Böhm, Joseph Edgar Sir, Baronet (1834–1890), Bildhauer und Medailleur

Böhm Sir Joseph Edgar, Baronet, Bildhauer und Medailleur. Geb. Wien, 4. 7. 1834; gest. London (GB), 12. 12. 1890 (begraben: Saint Paul’s Cathedral); röm.-kath. Sohn von →Joseph Daniel Böhm und Aloysia Böhm, geb. Lussmann; ab 1860 mit der aus Liverpool stammenden Frances „Fanny“ Louisa Boteler (1835/36–1890) verheiratet. – B. erfuhr seine erste künstlerische Prägung durch die Kunstsammlung seines Vaters, dessen Schüler er auch wurde. Ab 1848 studierte er bei James Mathews Leigh an der Leigh’s Academy in London und kehrte 1850 nach Wien zurück, wo er sich bis 1856 an der Akademie der bildenden Künste, u. a. bei →Karl Radnitzky weiterbildete. Nach einer Italienreise hielt er sich 1859–62 in Paris auf und übersiedelte dann nach London. B. arbeitete als Bildhauer von Porträtbüsten sowie als Medailleur hauptsächlich für den Adel und das Königshaus und nahm erfolgreich an der Weltausstellung von 1862 in London teil. 1869 beauftragte ihn Queen Victoria mit mehreren Arbeiten (darunter eine Statue von Queen Victoria in Windsor Castle) und engagierte ihn als Lehrer für ihre Tochter, Princess Louise, Duchess of Argyll. Zu B.s wichtigsten Arbeiten zählen unter anderem die Münze mit dem Bildnis von Queen Victoria, die anlässlich ihres goldenen Thronjubiläums 1887 geprägt wurde, der Hl. Georg und der Drache vor der State Library of Victoria, Melbourne (1889), sowie die Statuen des Duke of Wellington im Hyde Park Corner, London (1884–88), und des Generals Charles George Gordon in der Saint Paul’s Cathedral, London. Zahlreiche seiner Arbeiten befinden sich in der National Portrait Gallery in London. 1878 wurde B. zum Mitglied der Royal Academy, 1880 zum Sculptor in Ordinary to the Queen ernannt, 1889 erhielt er den Titel eines Baronets verliehen. B. war ab 1888 Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste in Wien.

Weitere W. (s. auch Stocker, 1988): Sir Francis Drake, 1883 (Tavistock, Devon); William Tyndale, 1884 (Victoria Embankment Gardens, London); Charles Darwin, 1885 (Natural History Museum, London); Grabmäler: Sir Charles Slingsby, 1869 (Knaresborough), Erzbischof Archibald Campbell Tait, 1886 (Canterbury Cathedral); etc.
L.: AKL; Forrer; ÖKL; Thieme–Becker; Encyclopaedia Britannica 4, 1911; B. Read, Victorian Sculpture, 1982; M. Stocker, Royalist and Realist. The Life and Work of Sir J. E. B., 1988 (m. W.); The Dictionary of Art 4, 1996; M. Stocker, in: The Burlington Magazine 149, 2007, S. 190f.; A. Mayr, Joseph Daniel B. (1794–1865) …, hist.-kulturwiss. DA Wien, 2013; Oxford Dictionary of National Biography 6, 2004 (m. B.; auch online); ABK, Pfarre St. Florian, beide Wien.
(A. Mayr)  
Zuletzt aktualisiert: 15.11.2014  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 3 (15.11.2014)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 1, 1954), S. 96
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