Derschatta, Julius von (1852-1924), Politiker

Derschatta Julius von, Politiker. * Zara, 12. 9. 1852; † Wien, 3. 2. 1924. Sohn eines FML., Advokat in Graz. In der Aera Taaffe an der Spitze der deutschnationalen Bewegung in der Stmk. Mitbegründer des dt. Schulver. „Südmark“, 1884 Gemeinderat in Graz, 1885 im Reichsrat, wo er sich dem „Dt. Klub“ und 1887 der „Deutschnationalen Vereinigung“ anschloß. Kämpfte gegen die Sprachenverordnung des tschech. Justizmin. Pražak, legte sein Mandat 1888 nieder, um sich der deutschnationalen Arbeit in der Stmk. zu widmen. 1901 wieder im Abgeordnetenhaus, Obmann der dt. Volkspartei, die mit den Deutschklerikalen und den Christlichsoz. in slow. Fragen in schärfste Opposition zum Kabinett Körber trat. 1903 trat er für Zusammenarbeit mit den Christlichsoz. gegen die jungtschech. Obstruktion im Reichsrat ein. Während der Armeekrise in Ungarn, 1903/04 geriet er mit der eigenen Partei in Konflikt, da er erklärte, die Leitung und Organisation des Heeres stünde nur dem Monarchen zu. 1905, nach dem Sturze Tiszas, war er Obmann des parlamentarischen Ausschusses zur Prüfung des Verhältnisses zu Ungarn, legte aber infolge eines Konfliktes mit dem Ministerpräs. Gautsch diese Stelle nieder. 1906–08 Eisenbahnmin. im Kabinett Beck. Als solcher führte er Verstaatlichungen, besonders der Nordbahn durch, und trat wegen der nationalen Konflikte in Böhmen im November 1908 zurück. Bis 1918 Präs. des Österr. Lloyd, später Verwaltungsrat mehrerer Industrieunternehmen.

L.: N.Fr.Pr. vom 5. 2. 1924; R.P. vom 7. 2. 1924; Geschichte der Eisenbahnen 5, 1; Wer ist’s? Czedik.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 2, 1954), S. 179
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