Daublebsky von Sterneck, Robert d. Ä. (1839–1910), Offizier, Geodät und Astronom

Daublebsky von Sterneck Robert d. Ä., Offizier, Geodät und Astronom. Geb. Prag, Böhmen (Praha, CZ), 7. 2. 1839; gest. Wien, 2. 11. 1910; röm.-kath. Sohn von Jakob Daublebsky von Sterneck (1800–1878), Jurist und Präsident der Prager Anwaltskammer, und Maria Daublebsky von Sterneck, geb. Kalina von Jäthenstein (1809–1875), Cousin 2. Grades von →Maximilian Freiherr Daublebsky von Sterneck, Vater von →Robert Jakob Daublebsky von Sterneck d. J. und dem Anwalt und Mediziner Oskar Daublebsky von Sterneck (1874–1965); ab 1868 verheiratet mit Josephine Daublebsky von Sterneck, geb. Chimani (1844–1926). – Nach dem Besuch des Akademischen Gymnasiums und einem zweijährigen Studium am polytechnischen Institut in Prag (1857–59) trat D. 1859 als Kadett in das Infanterieregiment Nr. 3 ein und kämpfte als Leutnant in den Schlachten von Magenta und Solferino. Ab 1862 am Militärgeographischen Institut in Wien tätig, diente er 1866 im Hauptquartier der Nordarmee; 1866 Oberleutnant, 1872 Hauptmann. Ab 1880 leitete er die Sternwarte des Militärgeographischen Instituts in Wien, 1894–1906 stand er dessen astronomisch-geodätischer Abteilung vor. Ab 1882, dem Jahr seiner Beförderung zum Major, fungierte er auch als bevollmächtigter österreichischer Kommissär für die europäische Gradmessung; 1889 Oberstleutnant, 1894 Oberst und 1906 anlässlich seiner Pensionierung Generalmajor. Ab 1864 nahm D. an den Triangulierungsmaßnahmen erster Ordnung, Basismessungen und Gradmessungsarbeiten in Österreich-Ungarn teil. 1871–74 führte er astronomische Ortsbestimmungen und barometrische Höhenmessungen auf der Balkanhalbinsel aus, wodurch er wichtige Vorarbeiten zur kartographischen Erschließung der jeweiligen Länder leistete, und beteiligte sich an den Basismessungen der dritten (Franzisco-Josephinischen) Landesaufnahme von Eger (1873) und Radautz (1874). Darüber hinaus beschäftigte sich D. mit Polhöhenschwankungen. Seine Methode der Polhöhenbestimmung durch Messung der Zenitdistanzen von Sternen im Meridian wurde bis weit in das 20. Jahrhundert von zahlreichen Staaten beibehalten. D. gilt auch als Begründer der relativen Schweremessungen zur gravimetrischen Erdvermessung, welche bis 1901 an 544 Stationen der Monarchie durchgeführt wurden. 1892 erfand er das Halbsekunden-(Sterneck-)Pendel, einen Ableseapparat für Schweremessungen, nahm theoretische Untersuchungen der Schwerkraft im Erdinneren auf Grundlage von Messungen in Bergwerken (Přibram und Freiberg) vor und konstruierte einen Flutmesser (Mareograph) zur Mittelwasserbestimmung der Adria. Aus diesen Messungen zog er Rückschlüsse auf den Verlauf der Gezeiten. Im Ruhestand verfasste er bedeutende psychophysische Untersuchungen über die Referenzflächen des Himmels und der Gestirne. D., der zu den bedeutendsten österreichischen Geodäten zählt, war u. a. ab 1887 korrespondierendes Mitglied der Königlich böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften in Prag, ab 1893 korrespondierendes Mitglied der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien sowie Mitglied der Akademien von Rom und Kristiania (Oslo). 1896 erhielt er die Cothenius-Medaille, 1899 den Orden der Eisernen Krone III. Klasse, 1900 das Österreichisch-ungarische Ehrenzeichen für Kunst und Wissenschaft sowie 1905 das Ritterkreuz des Leopold-Ordens. 1899 Dr. phil. h. c. der Universität Göttingen.

W.: s. Eisenberg; NDB; Angetter-Pärr.
L.: WZ, 3. 11. 1910 (Abendausg.); NFP, 3. (Abendausg.), 4. 11. 1910; RP, 5. 11. 1910; Almanach Wien 61, 1911, S. 371ff.; Biograph. Jb. 15, 1913, S. 128ff.; Eisenberg 2 (mit W.); Lex. böhm. Länder; NDB (mit W.); V. Haardt von Hartenthurn, in: Mittheilungen des kais. königl. Militär-Geographischen Institutes in Wien für das Jahr 1910, 30, 1911, S. 47ff.; L. Andres, in: Österreichische Zeitschrift für Vermessungswesen 9, 1911, S. 41ff. (mit Bild); O. Regele, Beiträge zur Geschichte der staatlichen Landesaufnahme und Kartographie in Österreich bis zum Jahre 1918, 1955, s. Reg.; K. Mader, in: Österreichische Naturforscher, Ärzte und Techniker, ed. F. Knoll, 1957, S. 160ff. (mit Bild); D. Angetter – N. Pärr, Blick zurück ins Universum, 2009 (mit W.); KA, WStLA, beide Wien.
(W. Kainrath)   
Zuletzt aktualisiert: 30.11.2015  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 4 (30.11.2015)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 2, 1954), S. 171
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