Ambrózy-Migazzi (Ambrózy-Migazzy), István (Stefan) Gf.; bis 1913 Frh. Ambrózy de Séden, bis 1918 Gf. Ambrózy de Séden, Wall- et Sonnenthurm (1869–1933), Dendrologe und Jurist

Ambrózy-Migazzi (Ambrózy-Migazzy) István (Stefan) Gf., bis 1913 Frh. Ambrózy de Séden, bis 1918 Gf. Ambrózy de Séden, Wall- et Sonnenthurm, Dendrologe und Jurist. Geb. Nizza (Nice, F), 5. 3. 1869; gest. Tana (Tanakajd, H), 31. 8. 1933; evang. AB. Sohn des Großgrundbesitzers Lajos Frh. Ambrózy de Séden (geb. Temesremete, Ungarn / Remetea Mare, RO, 9. 10. 1831; gest. Tana, 20. 8. 1893) und Gfn. Ágota Mária Gobertina Erdődy de Monyorókerék et Monoszló (geb. Vörösvár, Ungarn / Rotenturm an der Pinka, Burgenland, 15. 7. 1839; gest. Tana, 28. 12. 1914); ab 1892 verheiratet mit Gfn. Antónia Migazzi de Wall- et Sonnenthurm (geb. Aranyosmarót, Ungarn / Zlaté Moravce, SK, 6. 3. 1867; gest. Tanakajd, 19. 10. 1945). – A. verbrachte seine Jugend auf dem Familienbesitz in Tana, wo er Privatunterricht erhielt. In Wien besuchte er die Theresianische Akademie und diente nach der Matura 1888 als Einjährig-Freiwilliger beim Husaren-Regiment 5; 1890 Leutnant der Reserve. Danach studierte er Rechtswissenschaften an den Universitäten Budapest (1890–92), Wien und Löwen; 1895 Dr. jur. in Budapest. A. trat in den Regierungsdienst ein und war 1896–1918 Mitglied des Magnatenhauses im ungarischen Reichstag. 1920–22 fungierte er als Abgeordneter der Partei der Christlich-Nationalen Einigung des Oberwarter Wahlbezirkes in der ungarischen Nationalversammlung. Sein Interesse galt der Garten- und Parkgestaltung. In seiner Jugend lernte er in England Parkanlagen mit mediterraner Vegetation kennen und stellte fest, dass Gartenanlagen mit immergrüner Bepflanzung auch nördlich der Alpen möglich waren. Ab 1892 legte er im Schlosspark der Familie Migazzi in Malonya (Mlyňany) ein sempervirentes Arboretum mit 16 Gehölzarten in halbkontinentaler Klimazone an. 1894 bereiste er Spanien sowie die Kanarischen Inseln und brachte u. a. Koniferen, Stechpalmen, Rhododendren und Kirschlorbeer nach Malonya. Daneben experimentierte er mit ostasiatischen Gehölzarten. Verdienste erwarb er sich durch Klimabeobachtungen sowie mit Experimenten um die Anpflanzung der winterharten Eichenarten Quercus suber (Korkeiche) und Quercus ilex (Steineiche). Mit Ausbruch des 1. Weltkriegs 1914 kehrte er nach Tana zurück. Der Park von Mlyňany wurde 1953 der Slovenská akadémia vied eingegliedert und besitzt dank A.s Initiativen die heute wertvollste Sammlung immergrüner Gehölze in Europa. In Tana befasste sich A. mit theoretischen Problemen der Kultur immergrüner Pflanzen in gemäßigten Breiten. Seine Erkenntnisse veröffentlichte er erstmals in →Ernst Emanuel Gf. von Silva Taroucas Publikation „Unsere Freiland-Laubgehölze…“, 1913, unter dem Titel „Immer- und wintergrüne Laubgehölze“. Er unterhielt Kontakte zu international anerkannten Gartenbauexperten wie →Camillo Schneider und →Hans Molisch. 1916 kaufte A. unweit seines Wohnortes die Jeli-Puszta, ein 150 ha großes Heidegebiet, wo er u. a. Ericaceen-Arten, Camassia-Arten, Iris pumila sowie verschiedene Narzissenarten pflanzte und 1924 auch Rhododendren, Berberis, Buchsbäumen und Stechpalmen. Darüber hinaus entwarf A. Pläne für die Rekonstruktion der Landschaftsgestaltung auf dem Gellértberg in Budapest und im Gebiet um das Donauknie. A. war Mitglied in zahlreichen wissenschaftlichen Vereinigungen, darunter der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft.

Weitere W. (s. auch Slovenský biografický slovník; Új magyar életrajzi lexikon): Aus meiner Malonyaer Werkstatt, in: Mitteilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft 31, 1921.
L.: Révai; C. Schneider, Malonya. Ein Reich immergrüner Schönheit, in: Gartenschönheit 2, 1921, S. 182–185; R. Rapaics, Magyar kertek. A kertművészet Magyarországon, 1940, S. 226–239; C. Schneider, Malonya, ein dendrologisches Paradies, in: Mitteilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft 53, 1940, S. 218–222; G. Róth, Megemlékezés dr. A. I., in: Erdő 9, 1960, S. 413–415; G. Steinhübel, A.-M. I. szerepe a kertépítésben, 1964; P. Vértesi, A.-M. I., 1984 (m. B.); Slovenský biografický slovník 1, 1986 (m. B., W. u. L.); F. Faragó, Utazás a kertben, in: Liget 8, 1995, S. 3–14; Új magyar életrajzi lexikon 1, 2001 (m. B., W. u. L.); KA, UA, beide Wien; Eötvös Loránd Tudományegyetem, Budapest, H.
(M. Petz-Grabenbauer – E. Zecher)   
Zuletzt aktualisiert: 15.3.2013  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 2 (15.03.2013)
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