Budau, Arthur (Artur) (1856–1923), Hydrotechniker

Budau Arthur (Artur), Hydrotechniker. Geb. Podgórze, Galizien (Kraków, PL), 4. 1. 1856; gest. Konstanz, Deutsches Reich (D), 13. 2. 1923 (begraben: Wien-Mauer); röm.-kath. Sohn des Oberingenieurs Josef Budau und seiner Frau Rosalia Budau; ab 1886 verheiratet mit Anna Budau, geb. Wenzel (Wentzel) (1860–1941). – Nach dem Besuch des Untergymnasiums in Görz absolvierte B. das Obergymnasium an der Theresianischen Akademie in Wien. 1873–77 studierte er an der Technischen Hochschule in Wien Maschinenbau. Anschließend wandte er sich zunächst der Praxis zu: Ab 1879 arbeitete er als Konstrukteur und Betriebsingenieur bei verschiedenen Maschinenfabriken, ab 1885 war er in Biella beim Beginn des Ausbaus der Wasserkraft in Oberitalien tätig, 1893–99 als selbstständiger Zivilingenieur in Biella. 1899 wechselte er als Konstrukteur zu Ganz & Co. in die Leobersdorfer Maschinenfabrik, die damals schon Turbinen herstellte. In dieser Zeit befasste B. sich auch theoretisch mit Problemen der Regulierung hydraulischer Maschinen, veröffentlichte dazu eine Reihe von Artikeln und erwarb einige Patente. Außerdem arbeitete er bereits an flugtechnischen Studien (1903 Vortrag im Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Verein). 1904 wurde B. an die neu eingerichtete ao. Lehrkanzel für den Bau der Wasserkraftmaschinen an die Technische Hochschule in Wien berufen. Neben Lehrveranstaltungen über sein Fach (Bau der Wasserkraftmaschinen und Pumpen) hielt er im Wintersemester 1908/09 erstmals eine Vorlesung über Theorie und Bau der Flugapparate. B. unterstützte auch →Viktor Kaplan, dessen Dissertation er 1908 als Hauptgutachter betreute. 1909 wurde unter seiner Leitung an der Technischen Hochschule in Wien ein hydromechanisches Versuchslabor errichtet, um die Forschung an Wasserkraftmaschinen voranzutreiben. 1910 erfolgte die Ernennung zum o. Professor ad personam. B. unterhielt neben seiner Lehr- und Forschungstätigkeit auch weiterhin Kontakte zur Industrie und zu den entsprechenden Berufsverbänden. 1906–07 war er Vizepräsident des Elektrotechnischen Vereins, 1907–09 Obmann der Fachgruppe der Maschineningenieure im Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Verein; außerdem gehörte er dem Österreichischen Flugtechnischen Verein an, dessen Zeitschrift er lange als Chefredakteur betreute. 1912 wurde er zum Mitglied des Patentgerichtshofs ernannt. Unter seinen Publikationen befindet sich u. a. ein „Kurzgefaßtes Lehrbuch der Hydraulik. Hydrostatik, Hydrodynamik, Hydrometrie“ (1913, 3. Aufl. 1921). Anfang 1923 musste er sich krankheitshalber in ein Sanatorium nach Konstanz begeben, wo er kurz darauf verstarb. B. wurde 1913 der Orden der Eisernen Krone III. Klasse und 1922 der Hofratstitel verliehen.

Weitere W.: Ueber die Wirkungsweise des Wassers in den Laufrädern der Freistrahlturbinen, in: ZÖIAV 54, 1902; Die mechanischen Grundgesetze der Flugtechnik …, 1904; Beiträge zur Frage der Regulierung hydraulischer Motoren, 3 Bde., 1906–09; Vorlesungen über Bau der Wasserkraftmaschinen und Pumpen … 2, 1910–11; Das hydromechanische Versuchslaboratorium an der k. k. Technischen Hochschule in Wien, in: ZÖIAV 65, 1913; Vorlesungen über Pumpenbau, 1921, 2. Aufl. 1923 (unter Mitwirkung von Karl Tindl u. a.).
L.: Czeike; H. Seidler, in: Inauguration TH Wien 1925/26, 1925, S. 51ff. (mit Bild); Wer ist’s?, 1922; Elektrotechnik und Maschinenbau 41, 1923, S. 163f.; K. Tindl, in: ZÖIAV 75, 1923, H. 11/12, S. 69f.; 150 Jahre Technische Hochschule in Wien 2, ed. H. Sequenz, 1965, S. 281f., 340f.; TU, WStLA, beide Wien.
(J. Mikoletzky)   
Zuletzt aktualisiert: 27.11.2017  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 6 (27.11.2017)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 2, 1954), S. 123f.
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