Angerer, Eduard (1816–1898), Weihbischof

Angerer Eduard, Weihbischof. Geb. Leopoldstadt, Niederösterreich (Wien), 7. 12. 1816 (Taufdatum); gest. Wien, 22. 8. 1898; röm.-kath. Sohn des Schuhmachers Aloys Angerer und dessen Frau Elisabeth Angerer, geb. Simon. – Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte A. ab 1837 als Alumne des Priesterseminars Theologie an der Wiener Universität; 1841 Priesterweihe. In der Folge wirkte er als Kooperator in Brunn am Gebirge und ab 1843 als Zeremoniär und Sekretär der Erzbischöfe →Vinzenz Eduard Milde und →Josef Othmar von Rauscher. 1851 zum Konsistorialrat ernannt, stand er 1852–55 als Protokollführer bei den Verhandlungen zum Konkordat von 1855 in Verwendung. Ab demselben Jahr am Wiener Metropolitangericht tätig, fungierte er 1856 als Protokollführer der 2. Österreichischen Bischofskonferenz in Wien. Im Auftrag von Kardinal Rauscher ließ A. die wichtigsten Akten zum Wiener Provinzialkonzil von 1858 drucken („Acta et decreta concilii provinciae Viennensis A. D. MDCCCLVIII ...“, 1859). Ab 1857 Ehrendomherr, wurde A. 1862 zum Domherrn von St. Stephan ernannt; 1867 infulierter Domkantor, 1871 infulierter Domdechant von St. Stephan (Stellvertreter des Dompropsts), ab 1870 Stadtdechant des Wiener Bezirks Leopoldstadt. 1876 wurde A. von Erzbischof →Johann Rudolf Kutschker zum Generalvikar ernannt, er hatte diese Funktion auch unter den nachfolgenden Erzbischöfen →Cölestin Josef Ganglbauer und →Anton Josef Gruscha inne (bis 1897). Im selben Jahr wurde A. zum Weihbischof in Wien und Titularbischof von Alalia ernannt, kurz darauf erfolgte die Konsekration. Nach dem Tod von Kutschker (1881) und Ganglbauer (1889) fungierte er während der Sedisvakanz jeweils als Kapitularvikar. A. wurde auch als möglicher Nachfolger Kutschkers gehandelt. 1882 ernannte man A. zum Präses des Erzbischöflichen Konsistoriums und im August 1890 zum Propst des Metropolitankapitels. Im selben Jahr wurde er Titularerzbischof von Selymbria. Weitere Funktionen, die A. innehatte, waren jene des Präses des Diözesangerichts sowie des Kurators des fürsterzbischöflichen Knabenseminars in Hollabrunn. A. wurde als hervorragender, mit großem Fleiß und fachlicher Kompetenz ausgestatteter Generalvikar qualifiziert. 1855 erhielt er den Orden der Eisernen Krone III. Klasse und 1859 den Titel Päpstlicher Hausprälat; 1877 Dr. theol. h. c. der Wiener katholisch-theologischen Fakultät, 1881 Commandeur des Leopold-Ordens; Geheimer Rat.

L.: Gatz, Bischöfe; I. Fried, Das Metropolitankapitel zu St. Stephan in Wien in seiner personellen Zusammensetzung ... 1722–1900, phil. Diss. Wien, 1952, S. 40f.; F. Loidl, in: Beiträge zur Wiener Diözesangeschichte 18, 1977, S. 41ff.; F. Loidl, Geschichte des Erzbistums Wien, 1983, s. Reg.; Biographisches Lexikon des Österreichischen Cartellverbands (online, mit Bild, Zugriff 4. 6. 2018); Pfarre St. Josef, Wien.
(M. Sohn-Kronthaler)   
Zuletzt aktualisiert: 14.12.2018  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 7 (14.12.2018)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 1, 1954), S. 23
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