Barach, Moritz (Moriz); Ps. Dr. Moritz Märzroth, Jakob Märzroth (1818–1888), Schriftsteller, Journalist und Herausgeber

Barach Moritz (Moriz), Ps. Dr. Moritz Märzroth, Jakob Märzroth, Schriftsteller, Journalist und Herausgeber. Geb. Wien, 21. 3. 1818; gest. Salzburg (Salzburg), 14. 2. 1888. Sohn eines Kaufmanns, Neffe des Schriftstellers Ignaz Jeitteles und von Fanni Jeitteles, geb. Barach, Bruder von Adam Barach (ab 1847 Barach-Rappaport, geb. um 1800; gest. Lemberg, Galizien / Lʼviv, UA, 3. 4. 1867), Arzt, Spitalsleiter und Gemeinderat in Lemberg, Vater von Karl Lambert Barach(-Märzroth), Direktionsbeamter der Nordwestbahn (1844–1885) und der Trafikantin Hermine Weißenberg, geb. Barach (gest. Wien, 10. 2. 1900), Onkel von →Carl Siegmund Barach-Rappaport; verheiratet mit seiner Cousine Fanny Barach (geb. 1810 oder 1811; gest. 1897). – B. absolvierte 1834 als Privatschüler das Schottengymnasium und besuchte 1834/35 Vorlesungen an der philosophischen Fakultät der Universität Wien. Ab 1836 war er als Mitarbeiter verschiedener Zeitungen, u. a. der „Allgemeinen Theaterzeitung“, tätig. Zwei Jahre lang arbeitete er in einem Handelshaus in Lemberg, ehe er 1839 oder 1840 nach Wien zurückkehrte und eine feste Anstellung bei der „Wiener Theaterzeitung“ bekam, die er sechs Jahre lang innehatte. Gleichzeitig schrieb er für →Moritz Gottlieb Saphirs „Der Humorist“ und die politisch-literarische Zeitschrift „Die Gegenwart“, deren Redaktions-Sekretariat er 1847 übernahm. In diesem und im folgenden Jahr gab er die beiden Bände des humoristischen Albums „Brause-Pulver“ heraus, in dem erstmals auch Karikaturen abgedruckt waren. Weiters gründete er die humoristischen Zeitschriften „Der Komet“ (1853) und „Die komische Welt“ (1862) sowie das belletristische „Wiener Feuilleton“ (1853). B. war ein gefragter Feuilletonist auch bei zahlreichen ausländischen Zeitschriften: 1860–70 schrieb er für „Über Land und Meer“ die Rubrik „Wiener Croquis“ und für die Münchner „Fliegenden Blätter“ pikante, poetische Erzählungen. Große Erfolge feierte B. darüber hinaus als Lustspielautor: 1850 wurde „Compromittiert“ in Prag uraufgeführt, 1856 waren auf mehreren deutschen Bühnen seine „Bittschriften“ zu sehen. In Zusammenarbeit mit →Johann Otto Prechtler entstand „Lucretia Borgia“, mit →Leopold Feldmann die Dorfgeschichten-Parodien „Der Biberhof. Posse mit Gesang und Tanz in drei Akten“ (1854, Musik von →Franz von Suppé) und „Eine Million für einen Erben“ (1859). Ab 1850 war B. für mehr als eineinhalb Jahre bei der k. k. nördlichen Staatsbahn angestellt. 1854 machte er den Haupttreffer in einer Privatlotterie und übersiedelte nach Baden bei Wien, wo er auch im Gemeinderat tätig wurde. Im selben Jahr erschienen seine „Bilder, Lieder und Geschichten. Gedichte in niederösterreichischer Mundart“, für die er von Herzog Max in Bayern ein Anerkennungsschreiben bekam. Großen Erfolg erzielte er mit seinem Gedichtband „Satans Leier“ (1859). Gedichte im Salzburger Dialekt veröffentlichte er unter dem Titel „Bitt’ gar schö’ – Singa lass’n!“ (1878, 2. Aufl. 1883). 1869 war er nach Salzburg gezogen. Dort schrieb er noch zahlreiche Werke wie „Ein Märchen aus unseren Tagen“ (1878), „Lachende Geschichten“ (4 Hefte, 1880–82), „Weltlust. Historietten, Schwänke und Lieder eines heitern Vaganten“ (1883), „Alt-Wien. Bilder und Geschichten“ (1885), „Ernst und Scherz“ (1885) und „Neu-Decameron. Allerlei Geschichten“ (1887). Zu seinen Werken gehören außerdem die Freiheitsgedichte „Aurorafalter. Dichtungen zur Erinnerung an den 13., 14. und 15. März 1848“, die er im Revolutionsjahr 1848 veröffentlichte, und der Artikel „Zur Reorganisation des Erziehungswesens“, der 1850 in der Zeitschrift „Austria“ erschien. B. war Mitglied des Freien deutschen Hochstifts für Wissenschaften, Künste und allgemeine Bildung sowie Träger der Verdienstmedaille für Kunst und Wissenschaft des Herzogs von Sachsen-Coburg. 1854 wurde ihm von der Universität Rostock die Ehrendoktorwürde verliehen, woraufhin er sein Pseudonym zu „Dr. Märzroth“ erweiterte.

Weitere W.: s. Brümmer. – Teilnachlass: Wienbibliothek im Rathaus, Wien.
L.: Salzburger Volksblatt, 14., NFP, 15. 2. 1888; Brümmer (mit W.); Czeike; Giebisch-Pichler-Vancsa; Kosch, Theaterlex.; Wininger; Wurzbach; A. Hinrichsen, Das literarische Deutschland, 2. Aufl. 1891; UA, Wien; UA, Rostock, D.
(R. Müller)   
Zuletzt aktualisiert: 27.11.2017  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 6 (27.11.2017)