Auspitz, Leopold; Ps. Egon Berg, Conrad Kurz (1838–1907), Fachschriftsteller und Offizier

Auspitz Leopold, Ps. Egon Berg, Conrad Kurz, Fachschriftsteller und Offizier. Geb. Nikolsburg, Mähren (Mikulov, CZ), 5. 12. 1838; gest. Wien, 23. 2. 1907. Sohn des Chirurgen Moritz Auspitz(er) (geb. Nikolsburg, CZ, 6. 5. 1803; gest. Wien, 2. 3. 1880; mos.), jüngerer Bruder von →Heinrich Auspitz, Vater der Literaturwissenschaftlerin Christine Auspitz, verheiratete Touaillon (→Christine Touaillon), und von Walther Ernst von Auspitz (geb. St. Pölten, Niederösterreich, 30. 10. 1888; gest. Wien, 19. 1. 1974; nannte sich ab 1921 Conrad von Heydendorff); verheiratet mit Henriette Auspitz, geb. Eggenberg (geb. um 1846; gest. 18. 10. 1895). – 1840 übersiedelte die Familie von Nikolsburg nach Wien. A. besuchte sieben Jahre das Akademische Gymnasium in Wien und trat 1854 als Kadett in das Infanterieregiment Nr. 54 ein. 1857 zum Leutnant ernannt, nahm er 1859 am Sardinischen Krieg teil. 1864 Oberleutnant, kämpfte er 1866 gegen Preußen. 1868 wurde er dem Generalstab zugeteilt und besuchte die Kriegsschule in Wien. A. beteiligte sich 1870 im Eisenbahnbüro des Kriegsministeriums an kurzfristig erstellten Aufmarschplänen gegen Preußen. 1871 zum Hauptmann 2. Klasse befördert und in Truppendienstverwendung im Infanterieregiment Nr. 49, hatte er an der Verfassung des Exerzierreglements und des Instruktionsbuches für die Kavallerie großen Anteil. 1874 erhielt er das Militärverdienstkreuz für die Revision des ersten und dritten Teils des Dienstreglements für das Heer (1873). Die „Reorganisation des Generalstabes“ veröffentlichte er 1875. 1878 nahm er im Infanterieregiment Nr. 49 am Okkupationsfeldzug in Bosnien teil, wobei er verwundet wurde. Danach zog man ihn zu den Delegationsverhandlungen im Präsidialbüro des Reichskriegsministeriums heran. 1877 wurde er zum Hauptmann 1. Klasse befördert, 1881 zum Major und 1891 zum Oberst. 1895 wurde er als Generalmajor ad honores pensioniert. Zwei Jahre danach nahm er wieder eine Anstellung im literarischen Büro des Ministeriums des Äußern an, wo er noch bis 1904 tätig war. Er leistete u. a. statistische Vorarbeiten zum Gesetz zur Versorgung von Militärwitwen und -waisen. Neben seinen zahlreichen militärischen Publikationen veröffentlichte er Aphorismen- und Literatursammlungen sowie das Lehrbuch „Der Stil. Zum Gebrauche für Mittelschulen und zum Selbstunterrichte“ (1886) und hielt Vorträge. Seine Artikelserie „Betrachtungen über den Krieg in Ostasien“ (Die Zeit, 1904, Nr. 515–713) verleitete sogar →Karl Kraus zu dem Fehlschluss, hinter dem unbekannten Autor („Von einem k.u.k. General“) verberge sich ein Journalist. 1895 bekam A. den Orden der Eisernen Krone III. Klasse verliehen.

Weitere W.: Zur Taktik mit Hinterladern, 1867; Die Reorganisation des preußischen Heeres in der Epoche von 1807 bis 1813, in: Österreichische Militärische Zeitschrift 9/4, 1868; Die neue Taktik der Fußtruppen, 1869; Das Buch der Bücher, 2 Bde., 1874; Das Infanterie-Regiment Freiherr von Hess Nr. 49, 1889; Meister-Prosa, ed. gem. mit P. Auspitz, 2 Bde., 1895; Aus der Weltliteratur, ed. dies., 1903; Aus bewegter Zeit: Abhandlungen und Reden …, 1904.
L.: Die Zeit, NFP, 25. 2. 1907; Die Fackel, s. Reg.; Blätter für literarische Unterhaltung, 1888, 2, S. 472; H. Friedjung, Geschichte in Gesprächen. Aufzeichnungen 1898–1919, 1, ed. F. Adlgasser – M. Friedrich, 1997, s. Reg.; HHStA, KA, UA, alle Wien.
(R. Müller)   
Zuletzt aktualisiert: 30.11.2015  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 4 (30.11.2015)
1. AUFLAGE: