Eisenbach, Heinrich (1870–1923), Schauspieler und Kabarettist

Eisenbach Heinrich, Schauspieler und Kabarettist. Geb. Wien, 10. 8. 1870; gest. ebd., 14. 4. 1923. Sohn des Kaufmanns Julius Eisenbach und seiner Frau Pauline Eisenbach, geb. Feller; in 1. Ehe mit Anna Eisenbach, geb. Fischer, in 2. Ehe (ab 1913) mit der Sängerin Mizzi Telmont, eigentlich Maria Pfleger, verheiratet. – E. begann seine Karriere als Clown und Gesangskomiker in Zirkus und Varieté; in Budapest trat er mit seiner ersten Frau als „Tanzduettist“ auf. Dort wurde er für die 1889 in Wien gegründete Budapester Orpheumgesellschaft entdeckt, in deren Ensemble er ab 1894 wirkte. Die „Budapester“ waren die erfolgreichste sogenannte Jargonbühne, deren Repertoire überwiegend in (akkulturierten) jüdischen Milieus angesiedelt war und die das „Jüdeln“ zur Erzielung komischer Effekte einsetzte. E. wirkte am Budapester Orpheum als Schauspieler, Regisseur und Dramaturg, übernahm Rollen in zahlreichen einaktigen Possen und brachte Soloszenen. In einigen Bänden veröffentlichte er Witze und Anekdoten aus seinen dortigen Programmen. 1907/08 trennte sich E. für eine Saison von den „Budapestern“ und gründete sein eigenes Ensemble, das Budapester Varieté. Dafür engagierte er u. a. den noch wenig bekannten Kabarettisten →Armin Berg, auf dessen Talent er einige Jahre zuvor aufmerksam geworden war. Ab 1908 spielte E. wieder am Budapester Orpheum, das er jedoch im August 1914 – gemeinsam mit dem Großteil des Ensembles – endgültig verließ. Zusammen mit den zwei Hauptautoren Adolf Glinger und Otto Taussig gründete er erneut eine eigene Gruppe, die nach einigen Gastspielen ab Herbst 1915 als Eisenbachs Possen Ensemble fix im „Max & Moritz“ (Wien 1) angesiedelt war; bald war das Ensemble unter dem Namen des Lokals bekannt. Daneben übernahm E. Rollen in Komödien am seriösen Theater und veranstaltete Lesungen; der Erfolg dieser Entfernung vom Unterhaltungsgenre wurde in der Presse unterschiedlich bewertet. In den 1910er- und frühen 1920er-Jahren wirkte E. auch in einigen Stummfilmen mit (u. a. mit Armin Berg und Gisela Werbezirk). E.s Haupttätigkeit brachte ihm großes Lob von Kritikern wie →Anton Kuh und besonders →Karl Kraus ein, der E.s Leistungen immer wieder über jene von Burgtheaterschauspielern stellte. E. blieb auch nach seinem Tod als einer der einflussreichsten Vertreter des wienerisch-jüdischen Unterhaltungskabaretts bekannt, dessen Stil von anderen Künstlern weitergeführt wurde.

W.: H. E.’s Anekdoten. Gesammelt und vorgetragen in der Budapester Orpheumgesellschaft in Wien, 21 He., 2. Aufl. 1905–09.
N.: NFP, 15. 4. 1923, 16. 4. 1923 (Nachmittagblatt, Parte); A. Kuh, in: Die Stunde, 17. 4. 1923.
L.: Wiener Bilder, 7. 12. 1910 (m. B.); Czeike; Die Fackel, s. Reg.; J. Koller, Das Wiener Volkssängertum in alter und neuer Zeit, 1931, S. 153–158 (m. B.); G. Wacks, Die Budapester Orpheumgesellschaft. Ein Varieté in Wien 1889–1919, 2002, s. Reg. (m. B.); filmportal.de (nur online; Zugriff 23. 1. 2012); IKG, WStLA, beide Wien.
(S. Usaty)   
Zuletzt aktualisiert: 15.3.2013  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 2 (15.03.2013)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 3, 1956), S. 236
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