Exner-Ewarten, Siegmund von (1846-1926), Physiologe

Exner-Ewarten Siegmund von, Physiologe. * Wien, 5. 4. 1846; † Wien, 5. 2. 1926. Sohn des Philosophen Franz S. E. (s. d.), stud. an den Univ. Heidelberg und Wien Medizin, 1870 Dr. med., wandte sich, von Helmholtz und vor allem von Brücke (s. d.) beeinflußt, der Physiologie zu. 1871 Priv. Doz. an der Univ. Wien, 1874 ao. Prof. 1891–1917, als Nachfolger Brückes, Prof. für Physiologie. Vielfach geehrt und ausgezeichnet, u. a. . h. c. der Univ. Leipzig und Athen, Mitgl. der Bayer. und der Akad. d. Wiss. in Wien, 1910 Präs., 1919 Ehrenpräs. der Ges. d. Ärzte in Wien, 1918 nob. E., ein ausgezeichneter Lehrer und Naturbeobachter, nach dessen Anregungen zahlreiche Unterrichtsmodelle gebaut wurden (z. B. Bogengangmodell, Otolithenmodell, Laryngometer etc.), gab die Anregung zur Gründung des Phonogrammarchivs an der Akad. d. Wiss. in Wien und spielte eine führende Rolle bei der Reform der med. Studienordnung. Er beschäftigte sich mit Fragen aus der Physiologie des zentralen und peripheren Nervensystems, mit Untersuchungen über die Erklärung einfacher psychischer Vorgänge und über die experimentelle Analyse des Ablaufes psychischer Reaktionen, über physiolog. Optik und Akustik etc.

W.: Über den Sehpurpur, 1877; Die Localisation der Funktionen in der Großhirnrinde des Menschen, 1881; Die Innervation des Kehlkopfes, 1884; Die Physiologie der facettierten Augen von Krebsen und Insekten, 1891; Entwurf zu einer physiolog. Erklärung der psych. Erscheinungen, 1894; Physiologie des männl. Geschlechtsapparates, in: A. Fritsch und O. Zuckerkandl, Handbuch der Urologie, 1904–06; etc. Mit Gad Hrsg. des Zentralblattes für Physiologie, 1887–93.
L.: WMW 1926, S. 215, 230, 1928, S. 194; Wr. klin. Wochenschrift 1926, S. 221; Leopoldina 2, 1926; Almanach Wien, 1926; Feierl. Inauguration, 1926/27; Hirsch; Pagel; Poggendorff 3, 5; Wr. Genealog. Taschenbuch VII, 1935/36; Enc.It.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 3, 1956), S. 277
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