Czibulka, Alfons (1842–1894), Kapellmeister und Komponist

Czibulka Alfons, Kapellmeister und Komponist. Geb. Kirchdrauf, Ungarn (Spišské Podhradie, SK), 14. 5. 1842; gest. Wien, 27. 10. 1894 (Ehrengrab: Wiener Zentralfriedhof); röm.-kath., später evang. AB. Sohn des Komitatsarztes Roman Czibulka und seiner Frau Marie Czibulka, geb. Kolbay; in 1. Ehe mit der Gutsbesitzerstochter Caroline Czibulka, geb. Gál, in 2. Ehe mit Karoline Czibulka, geb. von Schaiba, wiederverehelichte Topolansky (1860–1923), verheiratet; zwei Kinder. – C. erhielt seine musikalische Ausbildung vom Pressburger Domkapellmeister Carl Frajmann Edler von Kochlow; seine ersten Kompositionen entstanden bereits im Alter von acht bis zehn Jahren. Ab 1862 Kapellmeister an der französischen Oper in Odessa, wurde er nach einer ausgedehnten „Kunstreise“ in viele europäische Länder Kapellmeister am National-Theater in Innsbruck und 1865 neben →Franz von Suppé zweiter Kapellmeister am Carltheater in Wien. Ab 1866 war C. Militärkapellmeister, zunächst bis 1869 beim Infanterieregiment Nr. 17 in Bozen, dann 1869/70 bei den „23ern“ in Peterwardein und anschließend bis 1871 beim Infanterieregiment Nr. 20 in Krakau. Ebenfalls als Militärkapellmeister diente er 1872–80 bei den „25ern“ in Prag sowie 1880 für wenige Monate beim Infanterieregiment Nr. 35. Bei der internationalen Militärmusikkonkurrenz 1880 in Brüssel erreichte C. den ersten Preis für Österreich-Ungarn; Stephanie von Belgien (→Stephanie Fürstin Lónyay von Nagylónya und Vásárosnamény), der späteren Gattin von Kronprinz →Rudolf, widmete er die „Stephanie-Gavotte“, die sein größter musikalischer Erfolg und eines der beliebtesten Stücke Wiener Musik wurde. 1880–83 wirkte C. als Militärkapellmeister beim Infanterieregiment Nr. 44 in Triest und danach bis 1887 bei den „31ern“ in Wien. Gemeinsam mit der Kapelle der „30er“ veranstaltete er – neben zahlreichen Promenadenkonzerten – auch sogenannte Componisten-Abende, die jeweils einem berühmten Tondichter gewidmet waren. Im Dezember 1884 wurde seine Operette „Pfingsten in Florenz“ (Libretto →Franz Friedrich Richard Genée und Julius Riegen) im Theater an der Wien mit →Alexander Girardi in der Hauptrolle des Tyrannen Fra Bombarda uraufgeführt. Das Werk war auf zahlreichen europäischen Bühnen sowie unter dem Titel „Amorita“ auch in den USA zu sehen. Im Dezember 1887 wurde C.s Operette „Der Glücksritter“ im Wiener Carltheater uraufgeführt. Im Sommer 1889 war er für mehrere Monate Dirigent des Concerthauses Flora in Hamburg. 1891–94 diente C. neuerlich als Militärkapellmeister bei den „19ern“ in Wien; auch die Componisten-Abende – diesmal gemeinsam mit den „49ern“ – wurden wieder durchgeführt. Seine mehr als 400 Kompositionen umfassen v. a. Märsche und Wiener Tanzmusik. Am erfolgreichsten waren neben der „Stephanie-Gavotte“ das Walzer-Intermezzo „Liebestraum nach dem Balle“ (1890), der „Erzherzog Friedrich-Marsch“ (1878) und der Marsch „Vom Donaustrand“ (1887). Von seinen Operetten hielt sich nur „Pfingsten in Florenz“ längere Zeit in den Spielplänen. C. erhielt als erster Militärkapellmeister das Goldene Verdienstkreuz mit der Krone (1880).

Weitere W.: s. Anzenberger. – Teilnachlass: Wienbibliothek im Rathaus, Wien.
L.: NFP, 28., 30. (Parte) 10. 1894; Grove, 1980, 2001; oeml; C. M. Ziehrer’s Deutsche Kunst- & Musik-Zeitung 7, 1880, S. 109, 111 (mit Bild); R. Holzer, Die Wiener Vorstadtbühnen, 1951, S. 364ff.; F. Anzenberger, A. C. (1842–1894). Militärkapellmeister und Komponist, 2000 (mit Bild und W.); KA, Wien.
(F. Anzenberger)   
Zuletzt aktualisiert: 30.11.2015  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 4 (30.11.2015)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 2, 1954), S. 164
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