Biedermann, Julius (1833–1903), Sänger und Cafétier

Biedermann Julius, Sänger und Cafétier. Geb. Wien, 1833; gest. Kierling (Klosterneuburg, Niederösterreich), 21. 10. 1903. Sohn eines wohlhabenden, aus der Schweiz zugezogenen Kaufmanns. – B. wandte sich ursprünglich dem Handelsstand zu. Nach dem Tod des Vaters kaufte er mit dem Geld aus seinem Erbteil ein Kaffeehaus in Währing (Wien 18), das jedoch nicht floriert haben soll. Zusammen mit dem Volkssänger Eduard Wechinger, einem einstigen Tischlergesellen, gründete er 1883 das Duo Edi und B., das in der Folge große Bekanntheit erlangte. In den 1880er-Jahren sangen sie in Lokalen wie der „Bretze“ (Wien 16) und in der „Neuen Welt“ an der einstigen Hernalser Linie, wobei B. den Part des Komikers übernahm. Ihm wurde besonderer Humor des Coupletvortrags und der Gesten nachgesagt. Musikalisch begleitet wurden Edi und B. auch von den Schrammeln, mit denen sie Konzertreisen nach Deutschland und in die Schweiz unternahmen und zur Weltausstellung nach Chicago (1893) fuhren. Dort wurde unter dem Namen „Old Vienna“ die für die Internationale Musik- und Theaterausstellung in Wien 1892 entstandende Rekonstruktion des Hohen Markts („Alt-Wien“) gezeigt. Nach dem Tod von →Johann Schrammel (1893) erwarben sie gemeinsam das beliebte Ausflugslokal „Sängerwarte“ in Dornbach, in dem sie ihre Gäste in blauen Schürzen bedienten und als singende Wirte unterhielten. Später traten sie u. a. mit dem Ensemble D’ Grinzinger auf, wovon frühe Tondokumente erhalten sind. Für Berliner’s Gramophone nahmen sie 1899 und 1901 „Komm, Karlinchen“, ein „Frosch-Konzert“, den „Junggesellen-Marsch“ und andere Stücke auf. Zu ihren populärsten Nummern zählten „Wir san zwa harbe, kecke Beißer“, „Gaudeebrüader“ und „Weil wir zwa Blunzenstricker sein“. Im Repertoire hatten sie auch weitere Lieder von →Carl Lorens, wie „Du kennst mein Herz noch lange nicht“, „Macht nix, genirt nix, liegt uns gar nix dran“, „So schaut unser Wien jetzt aus“ oder „Menschen san mir ja Alle!“. B. starb in der Niederösterreichischen Landes-Irrenanstalt in Kierling.

L.: NFP, Neues Wiener Journal, 23. 10. 1903; Czeike (s. u. Edi und B., mit Bild); oeml (s. u. Edi und B.); J. Koller, Das Wiener Volkssängertum in alter und neuer Zeit, 1931, s. Reg. (mit Bild); H. Mailler, Schrammel-Quartett, 1945, S. 103 (mit Bild nach S. 176); G. Gugitz, Lieder der Straße, 1954, s. Reg.; H. Hauenstein, Chronik des Wienerliedes, 1976, S. 137ff.; K. Dieman, Schrammelmusik, 1981, s. Reg.; Wien. Musikgeschichte 1, ed. F. Th. Fritz – H. Kretschmer, 2006, s. Reg. (s. u. Edi und B.); K. Diemann Dichtl-Jörgenreuth, Schrammelmusik – Schrammelwelt, 2007, s. Reg.
(E. Offenthaler)   
Zuletzt aktualisiert: 30.11.2015  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 4 (30.11.2015)
1. AUFLAGE: