Arlt (Arld) von Bergschmidt, Ferdinand Ritter (1812–1887), Ophthalmologe

Arlt (Arld) von Bergschmidt Ferdinand Ritter, Ophthalmologe. Geb. Obergraupen, Böhmen (Horní Krupka, CZ), 17. 4. 1812; gest. Wien, 7. 3. 1887; röm.-kath. Sohn des Bergschmiedemeisters Joseph Arld (Arlt) und der Maria Arld (Arlt), geb. Kohlschütter; ab 1842 verheiratet mit der Arzttochter Maria Arlt, geb. Dittrich (geb. 6. 8. 1812; gest. 21. 1. 1876). – A. wuchs in sehr bescheidenen Verhältnissen auf. Nach Absolvierung des Gymnasiums studierte er, ursprünglich zum Priester bestimmt, ab 1831 Philosophie und ab 1834 Medizin an der Universität Prag. Seine Studienzeit finanzierte er sich u. a. als Erzieher; 1839 Dr. med. und Dr. chir. in Prag, 1848 Mag. ophthalm. in Wien. 1839–40 vertiefte A. seine Ausbildung in Wien bei →Josef von Skoda und dem Anatomen →Karl Freiherr von Rokitansky. 1840 Sekundararzt, erhielt er im selben Jahr eine Assistentenstelle an der Universitätsaugenklinik in Prag. 1842–49 betrieb er eine Privatpraxis und fungierte daneben 1842–45 als Konzeptspraktikant beim Kreisamt von Kauřim, 1842–56 als Mediziner am Prager Blindeninstitut sowie 1843–48 in der Erziehungsanstalt für jugendliche Gesetzesübertreter und des Vereins zum Wohle entlassener Züchtlinge. Nach seinen Habilitationen für Ohrenheilkunde 1843 sowie für pathologische Anatomie des Auges 1847 an der Universität Prag supplierte er 1846–49 die Lehrkanzel für Augenheilkunde; 1849 ao. Professor. Im selben Jahr erhielt er eine Berufung nach Leipzig, die er aber im Hinblick auf die erfolgte Verleihung der Prager Lehrkanzel für Augenheilkunde ablehnte. 1856 wurde er als o. ö. Professor für Augenheilkunde und Nachfolger von →Anton von Rosas nach Wien berufen. 1883 trat er in den Ruhestand. Wissenschaftlich beschäftigte sich A. v. a. mit pathologisch-anatomischen Fragen und stellte die häufigste Ursache für die Kurzsichtigkeit, nämlich die Verlängerung des Bulbus, fest. Darüber hinaus führte er Augenoperationen am liegenden Patienten ein. A. gehört mit dem Berliner Mediziner Albrecht von Graefe, der durch ihn überhaupt erst dazu angeregt wurde, sich der Augenheilkunde zu widmen, und mit Frans Cornelis Donders aus Utrecht zu den herausragenden Augenärzten der Mitte des 19. Jahrhunderts. Sein Ruf als ausgezeichneter Operateur bewirkte, dass ihn Patienten aus aller Welt konsultierten. Weiters engagierte sich A. in der Aus- und Fortbildung von Ärzten und zählte ganze Generationen von Medizinern zu seinen Schülern, darunter →Ernst Fuchs, →Friedrich Dimmer, →Lucjan Rydel, →Karl Koller und →Leopold Königstein. Mit seinem mehrfach aufgelegten dreibändigen Werk „Die Krankheiten des Auges“ (1851–54) begründete A. seinen Weltruhm in Fachkreisen. 1844–49 war er Referent für Augenheilkunde der Prager „Vierteljahrschrift für die praktische Heilkunde“ und ab 1855 Mitherausgeber des „Archivs für Ophthalmologie“. In Wien wurde A. als „Emporkömmling“ von seinen Fachkollegen nicht beachtet. Lediglich mit Ignaz Gulz, den er aus der Studentenzeit kannte, verband ihn eine tiefe Freundschaft. Lose Kontakte hatte er durch die Mitgliedschaft im Skodaclub, einem Freundeskreis um seinen ehemaligen Lehrer. Standespolitisch aktiv, war A. ab 1867 Mitglied des Unterrichtsrats, ab 1868 des Comités für Militärsanitätsreformen sowie ab 1877 – dem Jahr seiner Ernennung zum Hofrat – der Stipendienkommission der Universität Wien. Er erhielt u. a. 1865 das Ritterkreuz des mexikanischen Guadalupe-Ordens, 1870 den Orden der Eisernen Krone III. Klasse (inklusive Erhebung mit dem Zusatz „von Bergschmidt“ in den Ritterstand), 1883 das Komturkreuz des Franz Joseph-Ordens mit Stern. 1880–82 Präsident der Gesellschaft der Ärzte in Wien, wurde er 1886 zu deren Ehrenpräsidenten gewählt.

Weitere W. (s. auch Roth): Meine Erlebnisse, 1887 (mit Bild und W.).
L.: NFP, 8. 3., 19. 11., WZ, 9. 3. 1887; Eisenberg 2; Hirsch; Hirschberg, Geschichte der Augenheilkde. 15/2 (mit Bild); Lesky, s. Reg.; NDB; Pagel; Wurzbach; H. Adler, Professor F. Ritter von A., 1887 (mit Bild); Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 99, 1937, S. 392f. (mit Bild); W. Koerting, Die Deutsche Universität in Prag, 1968, S. 229ff.; R. Roth, Die Personalbibliographien der Professoren und Dozenten der Augenheilkunde, Dermatologie, Gerichtsmedizin ... der deutschen Karl-Ferdinands-Universität in Prag ..., 1848–80, med. Diss. Erlangen-Nürnberg, 1972, S. 1ff. (mit W.); H. Freyler, in: Spektrum der Augenheilkunde 1, 1987, S. 183ff. (mit Bild); Biografický slovník pražské lékařské fakulty 1348–1939, 1, 1988; F. Krogmann, I. Gulz, 1996, S. 166ff., 198ff.; H. Gröger – G. Schmidt-Wyklicky, in: Spektrum der Augenheilkunde 26, 2012, S. 290ff.; AVA, HHStA, Pfarre Votivkirche, UA (mit Bild), alle Wien; Pfarre Krupka, Pfarre Litomĕřice, beide CZ.
(F. Krogmann)   
Zuletzt aktualisiert: 14.12.2018  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 7 (14.12.2018)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 1, 1954), S. 28
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