Barsescu (Bârsescu, Barsescou), Agathe (Agatha) (1859–1939), Schauspielerin

Barsescu (Bârsescu, Barsescou) Agathe (Agatha), Schauspielerin. Geb. Bukarest, Fürstentum Walachei (Bucureşti, RO), 28. 8. / 9. 9. 1859; gest. Jassy (Iaşi, RO), 21. 11. 1939. Tochter des Bukarester Stadtkommandanten und Gardeobersten Constantin Barsescu, 1907 bis ca. 1910 mit dem Schauspieler Constantin Radovici (1864–1916) verheiratet. – B. verbrachte ihre Kindheit in Bukarest und Râmnicu Vâlcea, wohin ihr Vater versetzt worden war, besuchte das Klosterpensionat in Hermannstadt (Sibiu) sowie ein Budapester Pensionat und unterrichtete anschließend am Mädchenpensionat in Ploieşti. Ab 1878 studierte sie am Bukarester Konservatorium und trat gelegentlich am Nationaltheater auf. Statt wie ursprünglich geplant zur weiteren Ausbildung nach Paris zu reisen, blieb B. in Wien, nahm bei →Josef Hermann Altmann Sprachunterricht und studierte 1880–83 zunächst Gesang, dann Schauspiel am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde. Nach einem kurzen Engagement am Deutschen Theater in Berlin debütierte B. 1883 mit großem Erfolg am Wiener Hofburgtheater als Hero in Grillparzers „Des Meeres und der Liebe Wellen“ (2. Antrittsrolle: Deborah in Salomon Hermann Mosenthals gleichnamigen Volksschauspiel). Sie wirkte 1888 in der Eröffnungsvorstellung im neuen Haus am Ring mit und wurde 1889 zur Hofschauspielerin ernannt. Wohl aus Mangel an künstlerischen Entfaltungsmöglichkeiten verließ sie die Bühne 1890 und ging nach Hamburg, wo sie am Stadttheater ab 1891 im Fach der jugendlichen Heldin auftrat. Dort spielte B. u. a. die Rolle der Eva in der ersten deutschsprachigen Inszenierung von Imre Madáchs „Die Tragödie des Menschen“, die das Hamburger Ensemble 1892 auch auf der Internationalen Ausstellung für Musik- und Theaterwesen in Wien präsentierte. Von →Adam Müller(-Guttenbrunn) an das Wiener Raimundtheater verpflichtet, sprach B. bei dessen Eröffnungsvorstellung 1893 den Prolog, schied aber schon 1896 aus dem Verband des Theaters und ging auf Gastspielreise. 1898–99 war sie Mitglied des neugegründeten Kaiser-Jubiläums-Stadttheaters, der heutigen Wiener Volksoper, und gastierte dann u. a. in Deutschland, in den USA und in Rumänien, insbesondere am Bukarester Nationaltheater. Sie spielte in deutscher, englischer und rumänischer Sprache. Eine Förderin fand B. in Königin Elisabeth von Rumänien (Ps. Carmen Sylva), in deren Theaterstücken sie in Wien und Bukarest auftrat. Ab 1925 unterrichtete B. Schauspiel am Konservatorium für Musik und darstellende Kunst in Jassy. Sie war Ehrenmitglied der Neuen musikalisch-literarischen Gesellschaft in Wien und Trägerin des rumänischen Ordens Bene merenti I. Klasse.

Weitere Rollen: Berta (F. Grillparzer, Die Ahnfrau); Medea (ders., Medea); Esther (ders., Esther); Eboli (F. v. Schiller, Don Carlos); Goneril (W. Shakespeare, König Lear); Rhodope (F. Hebbel, Gyges und sein Ring); Brunhild (ders., Die Nibelungen); Magda (Hermann Sudermann, Heimat); etc. – Publ.: Wie ich zur deutschen Bühne kam, in: An der Schönen Blauen Donau, 1887, H. 1; Paparuda, in: Illustriertes Wiener Extrablatt, 21. 4. 1889; Bei Carmen Sylva, in: FB, 9. 2. 1896; Memorii din Germania, Austria, Ungaria, America şi România, (1933).
N.: Neuigkeits-Welt-Blatt, 24. 11. 1939.
L.: L. Speidel, in: NFP, 8. 12. 1883; Der Humorist, 8. 6. 1889 (m. B.); NFP, 7. 6. 1894 (auch A.); Neues Wiener Journal, 30. 11. 1924; NFP, 24. 3. 1925; NWT, 4. 4. 1925; Alth, Burgtheater, s. Reg.Bd.; Eisenberg 1; Eisenberg, Bühne; Kosch, Theaterlex.; Die Deutsche Bühne in Wort und Bild, ed. J. Eckstein, 1892, Lfg. 12 (m. B.); Die Theater Wiens 2/2: A. v. Weilen, Geschichte des Hofburgtheaters 2, 1906, s. Reg. (m. B.); P. A. Merbach, A. B., in: Bühne und Welt 14, 2. Halbjahr, 1912, S. 440–443 (m. B.); I. Moisescu, Die völkerverbindende Kunst einer Rumänin: A. B., phil. Diss. Wien, 1972 (m. Rollenverzeichnis); H. Terharen, Von der Schmierenkomödiantin zur Hofschauspielerin 2, phil. Diss. Wien, 1991, S. 121 (m. B.); Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, Zeitungsausschnittsammlung (Österreichisches Theatermuseum), beide Wien.
(E. Offenthaler)  
Zuletzt aktualisiert: 1.3.2011  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 1 (01.03.2011)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 1, 1954), S. 51
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