Bernheimer, Walter Ernst (1892–1937), Astronom

Bernheimer Walter Ernst, Astronom. Geb. Wien, 8. 12. 1892; gest. ebd., 14. 12. 1937; evang. AB. Sohn von →Stefan Bernheimer. – Nach Absolvierung des Gymnasiums in Innsbruck und der Matura 1910 war B. Einjährig-Freiwilliger beim 1. Tiroler Kaiserjäger-Regiment. 1911–14 studierte er Physik an der Universität Innsbruck, besuchte daneben mathematische und astronomische Vorlesungen und war an der von →Egon von Oppolzer erbauten Sternwarte in Innsbruck-Hötting tätig. 1914 an die Front berufen, diente B. zunächst beim Feldjägerbataillon 17, anschließend leitete er – zuletzt als Oberleutnant – die Feldwetterstation bzw. -zentrale der Luftfahrttruppen. 1919 setzte er sein Studium an den Universitäten Wien und Uppsala (1920/21), wo er auch am dortigen Observatorium forschte, fort; 1922 Dr. phil. in Wien, wurde er noch im selben Jahr zum ao. Ass. an der Wiener Universitätssternwarte ernannt. 1927 nahm er an der deutschen Sonnenfinsternisexpedition nach Lappland teil, 1928 habilitierte er sich an der Universität Wien und hielt Vorlesungen u. a. über Photometrie, Kolorimetrie und Strahlungsprobleme. 1931 zum o. Ass. ernannt, verbrachte er das Studienjahr 1931/32 als Rockefeller Research Fellow in Lund, wo er als Assistent an der Universität und deren Sternwarte wirkte und seine erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Astronomen Knut Emil Lundmark begann. Zurück in Wien, setzte er seine Tätigkeit an der Universitätssternwarte fort und machte sich auch als Bibliothekar verdient. Daneben lehrte er als Priv.Doz. an der Universität; 1935 ao. Prof., forschte er in Florenz zum Thema Sonnenphysik. B.s wissenschaftliches Œuvre ist vielfältig: Zum einen befasste er sich mit Sonnenstrahlung, und hier insbesondere mit der Frage nach der Konstanz der Solarkonstante, der kurzwelligen Sonnenstrahlung und der Sonnenkorona – die Aktualität in Bezug auf Verfahren der Strahlenmessung wurde erst nach seinem Tod deutlich. Zum anderen beschäftigte sich B. mit photometrischen Untersuchungen von Himmelskörpern. Mit Hilfe der Selenzelle gelang es ihm, einen merkwürdigen Lichtausbruch festzustellen. Erwähnenswert sind ebenso seine bedeutenden Beiträge zur Photometrie der Sternhaufen und der außergalaktischen Nebel. Hier erkannte B., dass sich diese Nebel nicht nur in Gruppen vereinigen, sondern dass diese unter sich wieder ein System übergeordneter Art, eine sogenannte Metagalaxis, bilden. Weniger umfangreiche Arbeiten betrafen Mondfinsternisse, Längenbestimmungen an drei österreichischen Stationen und die Windverhältnisse am Tonalepass in Italien. Hervorzuheben ist B.s Mitarbeit an mehrbändigen Sammelwerken, wie dem „Handbuch der Physik“, dem „Handbuch der Astrophysik“, dem „Handwörterbuch der Naturwissenschaften“ oder dem „Handbuch der wissenschaftlichen und angewandten Photographie“. Daneben übersetzte er Werke dänischer und englischer Wissenschaftler ins Deutsche. B. wurde 1916 Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Meteorologie, 1920 der Astronomisk Selskab in Kopenhagen, 1921 der Svenska Astronomiska Sällskapet in Stockholm sowie der Astronomischen Gesellschaft in Leipzig, 1926 des Kuratoriums des Sonnblick-Vereins sowie 1926–36 der astronomischen Gesellschaften von Frankreich, Amerika, Italien und Schweden. Die Internationale Astronomische Union (IAU) wählte ihn in die Kommissionen 28 (Galaxien) und 12 (Strahlung und Aufbau der Sonnenatmosphäre).

W.: s. Prey; Poggendorff.
N.: K. Graff, in: Astronomische Nachrichten 264, 1938, S. 343; A. Prey, in: Vierteljahrsschrift der Astronomischen Gesellschaft Leipzig 73, 1938, S. 2–12 (m. W.).
L.: WZ, 16. 12. 1937; Czeike; Emődi; NDB; Poggendorff 6–7a (m. W.); Porträtgalerie der Astronomischen Gesellschaft 8, 1930; H. M. Maitzen – J. Hron, Die Universitätssternwarte Wien – Pflanzstätte des Österreichischen ESO-Beitritts, in: Communications in Asteroseismology 149, 2008, S. 168, 170f.; D. Angetter – N. Pärr, Blick zurück ins Universum …, 2009; Evangelische Pfarrgemeinde AB, UA, beide Wien; UA, Innsbruck, Tirol.
(D. Angetter)   
Zuletzt aktualisiert: 1.3.2011  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 1 (01.03.2011)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 1, 1954), S. 76
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