Christians, Mady (Margarethe) (1896–1951), Schauspielerin

Christians Mady (Margarethe), Schauspielerin. Geb. Wien, 19. 1. 1896; gest. South Norwalk, Conn. (USA), 28. 10. 1951; evang. Tochter des Schauspielers Rudolf Christians und der Opernsängerin Bertha Klein, Cousine der Ärztin und früheren Schauspielerin Anneliese Uhlhorn (Künstlername: Christa Tordy), verheiratet mit dem Journalisten Sven von Müller (geschieden). – C. verbrachte wegen der Engagements ihrer Eltern einen Großteil ihrer Kindheit in einem Berliner Ursulinenkloster und folgte ihrem Vater, der zur Zeit ihrer Geburt am Deutschen Volkstheater in Wien (1895–98) engagiert gewesen war, Ende 1912 erstmals in die USA. Sie lebte fünf Jahre lang in New York und gab in Amerika 1916 auch ihr Filmdebüt. Mit Eintritt der USA in den 1. Weltkrieg (1917) wurde die Familie des Landes verwiesen. In Berlin setzte C. ihre Filmkarriere fort und stieg in den kommenden anderthalb Jahrzehnten zu einem führenden Leinwandstar auf. Am Theater wurde →Max Reinhardt ihr zentraler Förderer. Sie spielte unter seiner Intendanz noch 1917 die Mascha in Tolstois „Der lebende Leichnam“, die Titania in Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ und die Franziska in Lessings „Minna von Barnhelm“. Im Mai 1918 debütierte sie an der Berliner Volksbühne in Shakespeares „König Lear“. Es folgten zu Beginn der 1920er-Jahre Hauptrollen in Montague Marsdens und Charles Kleins Komödie „Potasch und Permutter“, in →Arthur Schnitzlers „Anatol“ und im „Sommernachtstraum“. Außerdem trat sie im Kabarett „Schall und Rauch“ auf. Im Film wurde C. vielfältig eingesetzt, oftmals im Rollenfach der charmanten wie kultivierten Liebhaberin oder Dame der Gesellschaft. Ein besonderer Erfolg wurde 1921 der Abenteuer- und Reisefilm „Der Mann ohne Namen“, in dem sie Harry Liedtke zum Partner hatte. Weitere Publikumserfolge waren „Ein Glas Wasser“, „Der verlorene Schuh“ und „Ein Walzertraum“. 1926 kehrte C. für die Filmhauptrolle „Die Königin vom Moulin Rouge“ nach Wien zurück, 1929 spielte sie die Hauptrolle im ersten deutschen Tonfilm „Dich hab ich geliebt“. Anfang 1931 ging sie wieder in die USA, um in New York Theater zu spielen. Zwischendurch, zuletzt im Winter 1932/33, übernahm sie in Berlin Filmhauptrollen. Unmittelbar nach der NS-Machtübernahme verließ C. Deutschland und spielte in New York erneut Theater. Zeitgleich blieb sie bis zum „Anschluss“ Österreichs 1938 auch Ensemblemitglied des Theaters in der Josefstadt. Anschließend ging C. endgültig in die USA, obwohl Propagandaminister Goebbels mehrfach versuchte, sie mit Filmangeboten nach Deutschland zurückzuholen. Sie war weiterhin am Theater und beim Film beschäftigt und wurde 1945 Schauspiellehrerin an der Columbia University. In der McCarthy-Ära wurde C. aufgrund ihrer gewerkschaftlichen Aktivitäten – sie engagierte sich in der US-Bühnengenossenschaft – kommunistischer Sympathien verdächtigt, geriet daraufhin auf die „Schwarze Liste“ und durfte nicht mehr beim Film arbeiten.

Weitere Theaterrollen (USA) in: Cocktail; Marching By; Story of the Wolf; Divine Drudge; The Light Behind the Shadow; Alice Takat; Save Me the Waltz; Heartbreak House; Hamlet; Henry IV; Viceroy Sarah; Watch on the Rhine; Elizabeth the Queen; I Remember Mama; Getting Married. – Weitere Filmrollen (s. auch Glenzdorf; Weniger; Obradovic) in: Audrey, 1916; Die Krone von Kerkyra, 1917; Die Verteidigerin, 1918; Der goldene Klub, 1919; Fidelio, 1919; Die Buddenbrooks, 1923; Die Finanzen des Großherzogs, 1923/24; Soll und Haben, 1924; Der Farmer aus Texas, 1924/25; Zopf und Schwert, 1926; Grand Hotel ...!, 1927; Königin Luise, 1927/28; Der schwarze Husar, 1932; Ich und die Kaiserin, 1932/33; Escapade, 1935; Nimm was Du kriegen kannst, 1936; Address Unknown, 1944; All My Sons, 1948; Letter from an Unknown Woman, 1948; Priscillas Fahrt ins Glück, o. J.; etc.
L.: Filmkünstler. Wir über uns selbst, ed. H. Treuner, 1930 (m. B.); Deutsches Bühnen-Jahrbuch 61, 1953, S. 75f. (m. B.); Glenzdorfs Internationales Film-Lexikon 1, 1960, S. 238f. (m. Filmographie); K. Weniger, „Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …“. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945, 2011, S. 123–125 (m. B. u. Filmographie); A. Obradovic, M. C. – Schauspielerin, in: CineGraph 29, o. J. (m. Filmographie).
(K. Weniger)   
Zuletzt aktualisiert: 15.3.2013  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 2 (15.03.2013)
1. AUFLAGE: