Arthaber, Gustav Adolf von (1864–1943), Paläontologe

Arthaber Gustav Adolf von, Paläontologe. Geb. Wien, 21. 10. 1864; gest. ebd., 29. 4. 1943; evang. AB. Enkel von →Rudolf von Arthaber, Sohn des Fabrikanten Johann Josef Rudolf von Arthaber (1828–1899) und von Elise Hermine von Arthaber, geb. Clauß (1833–1911); ab 1903 verheiratet mit Berta von Arthaber, geb. Rohn (geb. 14. 12. 1869). – Zunächst erhielt A. Privatunterricht und verbrachte danach seine Jugend bis zum 14. Lebensjahr in Schnepfenthal in Thüringen. Nach der Matura am Maximiliansgymnasium (später Wasagymnasium) in Wien 1886 und der Ableistung seines Einjährig-Freiwilligen-Jahrs studierte er ab 1887 an der philosophischen Fakultät der Universität Wien und verfasste 1891 unter →Eduard Sueß und Wilhelm Heinrich Waagen seine geologische Dissertation „Beobachtungen im Görtschitz-Tal in Kärnten“; 1892 Dr. phil. Während des Studiums war A. 1889–92 Volontär an der mineralogisch-petrographischen Abteilung des Naturhistorischen Hofmuseums in Wien. Ab 1893 Aushilfsassistent, wirkte er 1896–98 als o. Assistent und ab 1899 als Adjunkt am Paläontologischen Institut der Universität Wien. 1897 habilitierte sich A. mit seinem Werk zur „Cephalopodenfauna der Reiflinger Kalke“ (in: Beiträge zur Paläontologie und Geologie Österreich-Ungarns und des Orients 10, 1896) sowie zwei kleineren Arbeiten als Privatdozent für Geologie und Paläontologie und hielt fortan entsprechende Fachvorlesungen. Da Waagen erkrankte, supplierte A. die Institutsleitung von 1897 bis zur Übernahme durch →Carl Diener 1903. In Absprache mit Diener hielt A. später vor allem ergänzende stratigraphische Vorlesungen. 1907 wurde er zum unbesoldeten ao. Prof. für Paläontologie und Stratigraphie, 1911 zum besoldeten ao. Prof. ernannt. Obwohl A. 1920 Titel und Charakter eines o. Prof. verliehen wurden, erlosch die ab 1911 bestehende Verpflichtung zur unentgeltlichen Versehung der Aufgaben eines Adjunkten der paläontologischen Lehrkanzel erst 1924. 1924–28 leitete A. erneut das Institut. Daneben engagierte er sich in allgemeinen Personal- und Verwaltungsangelegenheiten der Universität. 1933 erfolgte die vorzeitige Versetzung in den dauernden Ruhestand. A.s wissenschaftliches Verdienst liegt in seinen Arbeiten über Paläontologie und Stratigraphie der Trias (er galt als deren bester Kenner) sowie über fossile Cephalopoden und Reptilien. Er war Redakteur der Zeitschrift „Beiträge zur Paläontologie und Geologie Österreich-Ungarns und des Orients“ sowie Referent des „Neuen Jahrbuchs für Mineralogie, Geologie und Paläontologie“. 1907/08 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Geologischen Gesellschaft in Wien und war 1918–19 deren Vorsitzender. 1899–1913 versah er das Ehrenamt des Kassiers der Geographischen Gesellschaft in Wien, wurde 1914 deren korrespondierendes Mitglied und fungierte 1933–36 als Präsident. Ferner war er Mitglied der Deutschen und der Schweizerischen Geologischen Gesellschaft (beides ab 1892) sowie ab 1911 Korrespondent der Geologischen Reichsanstalt in Wien. Neben seinen wissenschaftlichen Tätigkeiten engagierte sich A. in gesellschaftlichen und kirchlichen Belangen: so bemühte er sich 1920 um die Gründung eines stark national orientierten, antisozialen und latent fremdenfeindlichen „Kulturbunds der Freunde Wiens“. 1918–36 arbeitete er im Schulausschuss der evangelischen Kirche mit, war lange Mitglied des Presbyteriums und wurde 1930 zum Kurator der evangelischen Gemeinde Wien-Innere Stadt gewählt. Letzteres Amt legte A. 1938 aus gesundheitlichen Gründen zurück.

Weitere W. (s. auch Cornelius-Furlani): Dolomiten von Südtirol (= 9. internationaler Geologenkongress, Exkursionen in Österreich 6), 1903 (gem. m. C. Diener); Rudolf v. A. – eine biographische Skizze, in: Österreichische Rundschau: deutsche Kultur und Politik 8, 1906; Offener Brief an Herrn Prof. Dr. J. Blaas in Innsbruck, 1907; Unkultur und der Kulturbund der Freunde Wiens, in: Donauland 4, 1920; Ursache und Zweck eines Kulturbundes der Freunde Wiens, in: Österreichische Rundschau: deutsche Kultur und Politik 62, 1920; Gedenkfeier der Geologischen Gesellschaft zur Erinnerung an den am 6. Januar 1928 verstorbenen Prof. C. Diener, in: Mitteilungen der Geologischen Gesellschaft in Wien 21, 1928; Die Vorgeschichte der evangelischen Pfarrkirche und die Anfänge ihrer Gemeinde, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Wien 13/14, 1933; Die Arthaber – eine familiengeschichtliche Studie, in: Unsere Heimat NF 11, 1938; etc.
N.: M. Cornelius-Furlani, in: Mitteilungen der Geologischen Gesellschaft in Wien 36/38, 1949, S. 297–302 (m. W.).
L.: Czeike; Jb. der Wr. Ges.; Kürschner, Gel.Kal., 1925ff.; NDB; Poggendorff 7a; Renner, Nachlässe; Zoologisches Adressbuch, 2. Aufl. 1911, S. 174; G. Edlen v. A. zum 70. Geburtstage, in: Mitteilungen der Geographischen Gesellschaft in Wien 77, 1934, S. 113f.; G. Mecenseffy, Evangelische Lehrer an der Universität Wien, 1967, S. 254f.; H. Zapfe, Index Palaeontologicorum Austriae (= Cat. Fossilium Austriae 15), 1971; Österreich in der Welt, die Welt in Österreich ..., ed. I. Kretschmer – G. Fasching, 2006, S. 47 (m. B.); E. Schübl, Mineralogie, Petrographie, Geologie und Paläontologie …, 2010, s. Reg.; Geologische Bundesanstalt, UA, beide Wien.
(M. Svojtka)   
Zuletzt aktualisiert: 15.3.2013  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 2 (15.03.2013)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 1, 1954), S. 31
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