Attems-Petzenstein, Heinrich Reichsgraf von (1834–1909), Offizier und Hortologe

Attems-Petzenstein Heinrich Reichsgraf von, Offizier und Hortologe. Geb. St. Florian, Görz und Gradiska (San Floriano del Collio, I), 28. 11. 1834; gest. Graz (Steiermark), 11. 8. 1909; röm.-kath. Sohn von Karl Reichsgraf von Attems-Petzenstein (1809–1849) und dessen Frau Orsolina Gogoli (1812–1863), Vater des Offiziers Heinrich Reichsgraf von Attems-Petzenstein, des Geistlichen Arbogast Reichsgraf von Attems-Petzenstein, des Zoologen Carl August Reichsgraf von Attems-Petzenstein (geb. Graz, 13. 10. 1868; gest. Wien, 19. 4. 1952) und der Elisabeth Reichsgräfin von Attems-Petzenstein; ab 1866 verheiratet mit Thekla Reichsgräfin von Attems-Petzenstein, geb. von Schmidt-Pauli (1848–1927). – A. trat mit 16 Jahren als Kadett in die österreichische Armee ein, kämpfte 1859 bei Magenta und Solferino, 1864 als Hauptmann im Infanterieregiment Nr. 6 im Deutsch-Dänischen Krieg, wo er kurzzeitig auch mit der Errichtung und Leitung von Militärspitälern betraut war, und wurde 1866 als Bataillonskommandant dieses Regiments bei Königgrätz schwer verwundet. Als Major a. D. pensioniert, übersiedelte er nach Graz. In der Folge beschäftigte er sich mit naturwissenschaftlichen und landwirtschaftlichen Forschungen und erwarb sich Verdienste um den steirischen Obst- und Gartenbau. Auf seinem Anwesen im Leechwald bei Maria Trost (Graz) widmete er sich fortschrittlichen Methoden des Obstbaus. Ab 1869 vergrößerte er seinen Gutsbesitz und errichtete den heute noch bestehenden Naturpark Leechwald. In St. Peter (Graz) gründete er eine Baumschule und die erste Samenkulturstation der Monarchie, wo Versuche mit Sojabohnen, zum Kartoffelbau und mit landwirtschaftlichen Futtergräsern (u. a. Steirerklee) erfolgten. Einen besonderen Ruf erwarb sich A. zudem als Rosenzüchter. In seinem weltberühmten Rosarium wurden über 150 Arten kultiviert. Daneben galt er als Förderer des Joanneums. Vielfach nahm er zu sozialen Fragen Stellung, z. B. durch seine Untersuchung „Arbeiterwohnungen“, 1888. Ein Anliegen war ihm auch die frühe schulische Förderung von Handwerk, Kunsthandwerk und Gartenbau. Mit seiner Arbeit „Der Schulgarten des k. k. steiermärkischen Gartenbau-Vereines auf der Landes-Ausstellung zu Graz“, 1880, wies er auf den weitreichenden praktischen Nutzen eines botanischen Unterrichtsgartens für die naturkundliche Bildung hin. Er war u. a. Gründer und langjähriger Präsident des steiermärkischen Kunstgewerbe-Vereins, Präsident des steiermärkischen Gartenbauvereins, Mitglied und Obmann des Österreichischen Pomologenvereins, des Naturwissenschaftlichen Vereins für Steiermark und erhielt 1873 das Ritterkreuz des Ordens der Eisernen Krone III. Klasse sowie 1883 das Ritterkreuz des Leopold-Ordens. Weiters wurde er mit dem königlich preußischen Kronenorden III. Klasse mit den Schwertern und dem Ordre du mérite agricole ausgezeichnet. Teilnachlässe befinden sich in der Sächsischen Landesbibliothek in Dresden sowie in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien.

Weitere W.: Österreich’s Obstbau auf der Triester Export-Ausstellung 1882, 1883; Reform des gewerblichen Unterrichtes mit besonderer Berücksichtigung der Alpenländer, 1883; Die österreichische allgemeine Handwerkerschule, 1885; Österreichs Obstbau auf der Welt-Ausstellung zu Paris 1900, 1900; Der Schorf bei Äpfeln und Birnen, 1903.
L.: Tagespost (Graz), 11., 12. 8. 1909 (Parte); Grazer Volksblatt, 12. 8. 1909 (Parte); NFP, 13. 8. 1909 (Parte); Kleine Zeitung (Graz), 14. 8. 1909 (mit Bild); Der Obstzüchter 7, 1909, S. 207, 227f. (mit Bild); H. Strouhal, in: Annalen des Naturhistorischen Museums Wien 64, 1961, S. 1; Pfarre St. Leonhard, Steiermärkisches LA, beide Graz, Steiermark; Mitteilung Matthias Svojtka, Wien, Fritz Weigl, Langenlois, Niederösterreich.
(M. Petz-Grabenbauer)  
Zuletzt aktualisiert: 30.11.2015  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 4 (30.11.2015)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 1, 1954), S. 33f.
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