Ertl, Dominik (1857–1911), Komponist und Kapellmeister

Ertl Dominik, Komponist und Kapellmeister. Geb. Wien, 12. 4. 1857; gest. ebd., 4. 2. 1911 (ehrenhalber gewidmetes Grab: Friedhof Hernals). E. erhielt bereits als Siebenjähriger eine Violine und wurde zunächst von →Josef Kaulich, dem Bühnenkapellmeister der Wiener Hofoper, ausgebildet. Ein angebliches Studium am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien (u. a. bei Josef Hellmesberger d. Ä., →Anton Bruckner und →Jakob Dont), das er 1874 mit Auszeichnung abgeschlossen haben soll, ist jedoch nicht belegt. Sein erstes Engagement fand E. 1875 als Kapellmeister in Danzers Orpheum in Wien. Viele seiner Lieder und Couplets entstanden für die im Orpheum auftretenden Volkssänger; auch für das von ihm geleitete Orchester schrieb er zahlreiche Kompositionen. 1877 unterbrach er diese Tätigkeit für drei Jahre, um den Militärdienst bei der Musik des Infanterieregiments Hoch- und Deutschmeister Nr. 4 abzuleisten; er war allerdings nie – wie oft angeführt – Kapellmeister, Regimentstambour oder Vizekapellmeister in diesem Regiment. 1880 komponierte er den „Hoch- und Deutschmeistermarsch“, sein erfolgreichstes Werk, das auch heute noch häufig von Blasmusikkapellen gespielt wird. Carl Michael Ziehrer, dem Kapellmeister dieses Regiments 1885–93, widmete er sein großes humoristisches Tongemälde „Ein Abend bei den Deutschmeistern“. 1892 gründete E. eine eigene Kapelle, mit der er Konzertreisen nach Russland, Holland und Dänemark unternommen haben soll; auch in Wien trat er häufig auf. 1895–98 war er Chorleiter des Roßauer Männergesangvereins und wechselte anschließend als Kapellmeister an das neu eröffnete Zentraltheater in Dresden. Ab 1904 sind keine längeren Verpflichtungen als Dirigent mehr nachweisbar. Zunächst reiste E. von Dresden in das Nordseebad Scheveningen (Den Haag), er wirkte außerdem in Berlin und Frankfurt am Main und war immer wieder auch in Wien aktiv, wo er als Kapellmeister beim Zirkus Albert Schumann tätig war, in dessen Programmen er zwischen 1905 und 1910 aufscheint. E. komponierte rund 370 Werke, fast zwei Drittel davon Lieder und Couplets, ferner Märsche, Potpourris und Wiener Tanzmusik, darunter das Lied „Mei anzige Freud’ is mei Bua“, der Marsch „Nur ausse mit die tief’n Tön’“ und der Walzer „An mein Wien“. Ebenfalls beliebt waren seine Potpourris (u. a. „Bei den Schrammeln“, „Was der Girardi singt!“, „Kinematograph in Tönen“, „Erinnerungen an Joh. Strauß“).

Weitere Werke: s. Anzenberger-Ramminger. – Teilnachlass: Wienbibliothek im Rathaus, Wien.
L.: Der Humorist, 2. 4. 1887 (mit Bild); Eisenberg 1; oeml; Renner, Nachlässe; E. Pfleger, in: Der österreichische Musiker, 1936, S. 28f.; E. Anzenberger-Ramminger, in: Alta Musica 28, ed. B. Habla – D. Sagrillo, 2010, S. 21ff. (mit W.); S. Lang, Lexikon österreichischer U-Musik-Komponisten im 20. Jahrhundert, o. J.; Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.
(F. Anzenberger)   
Zuletzt aktualisiert: 30.11.2015  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 4 (30.11.2015)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 3, 1956), S. 266
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