Anthony von Siegenfeld, Alfred Ritter; nannte sich gelegentlich Siegenfeld (1854–1929), Heraldiker und Genealoge

Anthony von Siegenfeld Alfred Ritter, nannte sich gelegentlich Siegenfeld, Heraldiker und Genealoge. Geb. Graz (Steiermark), 26. 6. 1854; gest. Wien, 5. 11. 1929. Sohn des Rittmeisters Joseph Ritter Anthony von Siegenfeld (gest. 1886) und der Ottilie Anthony von Siegenfeld, geb. Neuhold von Neuholdau. – A. studierte nach Absolvierung des Staatsgymnasiums an der Universität Graz Jus und Philosophie (1872–76), wobei er auch ein Jahr (1873) an der Universität in Göttingen zubrachte. Dem Vorbild seiner Vorfahren entsprechend begann er 1873 seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger beim Dragonerregiment Nr. 5, trat 1877 als Berufsoffizier in die Armee ein, besuchte die Wiener Kriegsschule und diente in der Folge bei verschiedenen Dragoner- und Ulanenregimentern sowie im Generalstab. 1886 wurde er in den nichtaktiven Stand versetzt. Nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Militärdienst widmete er sich zunächst der Bewirtschaftung seines Guts in der Untersteiermark, betrieb jedoch nebenbei intensive historische Studien. Seinen heraldisch-genealogischen Neigungen nachgehend, bewarb er sich schließlich um eine Anstellung im Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien: 1893 Konzipist II. Klasse, 1897 Konzipist I. Klasse, 1905 Haus-, Hof- und Staatsarchivar, 1911 Sektionsrat, 1913 2. Vizedirektor; 1917 erhielt er den Titel und Charakter eines Hof- und Ministerialrats verliehen, 1918 trat er in den Ruhestand. Das schon vorher in privaten Forschungen erworbene Wissen konnte A. im Staatsarchiv mit Hilfe der Archivalien auf eine noch wesentlich breitere Basis stellen, sodass er bald zu einer anerkannten Autorität in heraldisch-genealogischen Fragen wurde. A. wurde wiederholt zur Abfassung von Gutachten herangezogen, sowohl auf dem Gebiet der Staatsheraldik als auch bei heraldisch-genealogischen Belangen des Hofes oder des Hauses Habsburg. Große Verdienste erwarb er sich mit seinen Vorschlägen zur Schaffung eines gemeinsamen Österreichisch-Ungarischen Staatswappens, die er während der diesbezüglichen Verhandlungen zwischen 1903 und 1916 einbrachte. 1898 k. u. k. Kämmerer, 1905 Ernennung zum Ahnenprobenexaminator beim Oberstkämmereramt; 1902 wurde er Ritter des Franz Joseph-Ordens, 1916 erhielt er den Orden der Eisernen Krone III. Klasse. Im privaten Bereich engagierte er sich ab 1877 bei der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft „Adler“ (ab 1894 in deren Vorstand). 1891 Korrespondent in Graz, 1895 Korrespondent für Niederösterreich, 1905 ständiger Referent in der Zentralkommission für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale, 1903–29 Mitglied der Historischen Landeskommission für Steiermark, ab 1908 Mitglied des Geschichtsvereins für Kärnten.

W. (s. auch Aichelburg-Emperger): Die Leutzendorffer, in: F. Krauss, Die Eherne Mark 1, 1892; etc. – Ed.: Steiermärkisches Wappenbuch von Zacharias Bartsch 1567, 1893 (gem. m. J. v. Zahn); Das Landeswappen der Steiermark, 1900; Die Wappenbriefe und Standeserhebungen des Römischen Königs Ruprecht von der Pfalz, 1895; Innerösterreichische Rosensiegel, 1895; etc.
L. (tw. auch unter Siegenfeld): E. Aichelburg-Emperger, in: Festschrift … Heraldischen Gesellschaft „Adler“ … A. A. v. S., 1924, S. 1ff. (m. B. u. tw. W.); A. v. Pantz, in: Monatsblatt der heraldischen Gesellschaft „Adler“ 10, 1929, S. 594f.; A. Jaksch, in: Carinthia I, 120, 1930, S. 42; L. Bittner, Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs, Biographien der Mitarbeiter 1, 1936, S. 138ff.; W. Leesch, Die deutschen Archivare 1500–1945, 2, 1992; Personenlexikon zur Österreichischen Denkmalpflege, bearb. Th. Brückler – U. Nimeth, 2001; B. A. Reismann – F. Mittermüller, Stadtlexikon (= Geschichte der Stadt Graz 4), 2003.
(M. Göbl)   
Zuletzt aktualisiert: 15.11.2014  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 3 (15.11.2014)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 1, 1954), S. 24
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