Böhm-Böhmersheim, August Edler von (1858–1930), Geograph und Alpinist

Böhm-Böhmersheim August Edler von, Geograph und Alpinist. Geb. Wien, 27. 4. 1858; gest. Graz (Steiermark), 19. 10. 1930; röm.-kath. Sohn von →Karl von Böhm-Böhmersheim und von Marie von Böhm-Böhmersheim, geb. Kautz (1838–1889). – Nach Besuch des Gymnasiums in Wien studierte B. 1877–78 an der dortigen TH sowie 1878–82 Geographie an der Universität Wien u. a. bei →Eduard Sueß und →Friedrich Simony, mit dem er später eng befreundet war; 1882 Dr. phil. in Erlangen. 1882–85 war er als Volontär an der Geologischen Reichsanstalt tätig und vertiefte seine Ausbildung 1883 in München bei dem Geologen und Paläontologen Karl Alfred von Zittel sowie 1886–87 in Berlin bei dem Geographen und Kartographen Ferdinand Frh. von Richthofen. 1887 habilitierte er sich für physikalische Geographie an der TH Wien. B. widmete sich in seinen jüngeren Jahren der Geomorphologie im Allgemeinen, später speziell jener der Alpen, insbesondere der Gletschergebiete. Seine Arbeit „Über die Gesteine des Wechsels“ (in: Zeitschrift für Kristallographie, Mineralogie und Petrographie 5, 1883) beschreibt kristallographische Eigenschaften von Quarzen, die als „Böhmsche Streifung“ bekannt wurde. Mit →Albrecht Penck und →Eduard Brückner untersuchte B. 1887–90 die Vergletscherung der österreichischen Alpenländer. Hervorzuheben ist seine 1887 im 1. Band der „Geographischen Abhandlungen“ veröffentlichte Pionierarbeit über die Deutung der glazialen Formen der Alpen, „Einteilung der Ostalpen“. 1893–94 arbeitete er an →Eduard Richters dreibändigem Werk „Erschliessung der Ostalpen“ mit. Ab 1893 war B. Volontär, später Assistent und Adjunkt an der geologisch-paläontologischen Abteilung im Naturhistorischen Hofmuseum, wo er sich vor allem um die Neuordnung der Bibliothek verdient machte. Auf der Basis ihrer Bestände verfasste er 1899 eine Biographie von Simony. Ab 1900 setzte B. Simonys Beobachtung am Karlseisfeld (Hallstätter Gletscher) fort. 1902 erfolgte seine Berufung zum ao. Prof. an die TH Wien, ab 1906 war er Leiter des österreichischen Regionalbüros für die internationale naturwissenschaftliche Bibliographie an der Hofbibliothek sowie 1898–1907 Redakteur der „Mitteilungen der Österreichischen Geographischen Gesellschaft“. 1908 wechselte er als o. Prof. für Geographie an die Universität Czernowitz, wo er sich vorwiegend der mathematischen Geographie widmete. Nach Ausbruch des 1. Weltkriegs kehrte B. nach Wien zurück, lebte dann kurze Zeit in Salzburg und nahm 1918 seine Tätigkeit an der Universität Czernowitz wieder auf. Ab 1920 lehrte B. an der Universität Graz. Nach seiner Pensionierung 1922 hielt er dort noch bis 1926 Vorlesungen. B. war auch als Bergsteiger bekannt und unternahm mit den Alpinisten Emil und Otto Zsigmondy sowie →Ludwig Purtscheller und →Carl Diener einige Erstbesteigungen. Sein „Führer durch die Hochschwabgruppe“ (1881) ist eines der frühesten Werke dieser Art. Hofrat B. war Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, Mitglied der Geographischen Gesellschaften von Wien und Hannover, ab 1896 Sekretär des Sonnblickvereins sowie ab 1900 Korrespondent der Geologischen Reichsanstalt in Wien.

Weitere W. (s. auch Petermanns Mitt.; Eisenberg; Poggendorff 4): Steiner Alpen, 1893; Geschichte der Moränenkunde, 1901; Geschichte des Singvereins der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, 1908; Abplattung und Gebirgsbildung, 1910; etc.
N.: NFP, 21. 10. 1930; Münchner Neueste Nachrichten, 31. 10. 1930; Petermanns Mitt. 76, 1930, S. 311f. (m. W.); G. Geyer, in: Verhandlungen der Geologischen Bundesanstalt, 1930, Nr. 11, S. 229–232; E. Pichl, in: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins 56, 1930, S. 229f.; F. X. Schaffer, in: Mitteilungen der Geologischen Gesellschaft in Wien 23, 1930, S. 156–159.
L.: Eisenberg 2 (m. W.); NDB (m. L.); Poggendorff 4 (m. W.), 6, 7a; Wer ist’s?, 1909; TU, UA, beide Wien; UA, Erlangen, D.
(W. Kainrath)   
Zuletzt aktualisiert: 15.3.2013  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 2 (15.03.2013)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 2, 1954), S. 97
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