Arnleitner, Friedrich (1845–1903), Musikerzieher, Chorleiter, Organist, Komponist und Lehrer

Arnleitner Friedrich, Musikerzieher, Chorleiter, Organist, Komponist und Lehrer. Geb. Hofkirchen (Hofkirchen im Traunkreis, Oberösterreich), 19. 2. 1845; gest. Linz (Oberösterreich), 9. 10. 1903; röm.-kath. Sohn des in Hofkirchen, dann in Ebelsberg tätigen Lehrers Matthäus Arnleitner und der Theresia Arnleitner, geb. Miedl, Vater von Marianne Arnleitner, verheiratete Bauer (geb. 1886), Altsolistin in Stadtpfarrkirche und Dom in Linz; verheiratet mit Rosalia Arnleitner, geb. Linzer. – Nach erstem Violin- und Klavierunterricht durch seinen Vater war A. 1855–59 Sängerknabe im Stift St. Florian. Dort erhielt er weiteren Violin- und Klavierunterricht und war auch Schüler →Anton Bruckners sowie Sopransolist. 1859–61 besuchte er die Oberrealschule in Linz, wo er für seine hervorragenden Leistungen in Gesang und Orgelspiel einen Preis erhielt, 1861–63 die Präparandie in Linz; 1880 Lehramtsprüfung für Gesang an Mittelschulen und Lehrerbildungsanstalten in Wien. 1863/64 war A. Lehrer in Altmünster, 1864 in Enns, 1864–78 in Urfahr, dann an der Knabenschule auf der Spittelwiese in Linz, ab 1892 Leiter der Kronprinz-Rudolf-Mädchenvolksschule in der Baumbachstraße, an der er bis zu seinem Tod wirkte. Ab 1873 auch Klavier- und Gesangslehrer an der Lehrerbildungsanstalt Linz, wechselte er als solcher 1879 an das Staatsgymnasium und an die Staatsrealschule, mit deren Chören er bei Schulveranstaltungen und bei Gottesdiensten im Neuen Dom und in der Minoritenkirche mitwirkte und damit in der Öffentlichkeit Anerkennung fand. Ab 1889 unterrichtete er zudem Gesang am Mädchen-Lyzeum. 1865 wurde A. Mitglied des Männergesangvereins Kränzchen in Linz sowie der Liedertafel „Frohsinn“, als deren 2. Chormeister, Klavierbegleiter und Gesangssolist er 1869–95 tätig war. Bei Vakanzen des 1. Chormeisters übte er dessen Funktionen oft längere Zeit aus, führte den gesamten Probenbetrieb weiter und leitete zahlreiche Konzerte. Den Damenchor, der mit dem Männerchor als gemischter Chor und auch alleine auftrat und ab 1891 als Frauengesangverein der Liedertafel „Frohsinn“ organisiert war, führte er auf ein allgemein geschätztes Leistungsniveau. Mit drei Damen bildete er ein Oberquartett, mit dem er mehrmals auftrat. 1871–75 wirkte A. als Klavierlehrer an der Musikschule der Gesellschaft der Musikfreunde Linz (heute Anton Bruckner Privatuniversität) und dirigierte 1873 deren Konzert. Mit seinen Schulchören brachte er bei Feiern in Schule und Öffentlichkeit anerkannte Leistungen zustande. Seine Kompositionen fanden aufgrund ihres volkstümlichen Charakters weite Verbreitung, am bekanntesten wurde das Lied „O, hast du noch ein Mütterchen“. Mehrere seiner Werke wurden in Liederbücher aufgenommen. Mehrere Male wurde er zu Kollaudierungen von Orgelneu- bzw. –umbauten berufen. A. war mit Anton Bruckner befreundet. 1893 wurde er Ehrenmitglied der Liedertafel Frohsinn.

Weitere W.: Messe für 4-stimmigen Männerchor, 1863; diverse Kirchenwerke, volkstümliche Lieder für Männerchor und gemischten Chor: Begrüßungschor, Es rauscht eine Welle, Dirndl, du mein Herzensschatz, Potpourri, Am Traualtar, Ständchen, Waldfrieden, Nun bricht aus allen Zweigen, Fliege du Vöglein, Im Maien, Gute Nacht, Wer keinen Frühling hat, Abendlied, Es rauscht und lauscht die Frühlingsnacht, Letzter Wunsch.
L.: Linzer Volksblatt, 10. (Parten), 13. 10. 1903, 12. 5. 1962, 19. 2. 1970; Linzer Zeitung, 10. 10. 1903; Tagespost Linz, 10. 10. 1903 (mit Parten), 9./10. 10. 1943; Mühlviertler Nachrichten, 29. 4. 1954; Oberösterreichische Nachrichten, 9. 10. 1963; Oberösterreichisches Tagblatt, 10. 5. 1967; Krackowizer; Chronik der Liedertafel „Frohsinn“ in Linz über den 50jährigen Bestand …, ed. K. Kerschbaum, 1895, S. 258, 267; F. Brunner, Der Linzer Musikverein … 1821–1901, 1901, S. 36ff., 41; Liedertafel „Frohsinn“ in Linz. Jahresbericht … 1903/04, 1904, Anhang S. 3f.; 53. Jahresbericht des k. k. Staats-Gymnasiums zu Linz …, 1904, S. 53f.; H. Hagleitner, in: Oberösterreichische Männergestalten aus dem letzten Jahrhundert, ed. E. Straßmayr, 1926, S. 101ff. (mit Bild); W. Kosch, Das katholische Deutschland 1, 1933; (F.) Schaffranke, in: Jahresbericht der Bundesrealschule Linz 1960/61, 1961, S. 33ff.; Sänger-Zeitung 3, 1963, Nr. 5/6, S. 6; G. K. Mitterschiffthaler, in: Bruckner-Studien, 1975, S. 126, 129; Ordinariatsarchiv, Stadtarchiv, beide Linz, Oberösterreich.
(K. Mitterschiffthaler)   
Zuletzt aktualisiert: 30.11.2015  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 4 (30.11.2015)
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