Engel, Paul; Ps. Diego Viga (1907–1997), Mediziner und Schriftsteller

Engel Paul, Ps. Diego Viga, Mediziner und Schriftsteller. Geb. Wien, 7. 6. 1907; gest. Quito (EC), 27. 8. 1997; mos. Sohn des Landwirts und Textilfabrikanten Julius Engel (geb. Libomischl, Böhmen / Libomyšl, CZ, 1866; gest. Bogotá / CO, 1955) und von Klara Engel, geb. Rosenfeld (geb. Pilsen, Böhmen / Plzeň, CZ, 1885; gest. Bogotá, 1958), Bruder des Kunstkritikers und Besitzers einer Kunstgalerie in Toronto Walter Engel (geb. Wien, 1908); 1935 Ferntrauung mit Josefine Monath (geb. Wien, 1909). – E. besuchte ab 1918 das Maximiliansgymnasium (später Wasagymnasium) und studierte ab 1926 Medizin an der Universität Wien; 1933 Dr. med. Zunächst als Hilfsarzt an der 2. Chirurgischen Universitätsklinik tätig, wirkte er 1935–36 als Assistent an der Lehrkanzel für klinische Endokrinologie im Hospital Pasteur in Montevideo. 1936 kehrte E. kurzfristig an die 2. Chirurgische Universitätsklinik in Wien zurück und praktizierte als unbesoldeter Hilfsarzt an der 1. Universitätsfrauenklinik. 1938 flüchtete er nach Kolumbien, wo er als Vertreter für die ungarische Arzneimittelfirma Gedeon Richter arbeitete. Noch im selben Jahr wurde er zum ao. Prof. für Endokrinologie an die Universidad Libre de Colombia berufen, 1939–50 lehrte er dort auch Biologie, Anthropologie und Psychologie. Daneben arbeitete er 1938–46 als Vertreter für die US-amerikanische Firma Mead Johnson & Company. 1946 Professor für Pharmakologie an der Universidad Nacional de Colombia, war er außerdem als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei den Laboratorios Hormona der Firma Gedeon Richter beschäftigt. 1949 wechselte E. als wissenschaftlicher Berater in das Labor LYR, danach in die Filiale der Firma LIFE (Laboratorios Industriales Farmacéuticos Ecuatorianos) in Bogotá. 1950 übersiedelte er nach Quito, wo er bis 1955 in einem Forschungslaboratorium für LIFE tätig war. 1955 gründete er auch eine Holz-Export-Firma. Ab 1958 unterrichtete E. Philosophie, Biologie, allgemeine Pathologie und Histologie an der Universidad Central de Ecuador (1977 Hon.-Prof.) sowie an der zahnärztlichen Fakultät in Quito. 1959 begründete er gemeinsam mit Rodugo Fierro die Sociedad Ecuatoriana de Endocrinología. E., der sich große Verdienste um die Popularisierung der Endokrinologie erwarb, eröffnete 1961 eine eigene Arztpraxis. Sein wissenschaftliches Interesse galt der Gynäkologie und insbesondere der Hormonforschung. Bereits ab 1932 hatte er zahlreiche Beiträge zur Biochemie und Endokrinologie (u. a. in der „Wiener klinischen Wochenschrift“, in der „Zeitschrift für die gesamte experimentelle Medizin …“ und in der „Biochemischen Zeitschrift“) sowie endokrinologische Lehrbücher veröffentlicht. 1940 begann er schriftstellerisch tätig zu werden und publizierte zunächst Essays. Ab 1941 arbeitete er an dem autobiographischen Roman „Die Parallelen schneiden sich“, der 1966 auf Spanisch („Las paralelas se cortan“) und 1969 auf Deutsch erschien. 1947 verfasste er die Fortsetzung seiner Autobiographie unter dem Titel „Das verlorene Jahr“, die erst 1963 auf Spanisch („El año perdido“) und 1980 auf Deutsch veröffentlicht wurde. 1955 folgte sein erster Roman „Der Freiheitsritter“. Seine literarischen Werke kreisen thematisch um Wien, die Flucht vor den Nationalsozialisten, das Einleben in Südamerika sowie die Ausbeutung der südamerikanischen Ureinwohner durch die Europäer. E. hatte zeitlebens große Schwierigkeiten, seine Bücher bei deutschen Verlagen unterzubringen, daher übersetzte er seine Romane selbst ins Spanische. 1966 wurde ihm für „El año perdido“ der Literaturpreis der Universidad Central del Ecuador verliehen, im selben Jahr erfolgte die Nominierung von „Las paralelas se cortan“ als bester Roman Ecuadors für den lateinamerikanischen Literaturpreis Premio Romulo Gallegos. 1979 erhielt er die Goldmedaille der Casa de la Cultura Ecuatoriana für sein 1977 erschienenes Werk „Punto de salida, punto de llegada“ (deutsch: „Weltreise in den Urwald“, 1979). Ab 1940 war E. Mitglied des Movimiento Antinazi pro Libertad. 1982 bekam er eine Goldmedaille für Verdienste um die Freundschaft zwischen den Völkern durch die DDR verliehen. Dr. h. c. der Universidad Libre de Colombia.

Weitere W. (s. auch Hdb. der Emigration; Felden): Schicksal unterm Mangobaum, 1957, 4. Aufl. 1972; Der geopferte Bauer, 1959; Die Indianer, 1960, 2. Aufl. 1984; Waffen und Kakao, 1961; Eva Heller, 1966; Los sueños de Cándido, 1968; Die Konquistadoren, 1975; Nachdenken über das Lebendige, 1977; Catorce Ensayos, 1985; Ankläger des Sokrates, 1987. – Nachlass: Deutsches Exilarchiv 1933–45 der Deutschen Nationalbibliothek, Frankfurt am Main, D.
L.: Bolbecher–Kaiser; Hdb. der Emigration 2 (m. W.); D. Felden, Diego Viga. Arzt und Schriftsteller, 1987 (m. B. u. W.); Lexikon deutschsprachiger Schriftsteller 2, ed. K. Böttcher u. a., 1993; Wie weit ist Wien. Lateinamerika als Exil für österreichische Schriftsteller und Künstler, ed. A. Douer – U. Seeber, 1995, S. 177, 186f.; A. Bauer, Hexenprozess in Tucumán und andere Chroniken aus der Neuen Welt, 1996, S. 142–145; E. Hackl, Zur rechten Zeit – Aufforderung, endlich Diego Viga wahrzunehmen …, in: Zwischenwelt. Zeitschrift für Kultur des Exils und des Widerstands 24, 2007, S. 7–9; M. Tschuggnall, Das lateinamerikanische Exil von A. Bauer und P. E. und dessen Darstellung in ihren Werken, phil. DA Wien, 2010; IKG, UA, beide Wien.
(M. Tschuggnall)   
Zuletzt aktualisiert: 15.3.2013  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 2 (15.03.2013)
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