De Vaux, Thier(r)y Frh. (1748–1820), General

De Vaux Thierry (Thiery) Freiherr, General. Geb. Petit-Failly (F), 4. 6. 1748; gest. Wien, 4. 4. 1820; röm.-kath. Sohn von Jean Baptiste De Vaux und dessen Frau Marie Cathérine de Vernesson, Vater des Majors im Ingenieurskorps der österreichischen Armee und Kämmerers Léonard Freiherr De Vaux (geb. Braunau / Braunau am Inn, Oberösterreich, 14. 1. 1799; gest. 22. 2. 1856), der ab 1828 mit Wilhelmina Gräfin von Heussenstamm zu Heissenstein und Graefenhausen, Freiin von Starhemberg (geb. Aschaffenburg, Fürstentum Aschaffenburg/D, 9. 6. 1809), verheiratet war, Großvater von Karl Freiherr De Vaux (s. u.), Urgroßvater von Léon Freiherr De Vaux; ab 1798 mit Theresia von Verbeck von Verbeek und du Chateau (geb. Prag, Böhmen / Praha, CZ, 9. 8. 1766, Taufdatum) verheiratet. – D. absolvierte seine militärische Ausbildung in Luxemburg und Verdun sowie an der École Préparatoire du Genie in Sedan. 1768 trat er als Kadett in das Ingenieurkorps der Österreichischen Niederlande ein. 1773 Leutnant, 1778 Oberleutnant, machte er den Bayerischen Erbfolgekrieg mit, in dem er sich besonders durch fortifikatorische Leistungen auszeichnete und dadurch die preußischen Truppen zum Rückzug zwang. 1779 wurde er zum Kapitänleutnant ernannt und nach Beendigung des Kriegs beim Bau der Festung Theresienstadt verwendet. Ein Jahr später zum Hauptmann befördert, entwarf D. im Türkenkrieg 1788–91 bei der Belagerung von Dubica an der Una eine Reihe von Plänen für Angriffs- und Verteidigungswerke. 1789 Major, tat er sich bei den Belagerungen von Berbir und Belgrad sowie 1790 bei jener von Czettin hervor. Im selben Jahr wurde er zum Lokal-Genie-Direktor in Prag ernannt. Während der Franzosenkriege erlitt D. zunächst eine schwere Verletzung, wurde aber (ab 1793 als Oberstleutnant) mit dem Ausbau der Verteidigungswerke in Flandern beauftragt und machte sich insbesondere 1795 bei der Belagerung von Mannheim verdient, wo er mit seiner Verteidigungsstrategie wesentlich zur Kapitulation der Franzosen beitrug. 1796 zum Oberst ernannt, übernahm D. kurzzeitig die Leitung der Feldgenie-Direktion der italienischen Armee und wurde dann ins Hauptquartier Erzherzog →Karls versetzt, wo er für die Befestigungsarbeiten verantwortlich zeichnete. Seine militärische Karriere setzte er rasch fort: 1799 Generalmajor, 1800 Feldgenie-Direktor in Deutschland, 1805 in Italien, 1807 Feldmarschallleutnant, 1809 General-Genie-Prodirektor. Zwischenzeitlich war er immer wieder Erzherzog →Johann zugeteilt und wirkte bei der Erneuerung der Befestigungsanlagen in Tirol mit. 1809 geriet D. bei der Einnahme von Wien in französische Gefangenschaft. Nach dem Frieden von Schönbrunn wirkte er als k. k. Kommissär in Wien, 1813 avancierte er zum Feldzeugmeister. 1789 erhielt er das Ritterkreuz, 1801 das Kommandeurkreuz des Militär-Maria-Theresien-Ordens, 1792 wurde er in den Freiherrenstand erhoben, 1817 zum Geheimen Rat ernannt; ab 1806 Inhaber des Infanterieregiments Nr. 45, ab 1810 des Infanterieregiments Nr. 25. Sein Enkel, der Offizier Karl Freiherr De Vaux (geb. Salzburg, Salzburg, 20. 6. 1833; gest. Wien, 12. 7. 1917), röm.-kath., ab 1865 mit Elisabeth (Elise) Gräfin Brzezie-Lanckorońska (geb. Hietzing, Niederösterreich / Wien, 29. 6. 1844) verheiratet, diente ebenfalls im Geniekorps der österreichischen Armee und fungierte 1876–90 als Adjutant Erzherzog →Leopolds; 1890 Generalmajor, 1895 Feldmarschallleutnant ad honorem. 1898 trat er in den Ruhestand. 1860 wurde Karl De Vaux zum k. Kämmerer, 1893 zum Geheimen Rat ernannt.

L.: WZ, 28. 9. 1813; ADB; Hirtenfeld; Wurzbach; Biographien der ausgezeichnetesten Feldherren der k. k. österreichischen Armee 2, ed. J. Ritter von Rittersberg, 1829, S. 413ff. (mit Bild); Th. Just, in: K. Lanckoroński und seine Zeit, ed. B. Dybaś u. a., 2015, S. 101ff. (auch für Karl Freiherr D.); Deutschordens-Zentralarchiv (auch für Karl Freiherr D.), HHStA (auch für Karl Freiherr D.), KA, Pfarre St. Augustin, alle Wien.
(D. Angetter)   
Zuletzt aktualisiert: 27.11.2017  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 6 (27.11.2017)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 2, 1954), S. 182
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