Bahr, Hermann (1863-1934), Schriftsteller

Bahr Hermann, Dichter und Schriftsteller. * Linz (O.Ö.), 19. 7. 1863; † München, 14. 1. 1934. Sohn eines Notars und liberalen Landtagsabg., stud. klassische Philol., Jus und Nationalökonomie in Wien, Czernowitz und Berlin; hielt sich einige Zeit in Paris, in der Schweiz, in Spanien und Rußland auf, war später Mitleiter der „Freien Bühne“ in Berlin, wo er sich mit Arno Holz und Josef Kainz befreundete. Seit 1894 lebte er in Wien als Schriftsteller, Bühnendichter und Theaterkritiker. 1909 heiratete er die große Wagnerinterpretin, Hofopernsängerin Anna v. Mildenburg (s. u.). 1912 übersiedelte er nach Salzburg (wo er auch begraben ist), wirkte Juni–November 1918 im Direktorium des Wr. Burgtheaters und lebte seit 1922 bis zu seinem Tod in München. B. war einer der bedeutendsten Lustspieldichter seiner Zeit, von außergewöhnlicher Menschenkenntnis, ein glänzender Stilist, Essayist und Kritiker. Seine Werke, besonders die autobiogr., gehören zu den interessantesten Dokumenten der Geistes- und Kulturgeschichte des damaligen Österreich.

W.: Dramen: Die neuen Menschen, 1887; Das Tschaperl, 1897; Lustspiele: Wienerinnen, 1900; Der Krampus, 1901; Die Kinder, 1910; Das Konzert, 1910; Das Prinzip, 1912; Der Querulant, 1912; Unmensch, 1919; Romane: Die gute Schule, 1889; Der Meister; O Mensch! 1910; Himmelfahrt, 1916; Österreich in Ewigkeit, 1929; Essays, Aufsätze, Kritiken: Einsichtslosigkeit des Herrn Schaffle, 1886 (gegen dessen Schrift „Aussichtslosigkeit der Sozialdemokratie“, 1885); Zur Kritik der Moderne, 1890; Überwindung des Naturalismus, 1901; Der Antisemitismus, 1893; Der neue Stil, 1893; Wiener Theater, ges. Kritiken von 1892–1898, 1899; Sezession, 1907; Wien, 1907; Essays, 1912; Inventur (zu Religion und Phil.), 1912; Das H.-B.-Buch, 1913; Expressionismus, 1914; Schwarzgelb, 1917; Sendung des Künstlers, 1921; Selbstbildnis, 1923; Tagebücher: 1917, ersch. 1918; 1919, ersch. 1920; 1924–26. ersch. 1927; Mensch, werde wesentlich, Gedanken aus B.s Werken, ausgew. von A. Bahr-Mildenburg, 1934; etc.
L.: H. Hirsch, H.B.s Tagebücher aus den Jahren 1927–31, Diss. Wien, 1947; W. Handl, H.B., 1913; H.Kindermann, H.B. Ein Leben f.d.europ.Theater, 1954; D.Löwy, H.B., der Kritiker, 1925; K.Nirschel, H.B.s Wandlungen, gesehen durch seine Romane, Diss. Wien, 1933; E. Castle, Die neue Generation und H.B., 1937; R. Neuwirth, H.B. und Österreich, Diss. Wien, 1945; K. Bogner, H.B. und das Theaterwesen seiner Zeit, Diss. Wien, 1946; J. Gregor, Meister und Meisterbriefe um H. B., 1948; G, Freudenberger, H. B.s Stellung zum Nationalismus und zum österr. Staatsgedanken an Hand seiner Schriften, Diss. Wien, 1949; H. Nedomansky, Der Theaterkritiker H.B., Diss. Wien, 1949; J. Nadler, Vom alten zum neuen Europa, Preuß.Jb., 1923, Juli, S. 32ff.; Brümmer; Giebisch-Pichler-Vancsa; Kindermann-Dietrich; Nagl-Zeidler, 4, S. 1649–1701; Kosch, Theaterlexikon; Kürschner, 1928. –H.B.Archiv, Phaidros 1947, Biblos 1953; NDB.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 1, 1954), S. 44f.
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