Institut für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung
Österreichisches Biographisches Lexikon ab 1815 (2. überarbeitete Auflage - online  Überarbeiteter Artikel -  nur online)


Bauer, Julius (Gyula); Ps. Sebastian Brant der Jüngere (1853–1941), Schriftsteller, Journalist und Librettist

Bauer Julius (Gyula), Ps. Sebastian Brant der Jüngere, Schriftsteller, Journalist und Librettist. Geb. Győri-Sziget (Győr, H), 15. 10. 1853; gest. Wien, 11. 6. 1941.  Sohn eines Regenschirmmachers und einer Näherin. – B., der aus einfachen Verhältnissen stammte, schrieb bereits als Gymnasiast Artikel und Kritiken. 1873 kam er nach Wien, ursprünglich, um Medizin zu studieren, war jedoch journalistisch tätig, u. a. bei der „Österreichischen Bürgerzeitung“, den Zeitschriften „Neuer freier Kikeriki“ und „Der Floh“ sowie der „Tages-Presse“. Ab 1879 arbeitete er für das „Illustrirte Wiener Extrablatt“ anfänglich als Gerichtsreporter, später als Theaterkritiker, bis er schließlich Leiter des Theaterreferats wurde und diese Funktion bis zu seiner Pensionierung 1928 ausübte. Seine humorvollen, satirischen Rezensionen machten ihn rasch zu einem der einflussreichsten Kritiker um die Jahrhundertwende. Als Ressortleiter veröffentlichte er eine Satire über den Roman „Ein Goldmensch“ von →Mór von Jókai, die →Franz von Jauner überzeugte, B. als Librettist ans Theater an der Wien zu holen. Ab 1886 schrieb er gemeinsam mit Hugo Wittmann Libretti für →Adolf Müller d. J. („Der Hofnarr“), →Karl Millöcker (u. a. „Der arme Jonathan“, „Das Sonntagskind“, „Der Probekuss“), →Johann Strauß (Sohn) („Fürstin Ninetta“), →Franz Lehár (u. a. „Die Juxheirat“, „Der Mann mit den drei Frauen“), Karl Weinberger (u. a. „Adam und Eva“) und Paul Ottenheimer („Der Kongress tanzt“, „Der arme Millionär“). Weiters verfasste er die Posse „Die Wienerstadt in Wort und Bild“ (gemeinsam mit F. Zell und Isidor Fuchs), die „Burleske. Mit musikalischen Übergängen aus Motiven Richard (Georg) Strauß’scher Werke von Karl Alwin“ sowie die musikalische Revue „Liebesg’schichten und Heiratssachen“. Bei zahlreichen „Concordia“-Bällen wurden seine humorvollen Gedichte in kleinen Bänden als Damenspende verschenkt, z. B. 1911 „Das neue Narrenschiff“ (unter seinem Pseudonym), 1914 die Faschingsrevue „50 Konkordiabälle“, 1928 „Wiener Köpfe in der Karikatur“, 1930 „Wiener Spazierreime aus Vergangenheit und Gegenwart“, 1931 „Grosses Raritäten und Wachsfigurenkabinett“ (die drei Letzteren illustriert von Alfred Gerstenbrand). Viele dieser Gedichtbände wurden später auch für den Buchhandel herausgegeben. B. war als Kritiker sowie als Schriftsteller sehr beliebt, wurde jedoch oft zum Ziel harscher Kritik von →Karl Kraus. Als angesehenes Mitglied der Gesellschaft verkehrte er auch im Kreis um die Kunstmäzenin Jenny Mautner. 1928 wurde B. zum Ehrenmitglied des Journalisten- und Schriftstellervereins „Concordia“ ernannt.

Weitere W.: s. Stieger; http://agso.uni-graz.at/marienthal/biografien/bauer_julius.htm. – Teilnachlässe: Österreichische Nationalbibliothek, Wienbibliothek im Rathaus, beide Wien.
L.: Amtsblatt der Stadt Wien, 22. 6. 1966; Czeike; Das geistige Ungarn; Die Fackel, s. Reg.; Eisenberg 1; Kosel 1; Szinnyei; Universal Jew. Enc.; Wininger; F. Stieger, Opernlexikon 3/1, 1979; P. Eppel, „Concordia soll ihr Name sein …“, 1984, S. 159; http://agso.uni-graz.at/marienthal/biografien/bauer_julius.htm (m. W., Zugriff 23. 12. 2013); Tagblattarchiv, UA, beide Wien.
(R. Müller)   
Zuletzt aktualisiert: 15.11.2014  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 3 (15.11.2014)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 1, 1954), S. 56
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