartenbau-Gesellschaft in Wien berufen und erwirkte nach dem Vorbild nordeuropäischer Fachschulen gemeinsam mit →Josef Mitscha von Märheim, →Heinrich Wilhelm Reichardt und →Eduard Fenzl die Gründung der ersten Gartenbauschule in Wien, die 1868 eröffnet wurde. Sein Halbbruder, der Gärtner Rudolf Abel (geb. Mosigkau, 19. 1. 1831; gest. Hietzing, Niederösterreich/Wien, 24. 12. 1882), absolvierte seine Ausbildung bei seinem Vater und übersiedelte um 1847 nach Wien, wo er bis 1858 (unterbrochen durch einige Studienreisen) im Familienbetrieb in der Baumgasse arbeitete und 1859 die Gärtnerei Rudolf Abel & Co. eröffnete, die er in den Folgejahren durch Filialen erweiterte. Ab 1857 war er Mitglied der Gartenbau-Gesellschaft (Sekretär und später Verwaltungsrat) und fungierte 1873 als Leiter der Gartenkultur-Abteilung der Wiener Weltausstellung. Im selben Jahr wurde er Ritter des Franz Joseph-Ordens, 1874 erhielt er den Hoftitel. 1876 gründete er den Verein der Gärtner und Gartenfreunde in Hietzing und war bis 1881 dessen Präsident.

N.: E. Fenzl, in: Der Gartenfreund 4, 1871, S. 147–149; Gartenflora 20, 1871, S. 63, 125–127; Oesterreichische botanische Zeitschrift 21, 1871, S. 62.
L.: Czeike; G. M. Hahnkamper, Der Wiener Gemeinderat zwischen 1861 und 1864, phil. Diss. Wien, 1973, S. 316; M. Petz-Grabenbauer, Der „Hortus Botanicus Vindobonensis“ …, phil. Diss. Wien, 1997, S. 185; B. Bacher, Lothar A. Das gartenarchitektonische Werk, rer. nat. techn. Diss. Wien, 2006, S. 13f. (auch für Rudolf A.); M. Svojtka, Das botanische Frühwerk des Paläobiologen Othenio A. (1875–1946), in: GeoGeschichte und Archiv ..., ed. J. Seidl – B. Hubmann, 2011, S. 53f.; ABK, Österreichische Gartenbau-Gesellschaft, TU, UA, alle Wien; Stadtarchiv St. Pölten, Niederösterreich. – Rudolf A.: Wiener Landwirthschaftliche Zeitung, 13. 1. 1883 (m. B.); Gartenflora 32, 1883, S. 64; Wiener Illustrirte Garten-Zeitung 8, 1883, S. 47; Österreichische Gartenbau-Gesellschaft, Wien.
(M. Petz-Grabenbauer)  
Zuletzt aktualisiert: 15.3.2013  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 2 (15.03.2013)
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