Auersperg, Leopold Gf. (1855–1918), Politiker

Auersperg Leopold Gf., Politiker. Geb. Pest (Budapest, H), 16. 5. 1855; gest. Baden (Niederösterreich), 23. 2. 1918; röm.-kath. Sohn des Feldzeugmeisters und Geheimen Rats →Gottfried Leopold Gf. Auersperg und der Marianne Gfn. Auersperg, geb. Freiin von Neuwall (1831–1908). – Nach Besuch des Theresianums in Wien studierte A. 1873–77 an der Universität Wien Jus und trat 1877 als Beamter in den Dienst der niederösterreichischen Statthalterei in Wien. 1880 wurde er in das Präsidialbüro des Ministeriums für Kultus und Unterricht berufen, 1881 dessen Vorstand. Ab 1886 Bezirkshauptmann von Lilienfeld, gestattete A. – als aufgeklärter Liberaler – 1888/89 die Abhaltung des sozialdemokratischen Gründungsparteitags in Hainfeld, bei dem er selbst anwesend war. Ab 1890 Bezirkshauptmann von Baden, 1896 Statthaltereirat in Linz, wurde A. 1898 als Ministerialrat mit der Leitung des Gewerbereferats im Ministerium des Innern betraut, avancierte 1903 zum Sektionschef und war gleichzeitig für das Veterinärwesen zuständig. 1905–06 fungierte er als Leiter des Handelsministeriums (1905 Geheimer Rat), 1906–07 als Ackerbauminister. Unter seiner Ministerschaft erfolgte 1906 die Übernahme der Veterinäragenden aus dem Innen- in das Ackerbauministerium, 1907 wurde der Veterinärbeirat institutionalisiert. In diesem Jahr wurden mehrere wichtige Gesetze erlassen, so das Alpenschutzgesetz für Salzburg, das Weingesetz, das Hopfenprovenienzgesetz und eine Novelle zum Naphta-Gesetz. 1907 wurde A. zum lebenslänglichen Mitglied des Herrenhauses ernannt, im selben Jahr erhielt er das Ritterkreuz des Leopold-Ordens und den Orden der Eisernen Krone I. Klasse, nachdem er 1886 bereits mit dem der III. Klasse ausgezeichnet worden war. A. war auch Präsident der Allgemeinen Pensionsanstalt für Angestellte und der Enzesfelder Munitions- und Metallwerke AG sowie im Verwaltungsrat zahlreicher Industrie- und Wirtschaftsunternehmen, wie der Skodawerke AG oder der Radium-Kurhaus AG, vertreten.

L.: Czedik 3; Beiträge zur Geschichte der Niederösterreichischen Statthalterei, 1897, S. 500; F. Kern, Oberösterreichischer Bauern- und Kleinhäuslerbund 1, 1953, S. 457; W. G. Wieser, Die österreichischen Handels- und Arbeitsminister, in: 100 Jahre im Dienste der Wirtschaft 1, 1961, S. 422f. (m. B.); F. Ott – W. Wieser, Die k. k. Ackerbauminister und die Landwirtschaftsminister der Republik, in: 100 Jahre Landwirtschaftsministerium, ed. O. Dornik, 1967, S. 77; E. Lebensaft – Ch. Mentschl, Feudalherren – Bauern – Funktionäre. Österreichs Agrarelite im 20. Jahrhundert, 2003 (m. L.); AVA, UA, beide Wien.
(E. Lebensaft – Ch. Mentschl)   
Zuletzt aktualisiert: 1.3.2011  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 1 (01.03.2011)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 1, 1954), S. 36
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