Dehne, August d. J. (1830–1917), Politiker und Jurist

Dehne August d. J., Politiker und Jurist. Geb. Wien, 25. 10. 1830; gest. ebd., 13. 5. 1917. Sohn des Zuckerbäckers und Inhabers der k. u. k. Hofzuckerbäckerei am Michaelerplatz August Dehne d. Ä. (geb. 17. 1. 1796; gest. Hütteldorf, Niederösterreich / Wien, 12. 10. 1867) und seiner Frau Anna Dehne, geb. Felbermayer (geb. 28. 2. 1810; gest. 19. 9. 1840); 1858 Heirat mit Angelika Dehne, geb. Herzfeld, mit der er drei Söhne, Richard, Rudolf und Robert Dehne, sowie zwei Töchter, Anna Dehne, verheiratete Artaria, und Angela Dehne, verheiratete Marbach, hatte. – D. besuchte 1840–46 das Schottengymnasium und absolvierte anschließend den zweijährigen philosophischen Kurs an der Universität Wien. Er gehörte im Revolutionsjahr 1848 der Akademischen Legion an. Im November desselben Jahres wechselte er an die Universität Graz und begann ein Studium der Rechtswissenschaften. Da er im März 1849 an einer Feier anlässlich des Jahrestages der Revolution teilnahm, wurde er von der Universität relegiert. Daraufhin setzte er sein Studium in Leipzig fort und nahm als Mitglied der Burschenschaft Marcomannia am Dresdner Maiaufstand teil; 1850 wechselte er an die Universität Heidelberg, wo er 1851 zum Dr. jur. promovierte. Nach seinem Studienabschluss kehrte er nach Wien zurück und arbeitete dort drei Jahre als Advokaturskonzipient bei Eduard Wiedenfeld. Von 1854 bis 1857 pachtete und verwaltete er ein Gut in der Steiermark. 1858 wurde D. auch an der Universität Wien zum Doktor der Rechte promoviert und trat im August in die Finanzprokuratur in Wien ein, ließ sich aber bereits im Oktober zur Finanzprokuratur in Linz versetzen. 1861 verließ er den Staatsdienst und erwarb in der Folge das Gut Puchberg bei Wels. Ab 1864 war er Gemeindevorsteher in Puchberg. 1867–83 gehörte er als liberaler Abgeordneter dem oberösterreichischen Landtag an. 1870–74 war D. außerdem Mitglied des Landesausschusses und dort u. a. für die Landesgebäude, die Landes-Konkurrenzen, das Landesfonds-Präliminare, das Landtags-Präliminare und das Straßenreferat zuständig. Im Landtag und im Landesausschuss trat er wiederholt als Redner und Berichterstatter in Finanzfragen auf und gehörte maßgeblichen Ausschüssen wie dem Schul- und dem volkswirtschaftlichen Ausschuss an. 1867–69 war er Mitglied des Zentralausschusses der oberösterreichischen Landwirtschafts-Gesellschaft, 1874/75 des dortigen Landesschulrates und 1875–79 der Grundsteuer-Regulierungs-Landes-Kommission. 1867–69 war er Abgeordneter zum Reichsrat. 1878 übernahm er das Mandat von →Rudolf Freiherr von Handel. Als er 1879 neuerlich in den Reichsrat gewählt wurde, kam es zu einem Protest gegen diese Wahl und 1880 zu ihrer Annullierung. D. zog sich schließlich aus der Politik zurück und lebte als Privatmann in Wien, wohin er 1874 übersiedelt war. Mehrere Jahre hindurch gehörte D. dem Verwaltungsrat der Niederösterreichischen Eskomptegesellschaft an; bis zu seinem Tod hatte er das Amt des Verwaltungsratspräsidenten der Neugedeiner Streich- und Kammgarnspinnerei-Aktiengesellschaft inne.

N.: NFP, Tages-Post (Linz), 15. 5. 1917; Linzer Volksblatt, 16. 5. 1917.
L.: Hahn, 1867; H. Slapnicka, Oberösterreich – Die politische Führungsschicht 1861 bis 1918, 1983; K. Wimmer, Liberalismus in Oberösterreich. Am Beispiel des liberal-politischen Vereins für Oberösterreich in Linz (1869–1909), 1979, s. Reg.; UA, WStLA, beide Wien; UA, Graz, Steiermark; UA, Leipzig, UA, Heidelberg, beide D.
(C. Sulzbacher)   
Zuletzt aktualisiert: 15.3.2013  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 2 (15.03.2013)
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