Babák, Edward (1873–1926), Physiologe

Babák Edward, Physiologe. Geb. Smidar, Böhmen (Smidary, CZ), 8. 6. 1873; gest. Brno, Tschechoslowakei (CZ), 30. 5. 1926; röm.-kath. Sohn eines praktischen Arztes und Bürgermeisters; ab 1898 verheiratet mit Dr. phil. Marie Věra Babáková, geb. Opolecká (1875–1962). – Nach dem Besuch des Gymnasiums in Jitschin 1884–92 studierte B. Medizin an der tschechischen Universität in Prag, wo er von den Physiologen Vladimír Tomsa und →František Mareš beeinflusst wurde; 1898 Dr. med. Ab 1896 arbeitete er als Demonstrator am Physiologischen Institut, 1898 wurde er Marešʼ Assistent. 1898–1901 studierte B. Philosophie und Naturwissenschaften an der Prager tschechischen Universität, 1903 habilitierte er sich für Allgemeine Physiologie. 1907 ao. Professor, las er Anatomie, Histologie und Physiologie an der Technischen Hochschule. 1915 gründete er die Abteilung für allgemeine vergleichende und Entwicklungsphysiologie an der medizinischen Fakultät der tschechischen Universität; 1915 o. Professor, 1917 Titularprofessor für Physiologie. Ab 1918 hielt er veterinärmedizinische Kurse an der philosophischen Fakultät. Nach Verlegung des Lehrbetriebs nach Brünn wirkte er dort als Beauftragter des Ministeriums für Schulwesen und Volksaufklärung und war verantwortlich für das Hochschulwesen. 1919 gründete er die Tiermedizinische Hochschule, wurde zu ihrem ersten Rektor ernannt (1919–21, Prorektor 1921/22) und übernahm die Leitung des Instituts für Physiologie (1923 Dr. vet. med. h. c.). Weiters war B. Mitglied des Vorbereitungsausschusses für die Gründung einer landwirtschaftlichen Hochschule in Brünn, der heutigen Mendelova univerzita, sowie Mitbegründer der Škola vysokých studií pedagogických, an der er 1921 ebenfalls als Rektor fungierte. An der medizinischen Fakultät der Universität Brünn, deren Lehrbetrieb er 1919 eröffnete, übernahm er als o. Professor für Physiologie die Leitung dieses Instituts. Darüber hinaus supplierte er das Fach allgemeine Biologie und war interimistisch auch dort Institutsleiter. 1924 gründete B. die Abteilung für die Biologie des Nervensystems; Prodekan (1919/20, 1922/23), Dekan (1921/22), Rektor (1924/25). Gemeinsam mit Mihajlo Rostohar errichtete er 1926 an der philosophischen Fakultät ein psychologisches Institut. Darüber hinaus war er im Landes- und Staatsgesundheitsrat beim Ministerium für Gesundheitswesen aktiv. Seine ersten experimentellen Arbeiten über die Thermoregulierung (1899–1901) gingen von Marešʼ Methodik aus, die Studie „Pojem biologie“ (in: Časopis lékařů českých 40, 1901) von dessen Konzept der allgemeinen Physiologie und B.s philosophische Ansichten von Marešʼ Neovitalismus. Gemeinsam mit →Karl Chodounský erforschte er die physiologischen Wirkungen der Curare-Alkaloide (1901–02) und die Farbveränderung. Seine Habilitationsschrift „Ueber den Einfluss der Nahrung auf die Länge des Darmkanals“ (in: Biologisches Centralblatt 23, 1903) markierte den Anfang der ökologischen Physiologie und zeigte B.s Interesse an Ernährungsfragen. Ferner befasste er sich ab 1904 mit Entwicklungsphysiologie, ab 1907 mit der Physiologie der Atmung und legte den Grundstein des Evolutionsansatzes in den medizinischen Wissenschaften. Von systematischen Versuchen an niederen Lebewesen ging er zum Studium ihres Verhaltens und zur experimentellen Psychologie über. Erwähnenswert ist seine Monographie „Úvod do biologie dítěte“ (1926), die zur Trennung der Pädiatrie von der Inneren Medizin beitrug und zahlreiche Kinderärzte beeinflusste. Mit Karl František Studnička gründete er 1912 die Zeitschrift „Biologické listy“, ferner allein die Zeitschriften „Spisy“, „Biologické spisy“ und „Akvaristický obzor“. Darüber hinaus führte er die biologische Rubrik in der Zeitschrift „Příroda a škola“ ein und propagierte den Film als Unterrichtsmaterial. B., der mehrere Schülergenerationen nachhaltig prägte, initiierte u. a. die Moravská přírodovědecká společnost sowie eine Gesellschaft für Kinderforschung (Společnost pro výzkum dítěte) und 1922 gemeinsam mit Studnička die Československá biologická společnost (alle Brünn). Er war u. a. Mitglied der Freimaurerlogen Národ in Prag (ab 1919) und Cestou světla in Brünn (ab 1926), ab 1919 korrespondierendes und ab 1924 außerordentliches Mitglied der Česká akademie věd a umění sowie korrespondierendes Mitglied der Královská česká společnost nauk.

Weitere W.: s. Bravený – Franc.
L.: J. Šindlář, in: Časopis Moravského muzea 113, 1994, S. 362ff.; P. Bravený – Z. Franc, E. B., 1997 (mit Bild und W.); J. Čechurová, Čeští svobodní zednáři ve 20. století, 2002, S. 86ff.
(G. Novotný)   
Zuletzt aktualisiert: 14.12.2018  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 7 (14.12.2018)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 1, 1954), S. 40
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