Conrad von Hötzendorf, Franz Gf. (1852-1925), Feldmarschall

Conrad von Hötzendorf Franz Graf, Feldmarschall. * Penzing b. Wien, 11. 11. 1852; † Mergentheim (Württ.), 25. 8. 1925, begraben in Wien-Hietzing. Sohn eines Obst., absolvierte die Theres. Milit. Akad., 1871 Lt., kam 1876 in den Generalstab, machte die Kämpfe in Bosnien-Herzegowina-Dalmatien 1878, 1879 und 1882 mit und wurde mehrmals ausgezeichnet; 1879–83 im Landesbeschreibungsbüro, 1887 Mjr., 1888–92 Taktiklehrer an der Kriegsschule, 1895–99 Kmdt. des 1. Inf. Rgt.s, 1899 Brigadier in Triest, 1903 Divisionär in Innsbruck, 1906 Chef des Generalstabes; Meinungsverschiedenheiten mit Außenmin. Aehrenthal führten 1911 zu seinem Rücktritt, doch wurde er 1912 neuerlich berufen. Bei Kriegsausbruch 1914 stand C. vor schweren Aufgaben. Er mußte im Osten die Hauptmassen des Feindes auf sich ziehen, um den Deutschen Gelegenheit zu einem Siege im Westen zu geben, der jedoch an der Marne ausblieb. In mehrfachen Rückzügen und wiederholten Offensiven gelang es C., mit der Schlacht von Limanowa-Łapanów den Gegner zum endgültigen Stehen zu bringen. Nach den winterlichen Abwehrschlachten in den Karpathen kam es nach seinen Plänen am 2. 5. 1915 zum Durchbruch bei Tarnów-Gorlice, der die verbündeten österr.-ungar.-dt. Kräfte in siegreichem Feldzug weit nach Osten führte. An der endgültigen Niederwerfung Serbiens-Montenegros 1915, an der erfolgreichen Abwehr Rumäniens 1916 und an der Zurückweisung der italien. Angriffe am Isonzo und in den Alpen seit Mai 1915 hatte C. überragenden Anteil. Seine Vorschläge, durch Zusammenfassung starker, verbündeter Streitkräfte zuerst am Balkan, dann gegen Italien durchgreifende Lösungen herbeizuführen, fanden nicht die Zustimmung der dt. Heeresleitung. Als C. am 28. 2. 1917 vom Posten des Chefs des Generalstabes zurücktrat, hinterließ er eine strategisch durchaus gefestigte Lage. Er übernahm das Kmdo. der Heeresgruppe Conrad in Tirol, vermochte aber nicht mehr die Reihe seiner Erfolge fortzusetzen, da sich die Kräfte der Armee gegenüber dem sich immer mehr verstärkenden Gegner erschöpften. 1916 FM., 1918 Obst. aller Leibgarden, trat er am 1. 12. 1918 i.R. Er wurde vielfach ausgezeichnet (u.a. Großkreuz des Maria-Theresien-Ordens, wirkl. Geh. Rat, 1910 Frh., 1918 Graf, fünffacher Ehrendoktor) und Ehrenbürger zahlreicher Gemeinden. Als Generalstabschef widmete er seine ganze Kraft dem Ausbau der Streitkräfte, die weit hinter den übrigen Großmachtarmeen zurückgeblieben waren.C. war nach Ideenreichtum und strategischer Wendigkeit sicherlich der bedeutendste Feldherr des 1. Weltkrieges, wenn auch seinen Operationsentwürfen mitunter der nötige Realismus mangelte.

W.: 20 Werke militärgeogr., taktischen, biogr. und geschichtlichen Inhaltes; u. a.: Zum Studium der Taktik (in mehreren Sprachen übers.) 1891; Aus meiner Dienstzeit, 5 Bde. Memoiren, 1921f.; Mein Anfang, Kriegserinnerungen 1878–1882, 1925; Landschaftsskizzen von Gefechtsfeldern (Zeichnungen).
L.: A. Urbanski, C. v. H., 1939; E. Glaise-Horstenau, FM. F. Gf. C., in: Militärwissenschaftliche Rundschau, 1937; R. Kiszling, C. v. H., in: Heerführer des Weltkrieges, 1938; ders.: C. v. H., in: Österreichs Feldherrn und ihre Beziehungen zum Deutschtum, 1941; A. Wittich, Zur Weltanschauung C. v. H., in: Milit. wiss. Mitt., 1944; C. Nowak, Der Weg zur Katastrophe, 1919; Österr.-Ungarns letzter Krieg 1914–18, 1929–38; Bardolff. Im Wr. K.A. ist seit 1947 ein FM.-Conrad-Archiv für die biogr. Forschung eingerichtet.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 2, 1954), S. 153
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