Ambschell (Ambschl, Ambschel, Ambšl), Anton von (1751–1821), Physiker, Mathematiker und Ordensangehöriger

Ambschell (Ambschl, Ambschel, Ambšl) Anton von, Physiker, Mathematiker und Ordensangehöriger. Geb. Raab (Győr, H), 9. 3. 1751 (lt. UA Wien); gest. Preßburg, Ungarn (Bratislava, SK), 14. 7. 1821; röm.-kath. A. trat 1768 in den Jesuitenorden ein und absolvierte ein Studium an der Universität Wien; 1776 Dr. phil. Bereits nach der Auflösung des Jesuitenordens hatte er 1773 den Lehrstuhl für Physik am Lyzeum in Laibach übernommen. Ab 1781 Lyzeumsrektor, musste er 1785 zurücktreten, da er sich gegen den Freidenker und liberalen Professor für Logik und Metaphysik Josef Novak stellte. A. übersiedelte nach Wien und unterrichtete als o. Prof. Physik und Mechanik an der Universität; 1792 Dekan. Ab 1809 war er Lektor und Domherr am Kollegiatstift in Preßburg. A. gilt als bedeutender Vertreter der klassischen theoretischen Physik von Isaac Newton sowie der Naturphilosophie von Ruđer Josip Bošković und war stark von Gottfried Wilhelm Leibnizʼ und Christian Wolffs Rationalismus beeinflusst. Als erster Physiker auf dem Gebiet des heutigen Sloweniens brach er mit der bisherigen wissenschaftlichen Tradition und untersuchte die Natur nach, neuen empirisch begründeten methodologischen Prinzipien, die er in drei Grundregeln festlegte. Darin ging es ihm um unveränderliche und experimentell bestimmbare Eigenschaften von Körpern, deren Wirkungen und die dazugehörige Beweisführung. A. veröffentlichte mehrere physikalische und mathematische Studien. Sein Hauptwerk „Anfangsgründe der allgemeinen auf Erscheinungen und Versuche gebauten Naturlehre“, 1791–93, behandelt in sechs Teilen alle Gebiete der damaligen klassischen Physik, u. a. allgemeine Eigenschaften von Körpern, ihr Verhalten im Ruhezustand und bei Bewegung, die Elemente Feuer, Luft und Wasser sowie Elektrizität und Astronomie. Weiters übersetzte A. Joseph von Herberts „Dissertatio de aquae, aliorumque nonnullorum fluidorum elasticitate“, 1773, als „Abhandlung von der Federkraft des Wassers, und einiger anderen flüssigen Körper …“ 1778 ins Deutsche und publizierte gemeinsam mit →Franz Rausch von Traubenberg das mathematische Handbuch „Elementa algebrae“, 1799. Daneben verfasste er theologische Werke in deutscher Sprache. A., der als einer der Wegbereiter der Aufklärung in Slowenien gilt, war Mitglied der Academia operosorum Labacensium in Laibach und der Krainer Ackerbaugesellschaft.

Weitere W.: s. Sommervogel; Szinnyei; Zelliger.
L.: Enc. Jug.; Graeffer–Czikann; Poggendorff 1; PSBL (s. u. Novak Jožef); SBL; Sommervogel (m. W.); Szinnyei (m. W.); A. Zelliger, Egyházi írók csarnoka. Esztergom-Főegyházmegyei papság irodalmi munkássága, 1893 (m. W.); S. D. Nedeljković, Les principaux savants Yougoslaves au XIXe siècle, in: Revue dʼhistoire des sciences et de leurs applications 13, 1960, S. 321; Slovenský biografický slovník 1, 1986; Slovenska enciklopedija 1, 1987; S. Južnič, Zgodovina raziskovanja luminiscentnih snovi 1, in: Vakuumist 16, 1996, Nr. 4, S. 22f.; ders., Pouk in profesorji fizike v jezuitskem kolegiju v Ljubljani, in: Kronika 48, 2000, S. 37, 42; ders., Zgodovina raziskovanja tekočih kristalov 1, in: Vakuumist 21, 2001, Nr. 3, S. 22f.; W. Höflechner, Materialien zur Entwicklung der Physik und ihrer „Randfächer“ Astronomie und Meteorologie an den österreichischen Universitäten 1752–1938, 2, 2002; Osebnosti. Veliki slovenski biografski leksikon, 2008; UA, Wien.
(H. Gračanin)   
Zuletzt aktualisiert: 1.3.2011  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 1 (01.03.2011)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 1, 1954), S. 18
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