Adámek, Bohumil (1848–1915), Dramatiker, Dichter und Volkskundler

Adámek Bohumil, Dramatiker, Dichter und Volkskundler. Geb. Hlinsko, Böhmen (CZ), 8. 11. 1848; gest. ebd., 28. 10. 1915. Sohn des wohlhabenden Unternehmers, Wohltäters und langjährigen Gemeinderats Jan Adámek, Bruder von →Karel Adámek. – Nach vierjährigem Besuch der Hauptschule in Chrudim wechselte A. 1859 an das Prager Altstädter Gymnasium, wo der Tschechischprofessor Václav Vlček seine literarischen Anfänge förderte. Nach der Matura 1867 hörte A. an der Universität Prag Vorlesungen aus Geschichte, Philologie und Ästhetik und lernte Fremdsprachen. 1869–70 studierte er an der Wiener, 1870–71 an der Münchner Universität Kunstgeschichte (bei Moriz Carrière) und Kulturgeschichte. Dort befreundete er sich mit →Karl Kliebert, der später die Ouvertüre zu seiner Tragödie „Salomena“ komponierte. A. unternahm zahlreiche Reisen nach Deutschland, insbesondere in die Bayrischen Alpen, sowie nach Frankreich, in die Schweiz und durch Österreich-Ungarn. Nach dem Studium ließ er sich in Hlinsko nieder, wo seine Bibliothek und seine Manuskripte 1874 bei einem Stadtbrand vernichtet wurden. Obwohl sich A. auf eine Karriere als Universitätslehrer vorbereitet haben soll, blieb er sein Leben lang Privatier. In Hlinsko war er, zusammen mit seinem Bruder Karel, in der Selbstverwaltung tätig, wurde Vertrauensmann der Jungtschechischen Partei und beteiligte sich am Vereins- (Obmann des Gesangvereins Svantovít) und Kulturleben (Förderer der Theaterdilettanten) der Stadt. Weiters war er Mitglied des Schriftstellervereins Máj (1902) und des Klub českých dramatiků (ab 1905). A. ist Autor zweier historischer Dramen: Das patriotische, von tragischer Liebe und Pflichtbewusstsein handelnde Versdrama „Salomena“ spielt in Prag zur Zeit Kaiser Ferdinands und wurde im November 1883 als erstes Schauspiel am wiedererrichteten Prager Nationaltheater aufgeführt (Druck 1885). Das Stück wurde mit dem Grabowski- und dem „russischen Preis“ ausgezeichnet und vom tschechischen Publikum als Allegorie auf das Zeitgeschehen (als tschechischer Protest gegen die nicht realisierte Krönung von Kaiser →Franz Joseph I. zum böhmischen König) interpretiert. Die historische Tragödie „Heralt“ (1886) aus der Zeit Kaiser Rudolfs II. wurde 1887 ebenfalls am Nationaltheater aufgeführt (Regie →Josef Šmaha), erreichte jedoch nicht den Erfolg der „Salomena“. A.s Gedichte, die er in Zeitschriften wie „Zlatá Praha“, „Zvon“ und „Osvěta“ publiziert hatte, erschienen gesammelt in dem Jaroslav Vrchlický gewidmeten Band „Horské ovzduší“ (1902). In ihnen versuchte A. Landschaft, Natur, Tradition und Brauchtum seiner Heimat sowie das Alltagsleben mit deutlichem sozialem Unterton und in bewusst ungelenker, rauer Sprache zu charakterisieren. Manuskript blieben seine ethnographischen Anmerkungen zur Folklore („Motivy“ 1874–1915), Skizzen zu mehreren Schauspielen, Erzählungen und Dichtungen. A. befasste sich auch mit der Volkskultur der Gegend um Hlinsko und beschaffte einen Teil der Exponate für die Ausstellung Národopisná výstava českoslovanská in Prag (1895). Er war ab 1892 korrespondierendes Mitglied der Böhmischen Kaiser Franz Joseph-Akademie der Wissenschaften, Literatur und Kunst (IV. Klasse), 1900 erhielt er deren Preis für seinen Gedichtband. Vor seinem Tod vermachte A. dem Museum in Hlinsko Immobilien und Grundstücke und ließ mehreren Vereinen großzügige Förderungen zukommen (Ústřední Matice školská, Pensijní spolek Máj). Im Museum erinnert ein Gedenksaal mit zahlreichen Exponaten an die Familie A. Sein literarischer Nachlass befindet sich im Památník národního písemnictví in Prag.

N.: Národní listy (A.), 29. 10. 1915; Lidové noviny, 30. 10. 1915; H. Jelínek, in: Lumír 43, 1914/15, S. 324; Jitřenka 34, 1915, S. 348f.; Český svět 12, 1915/16, Nr. 10, S. 6; Topičův sborník 3, 1915/16, S. 141f.; Zvon 16, 1915/16, S. 82f.; Zlatá Praha 33, 1915/16, S. 59f., 70 (m. B.), 383.
L.: K. V. Adámek, O nevydaných dramatech B. A., in: Národní listy, 28. 8. 1921; LČL; Masaryk; Otto; K. V. Adámek, Před premierou Adámkovy Salomeny, in: Česká revue 9, 1915/16, S. 587–596, 672–682, 723–731 (auch Separatabdruck); ders., B. A. a J. Vrchlický, in: Zlatá Praha 34, 1916/17, S. 442f., 454f., 466f.; ders., První období spisovatelské činnosti B. A., in: Časopis Musea království českého 92, 1918, S. 101–111, 202–215, 351–368; ders., Premiera a reprisy Adámkovy Salomeny, in: Česká revue 16, 1923, S. 141–149, 255–262, 304–308, 388–397, 452–459, 17, 1924, S. 211–215, 292–300, 348–354, 18, 1925, S. 156–160, 223–232, 281–285; ders., B. A. národopiscem, in: Národopisný věstník československý 19, 1926, S. 39–47; ders., A. Heyduk a jeho rod, in: Časopis Českého musea 101, 1927, S. 64–81, 181–200; ders., Bavorský pobyt B. A., ebd. 103, 1929, S. 250–277; ders., B. A. a S. Čech, in: Časopis Národního musea 110, 1936, S. 94–133; A. Stich – Z. Benešová-Tomanová, Otevření Národního divadla a Adámkova Salomena, in: Město v české kultuře 19. století, ed. M. Freimanová, 1983, S. 363–376 (selbstständig: A. Stich, Od Karla Havlíčka k Františku Halasovi, 1996, S. 117–129).
(V. Petrbok)  
Zuletzt aktualisiert: 10.5.2013  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 2 (15.03.2013)
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Porträt: Adámek Bohumil