Albrizzi Teotochi, Isabella Gfn. von; geb. Teotochi Elisabetta (1760–1836), Schriftstellerin und Salonnière

Albrizzi Teotochi Isabella Gfn. von, geb. Teotochi Elisabetta, Schriftstellerin und Salonnière. Geb. auf Korfu/Corfù, Republik Venedig (Kerkira, GR), 30. 4. oder 16. 6. 1760; gest. Venedig, Lombardo-Venezien (Venezia, I), 27. 9. 1836. A. entstammte einer adeligen griechischen Familie auf Korfu, Tochter von Antonio Teotochi und seiner Frau Nicoletta Devaggia (Veja, da Veglia), Mutter von Giovan Battista Marin (geb. 7. 1. 1777) und Giuseppino (Pippi) Albrizzi (geb. Padua / Padova, I, 26. 8. 1799; gest. 1860 oder 1861); 1776–95 in 1. Ehe mit Carlo Antonio Marin (1793 Trennung, 1795 wurde die Ehe von Papst Pius VI. annulliert), ab 1796 in 2. Ehe mit dem Inquisitor Giuseppe Albrizzi verheiratet. – Mit 16 Jahren heiratete A. gegen ihren Willen den vermögenden Venezianer Marin. 1778 übersiedelte sie mit ihrer Familie nach Venedig und 1779 nach Salò. Nach ihrer Rückkehr nach Venedig 1780 bezogen sie ein eigenes Haus mit einem Gesellschaftszimmer, in dem A. bekannte Künstler empfing. Zwei Jahre später eröffnete sie ihren eigenen Salon in einem Palazzo beim Ponte de’ Baretteri. Dort und ab 1800 im „Gelben Zimmer“ des Corte Michiel verkehrten berühmte Persönlichkeiten wie Ippolito Pindemonte (der ihr den Namen Isabella gab), →Antonio Canova, Lauro und Angelo Querini, Madame de Staël, Johann Wolfgang von Goethe, George Gordon Byron und Walter Scott. Mit Ugo Foscolo und Dominique Vivant-Denon unterhielt A. darüber hinaus Liebesbeziehungen. Ihr erstes Werk, einen literarischen Disput in Briefform mit dem Titel „Risposta della Signora Albrizzi all’Abate Arteaga“ (in: Tragedie di Vittorio Alfieri da Asti 6), veröffentlichte sie 1803. Ihre „Ritratti“, 16 literarische Porträts berühmter Persönlichkeiten, erschienen 1807. Bis zur vierten Ausgabe 1826 fügte sie acht weitere hinzu (u. a. Andrea Mustoxidi und Byron). Auf Anregung ihres Verlegers Niccolò Bettoni beschrieb sie die „Vita di Vittoria Colonna“ (in: Vite e ritratti di donne illustri, 1815). Ihr literarisches Hauptwerk „Opere di scultura e di plastica di Antonio Canova“ wurde 1809 veröffentlicht. Neben einigen Aufenthalten in Italien unternahm sie 1817 eine Reise nach Paris, wo sie fünf Monate verbrachte und u. a. Ennio Quirino Visconti, Mandame Genlis, Georges Cuvier und Alexander von Humboldt traf. 1833 erschien ihr letztes Werk, „Ritratto di Giustina Renier Michiel“. Posthum wurden viele ihrer Briefwechsel veröffentlicht. 1816 erhielt sie von Kaiser →Franz II. (I.) den Sternkreuzorden.

L.: Wurzbach; A. Meneghelli, Notizie biografiche di I. A. nata T., 1837; A. Chiades, Addio, bello e sublime ingegno. Addio. U. Foscolo e I. T. A., 1987; A. L. Franchetti, in: Studi italiani 8, 1996, H. 1, S. 109ff.; Dizionario biografico degli italiani 49, 1997 (s. unter Foscolo, Ugo; auch online); I. Pindemonte, Lettere a Isabella (1784–1828), ed. G. Pizzamiglio, 2000; A. Favaro, I. T. A.: la sua vita, i suoi amori e i suoi viaggi, 2003; E. Eickhoff, Venedig – spätes Feuerwerk: Glanz und Untergang der Republik, 2006, S. 317ff.; L. Scarlini, in: L’indice dei libri del mese 27, 2010, H. 2, S. 25ff.; F. Favaro, in: Lettere italiane 63, 2011, H. 1, S. 114ff.
(R. Müller)   
Zuletzt aktualisiert: 15.11.2014  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 3 (15.11.2014)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 1, 1954), S. 13
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