Dobiaschofsky (Dobyaschofsky), Franz Joseph (1818–1867), Maler

Dobiaschofsky (Dobyaschofsky) Franz Joseph, Maler. Geb. Wien, 23. 11. 1818; gest. ebd., 7. 12. 1867; röm.-kath. Sohn eines Frauenkleidermachers. – D. studierte 1831–38 an der Wiener Akademie der bildenden Künste (ABK) bei →Josef von Führich sowie →Leopold Kupelwieser (1835 Gundel-Preis, 1841 Füger-Preis, 1847 Hof-Preis) und trat ab 1843 mit seinen Arbeiten, die meist religiösen Inhalts waren, an die Öffentlichkeit; ab 1848 wandte er sich auch der Genremalerei zu. 1850/51 unterrichtete er als Professor an der Vorbereitungsschule der ABK, erhielt 1851 ein Reisestipendium der Akademie, hielt sich aber erst 1854–56 als Stipendiat in Rom auf. D. zählt zu jenen Vertretern der Malerei des 19. Jahrhunderts, die entsprechend zur jeweiligen Bildgattung unterschiedliche Darstellungsmodi entwickelten. In seinen religiösen Bildern folgte er der spätromantischen Richtung seines Lehrers Führich, unter dessen Leitung er auch an der malerischen Ausstattung der Altlerchenfelder Kirche in Wien 7 („Christus am Ölberge“, „Verklärung“) beteiligt war. Zu seinen Hauptwerken zählen weiters die im 2. Weltkrieg zerstörten Wandgemälde für die Wiener Hofoper (1865), zu denen sich die Ölskizzen im Kupferstichkabinett der ABK erhalten haben. In diesen wandte er – der spezifischen Aufgabenstellung entsprechend – einen an der österreichischen Barockmalerei eines Franz Anton Maulbertsch orientierten illusionistischen und farbig expressiven Stil an. D., der mit →Carl Geyling und →Moritz von Schwind befreundet war, ließ in seinen Historien- und Genrebildern bisweilen politisch revolutionäres sowie gesellschaftskritisches Gedankengut einfließen (z. B. „Faust und Gretchen im 19. Jahrhundert“, Österreichische Galerie Belvedere, Wien). Daneben widmete er sich auch der Porträtmalerei, in der eine biedermeierlich anmutende sachliche Zustandsschilderung vorherrscht. D. war ab 1861 Mitglied der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens (Künstlerhaus), ab 1862 Mitglied des Künstlerhaus-Baukomitees, 1865 Akademischer Rat.

Weitere W.: Herzog Ernst der Eiserne rettet Cimburgis von Masowien, 1850 (Österreichische Galerie Belvedere, Wien); Ölbäume bei Tivoli, 1855; Räuberfamilie, 1857; Kreuzigung, 1864 (Ulrichskirche, Wien 7); Rosenwunder der Hl. Elisabeth, 1866 (Elisabethkirche, Wien 4); etc.
L.: ADB; AKL; Czeike; Die Wr. Ringstraße 8/1, 10; Thieme–Becker; Wurzbach; Österreichische Künstler und Rom vom Barock zur Secession, Wien 1972, S. 115f. (Kat.); Die Kartons für die Bildausstattung des Wiener Opernhauses, Wien 1973, Nr. 114–118 (Kat.); G. Frodl, Wiener Malerei der Biedermeierzeit, 1987, s. Reg.; Kunst des 19. Jahrhunderts 1, bearb. E. Hülmbauer, 1992; C. Reiter, Suche nach dem Unendlichen, Stendal 2001, S. 168, 172 (Kat., m. B.); Geschichte der bildenden Kunst in Österreich 5, ed. G. Frodl, 2002, s. Reg.; W. Aichelburg, Das Wiener Künstlerhaus 1861–2001, 1, 2003, s. Reg.; C. Reiter, Wie im wachen Traume. Zeichnungen, Aquarelle, Ölskizzen der deutschen und österreichischen Romantik, 2006; ABK, Wien.
(C. Reiter)   
Zuletzt aktualisiert: 1.3.2011  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 1 (01.03.2011)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 2, 1954), S. 189
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