Alschinger, Andreas (1791–1864), Botaniker und Altphilologe

Alschinger Andreas, Botaniker und Altphilologe. Geb. Angern, Böhmen (Bujanov, CZ), 20. 11. 1791; gest. Wien, 10. 1. 1864; röm.-kath. Bauernsohn. – A., der für das Priesteramt bestimmt war, besuchte die Volksschule in Rosenthal (Rožmitál na Šumavě) und in Reichenau an der Maltsch (Rychnov nad Malší) sowie das Gymnasium in Linz, wo er den zweijährigen philosophischen Lehrgang absolvierte und anschließend Theologie studierte. 1818 nahm er eine Stelle als Supplent an der Handels- und Seeakademie in Triest an, 1820 wurde er Lehrer am Gymnasium in Fiume (Rijeka), ab 1821 am Lyzeum in Zara (Zadar). 1824–55 unterrichtete er Geschichte, Griechisch, Latein, Deutsch und Naturgeschichte, 1855–59 bis zu seiner Pensionierung ausschließlich Griechisch. 1859 übersiedelte A. nach Wien. Neben seiner Tätigkeit als Gymnasiallehrer beschäftigte er sich vorwiegend mit naturwissenschaftlichen Studien. Bereits in seiner Jugend hatte er Insekten, Mineralien und Pflanzen gesammelt, fühlte sich allerdings immer mehr zur Botanik hingezogen. Verstärkt wurde dieses Interesse durch die Freundschaften mit dem Botaniker Peter Petruzzi und dem Apotheker Michael Bereich. 1829 unternahm er gemeinsam mit Petruzzi eine botanische Sammelreise durch Dalmatien, die ihn bis nach Cattaro (Kotor) führte. Das wissenschaftliche Ergebnis dieser Reise war die „Flora Jadrensis“, 1832, deren Publikation er selbst finanzierte. Das Werk, das als sein bedeutendstes gilt, wurde eine vielfach benützte Quelle für das Studium der dalmatinischen Pflanzenwelt und war in der Folge auch für kulturwissenschaftliche Sprachforschungen von Interesse. Bei der Auflistung der Pflanzen führte A. neben den lateinischen, deutschen und italienischen auch die griechischen und kroatischen Pflanzenbezeichnungen an. Diese Arbeit vervollständigte er durch ein Verzeichnis der um Zara neu aufgefundenen Pflanzen, das er 1853 im „Oesterreichischen Botanischen Wochenblatt“ veröffentlichte. 1829–59 bestieg A. häufig das Velebit- und zwei Mal das Biokovo-Gebirge. Begleitet wurde er dabei von seinen Schülern sowie von seinem Freund Ludwig Frh. von Welden. Daneben legte A. ein umfangreiches Herbarium der phanerogamen Flora Dalmatiens an. Doubletten seiner Sammlung sandte er u. a. an →Franz von Portenschlag-Ledermayer nach Wien, an den Direktor des botanischen Gartens in Padua Roberto Visiani sowie an das Museum Francisco Carolinum nach Linz. A. war Mitglied in zahlreichen naturwissenschaftlichen Vereinen, u. a. ab 1843 Mitglied der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft und ab 1852 der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien.

Weitere W.: s. Stafleu.
N.: Oesterreichische Botanische Zeitschrift 14, 1864, S. 151–154; Flora 47, 1864, S. 125.
L.: ADB; Enc. Jug. (m. L.); Kosch; Lex. böhm. Länder; NDB; Révai; Stafleu (m. W. u. L.); Wurzbach (m. L.); R. Steinbach, Österreichische Botaniker des 19. Jahrhunderts, die nicht an Hochschulen wirkten, phil. Diss. Wien, 1958, S. 146f.; Hrvatski biografski leksikon, 1983 (m. L.); Materialiensammlung ÖBL, Wien.
(M. Petz-Grabenbauer)   
Zuletzt aktualisiert: 1.3.2011  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 1 (01.03.2011)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 1, 1954), S. 15
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