Banhans, Anton Freiherr von (1825–1902), Politiker und Beamter

Banhans Anton Freiherr von, Politiker und Beamter. Geb. Michelob, Böhmen (Měcholupy, CZ), 8. 11. 1825; gest. Wien, 26. 5. 1902; röm.-kath. Sohn des Lehrers Karl Banhans, Vater von →Karl Freiherr von Banhans; ab 1856 verheiratet mit Gabriele Beer, geb. Edle von Baier. – Mit Hilfe eines Stipendiums besuchte B. die Gymnasien in Saaz und Prag. Anschließend studierte er 1842–44 an der philosophischen sowie 1844–48 an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Prag; 1853 Dr. iur. Bereits 1848 trat er in den Staatsdienst und wurde Kommissar bei der k. k. Grundlasten-Ablösungs- und Regulirungs-Landes-Commission; 1855 Adjunkt I. Classe bei der k. k. Finanz-Procuratur für Böhmen, 1856 Vice-Hoflehenrichter am k. k. Obersthoflehenrichter-Amt für Böhmen, Mähren und Schlesien in Prag. B. diente bis Ende 1859 in der Finanzprokuratur. Danach war er Zentraldirektor der Güter von Ernst Graf von Waldstein und zu Wartenberg, wo er den Ausbau der Eisenbahn forcierte. 1868 wurde B. zum Oberstlandmarschall-Stellvertreter für das Königreich Böhmen ernannt. 1869 berief ihn →Karl Giskra als Sektionschef in das k. k. Ministerium des Innern. Von Februar bis April 1870 fungierte B. als k. k. Ackerbau-Minister und bewirkte als solcher die Errichtung mehrerer Fachschulen. 1871–75 bekleidete er das Amt des k. k. Handels-Ministers, wobei er die Einrichtung der k. k. General-Inspection für österreichische Eisenbahnen im Handelsministerium, die Konzessionierung mehrerer Eisenbahngesellschaften sowie die Förderung und den Ausbau des Eisenbahnwesens vorantrieb. Ebenso wurden während dieser Zeit mehrere Fachschulen errichtet, das Post- und Telegraphenwesen ausgeweitet, die Generalinspektion der österreichischen Eisenbahnen reorganisiert, in Istrien und Dalmatien Eisenbahnbauten errichtet und nicht zuletzt das metrische Maßsystem eingeführt. Die nach mehreren Unfällen erfolgte Sequestrierung der Lemberg-Czernowitzer Eisenbahn 1872 führte schließlich 1875 zum Prozess gegen deren Direktor →Viktor Ofenheim von Ponteuxin, in dessen Rahmen B. als Initiator und Zeuge auftrat. Sein Ansehen wurde dadurch derart beschädigt, dass sein drei Monate später erfolgter Rücktritt damit in Verbindung gebracht wurde. 1880–87 war B. Präsident des niederösterreichischen Gewerbevereins. In dieser Funktion zeichnete er für die Ausrichtung der Gewerbeausstellung in der Rotunde in Wien 1883 sowie für die erste Motorenausstellung in der Gartenbaugesellschaft verantwortlich. Im Zuge seiner politischen Karriere wurde B. 1867 in den böhmischen Landtag gewählt und im selben Jahr in das Abgeordnetenhaus nach Wien entsandt, dem er bis 1885 angehörte. Dort schloss er sich der deutsch-liberalen Partei an. Während dieser Zeit wechselte B. häufig zwischen dem Liberalen Klub und dem Klub der Linken. Schließlich trat B. vom Klub der Vereinigten Linken, dem er seit 1881 angehörte, in den Deutschösterreichischen Klub über, wobei es zu Protesten seitens seiner Wähler kam. 1885 legte B. seine parlamentarischen Mandate sowohl im Reichsrat als auch im Landtag nieder. Von 1890 bis zu seinem Tod war er Präsident der Administration der Donaudampfschifffahrtsgesellschaft sowie 1879–1902 Präsident des österreichischen Reichsforstvereins. Weiters war er Mitglied in diversen Vorständen und Räten, darunter auch des Verwaltungsrats der Bodencreditanstalt sowie 1879–87 Vizepräsident und 1894–97 Präsident des Donau-Vereins zur Hebung der Fluss- und Kanalschifffahrt in Österreich. 1866 wurde B. mit dem Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens sowie 1873 mit dem Orden der Eisernen Krone I. Klasse ausgezeichnet. Für seine Leistung im Rahmen der Weltausstellung ernannte man ihn 1873 zum Geheimen Rat. 1886 wurde er in den Freiherrenstand erhoben.

L.: AZ, Neues Wiener Journal, NWT, Prager Tagblatt, Wiener Abendpost, 26., Bukowinaer Rundschau, 29. 5. 1902; Adlgasser; NDB; F. Ott – W. Wieser, in: 100 Jahre Landwirtschaftsministerium, 1967, S. 62f.; AVA, Wien; Pfarre Měcholupy u Žatce, UA, Praha, beide CZ.
(P. Swoboda)   
Zuletzt aktualisiert: 14.12.2018  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 7 (14.12.2018)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 1, 1954), S. 48
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