Bauernfeld, Eduard von (1802-1890), Schriftsteller

Bauernfeld Eduard von, Lustspieldichter. * Wien, 13. 1. 1802; † Wien, 9. 8. 1890. Stud. zuerst am Schottengymn., dann Jus und Phil. an der Univ. Wien, 1826 Konzeptspraktikant, später Leiter des Lottogefälles, interessierte sich aber früh für Literatur und Theater. 1821 erschien ein kleines Lustspiel, 1823 die ersten Gedichte, 1831 errang er die ersten Erfolge mit „Leichtsinn aus Liebe“ und „Liebesprotokoll“, nachdem 1828 „Der Brautwerber“ im Burgtheater abgelehnt worden war; 1826 schrieb er für Schubert das Textbuch „Der Graf von Gleichen“; verkehrte mit Schubert, Schwind, Grillparzer (der ihn stark beeinflußte), Schreyvogel, Friedr. Schlegel und Adam Müller. Die Beteiligung an den Übersetzungsarbeiten der Wr. Shakespeareausgabe wirkte mit der Romantik auf seine frühesten Lustspiele („Die Geschwister von Nürnberg“, „Fortunat“, der „Musikus von Augsburg“). 1835 erschienen „Bürgerlich und Romantisch“ und „Lit. Salon“, die ihm die ersten dauernden Erfolge brachten; 1842 gab er anonym in Leipzig die Broschüre „Pia desideria eines österr. Schriftstellers“ gegen die Zensur heraus, 1844 „Ein dt. Krieger“ (stark national); 1846 folgte „Großjährig“, eine Kritik an den Zuständen des Vormärz; am 15. 3. 1848 brachte er mit Anastasius Grün bei Erzh. Franz Karl die Bitte um Konstitution vor, doch hielt ihn von einer weiteren Beteiligung an der Revolution deren Gewaltsamkeit ab; er wurde auch in die Frankfurter Nationalversmlg. gewählt, konnte aber wegen schwerer Erkrankung dieser Mission nicht entsprechen. Hausdichter des Burgtheaters; bis 1889 erschienen von ihm 43 Stücke mit über 1000 Aufführungen, auch ernste Dramen, die aber abfielen. Dr.h.c. der Univ. Wien und Ehrenbürger von Wien; korr. Mitgl. d. Akad. d. Wiss. in Wien.

W.: Erzählende, lyrische, epische und epigrammatische Dichtungen. Ges. Schriften, 12 Bde., 1871–73; Dramatischer Nachlaß, hrsg. von F. von Saar, 1893; Aus B.s Tagebüchern, 1819–79 hrsg. von K. Glossy, 1895 (Jb. der Grillparzer-Ges. 5, 6); Ausgewählte Werke, hrsg. von E. Horner, 1905; Ges. Aufsätze, hrsg. von St. Hock (Schriften des Wr. Lit. Ver., Bd. 4), 1905.
L.: B. Stern, B., ein Dichterporträt, mit persönlichen Erinnerungen, 3. Aufl. 1891; F. Gross, E.v.B., in: Nord und Süd, Hrsg. P. Lindau, 1889, I, S. 181f.; v. Gottschall, E.v.B., in: Unsere Zeit, 1890; H. Laube, Das Burgtheater, 2. Aufl. 1891; H. Sittenberger, Studien zur Dramatik der Gegenwart, S. 9ff., 1898; L. Hevesi, Wr. Totentanz, 1899, S. 341f.; Zentner, Studien zur Dramaturgie B.s, 1922; A. Sauer, Probleme und Gestalten, 1933; J. Lenz, B. und die polit. und soz. Probleme seiner Zeit, Diss. Wien, 1936; M. Burcik., B. und Grillparzer, ihre persönlichen und dichterischen Beziehungen, Diss. Wien, 1936; H. W. Himmelbauer, E.v.B. als Prosaiker, Diss. Wien, 1950; Giebisch-Pichler-Vancsa; Nagl-Zeidler 2, S. 796–807; Kosch, Theaterlexikon; Wurzbach; Almanach Wien, 1852, 1891; ADB.; NDB; Enc.It.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 1, 1954), S. 56f.
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