Fahrbach, Josef (1804–1883), Kapellmeister, Musiker und Pädagoge

Fahrbach Josef, Kapellmeister, Musiker und Pädagoge. Geb. Wien, 25. 8. 1804; gest. ebd., 6. 6. 1883; evang. AB. Ältester Sohn des aus Württemberg nach Wien eingewanderten Schuhmachergesellen Georg Leonhardt Fahrbach und seiner Frau Karoline, geb. Koberger, Bruder von →Philipp Fahrbach d. Ä., Friedrich Fahrbach (s. u.) und dem Flötisten Anton Fahrbach (geb. Wien, 10. 2. 1819; gest. ebd., 1. 12. 1887), Vater von Josephine Fahrbach (geb. Wien, 1831; gest. ebd., 2. 12. 1854), die als Klavierlehrerin in Wien tätig war, Wilhelm Fahrbach (geb. Wien, 8. 9. 1838; gest. ebd., 13. 6. 1866), Theaterkapellmeister in Teschen, Bielitz und Lemberg, Maria Johanna Fahrbach (geb. Padua, Lombardo-Venetien / Padova, I, 6. 10. 1843; gest. Wien, 8. 3. 1866), Opernsängerin am Lemberger Stadttheater, sowie Henriette Fahrbach, verheiratete Ehmki (geb. Wien, 22. 1. 1851; gest. ebd., 24. 2. 1923; evang. AB, dann röm.-kath.), Musiklehrerin, Leiterin einer Damenkapelle und Komponistin; ab 1827 mit Antonia Fahrbach, geb. Satory (geb. Wien, 22. 3. 1810; gest. ebd., 27. 8. 1887), verheiratet. – F. galt als ausgezeichneter Flöten- und Gitarrenvirtuose. 1841–44 war er Militärkapellmeister bei der Musik des Infanterieregiments Nr. 45 in Verona und anschließend bis 1848 bei den „44ern“. Nach der Revolution erhielt F. einen Sekretärsposten in der Kabinettskanzlei der Erzherzogin →Sophie. 1857 wurde er Flötist in der Hofkapelle. F. war auch als Musikschriftsteller tätig und verfasste u. a. für die „Gazzetta musicale di Milano“ 1846 den musikhistorisch bedeutsamen Beitrag „Organizzazione della musica militare austriaca“; ab 1874 war er Redakteur bei Carl Michael Ziehrers „Deutscher Musik-Zeitung“. In den 1870er-Jahren hatte F. auch eine eigene Musikschule in Wien, in der er u. a. Unterricht in Militärmusikinstrumentation gab. Als Musikpädagoge leistete er ebenfalls Bedeutendes durch seine Instrumentalschulen und Etüdensammlungen für Flöte, Klarinette, Fagott, Flügelhorn, Trompete, Horn, Tenorhorn und Tuba, mit denen er in methodisch-didaktischer Hinsicht seiner Zeit weit voraus war. F. setzte sich zum Ziel, mit seinen Instrumentalschulen nicht nur Sammlungen von Übungen zu veröffentlichen, sondern möglichst genaue Anweisungen zu geben, um Instrumente auch im Selbstunterricht lernen zu können. Mit seinen Fantasien mit teilweise virtuosen Variationen schuf er zudem wichtige Ausbildungsliteratur. Er komponierte rund 100 Werke, darunter zahlreiche Fantasien über jeweils aktuelle italienische Opern. Sein Bruder Friedrich Fahrbach (geb. Wien, 1809 oder 1811; gest. Verona, I, 19. 3. 1867) war Musiker bei →Johann Strauß (Vater) und →Joseph Lanner, hatte eine Tanzkapelle in Wien, war 1848–55 Militärkapellmeister sowie sieben Jahre Musikdirektor der Società filarmonica di Ala und schließlich Musiklehrer in Verona.

Weitere W.: s. MGG II.
L.: Czeike; MGG I (auch für Friedrich F., mit Bild, auch von Anton F. und Philipp F. d. Ä.), II (auch für Friedrich F., mit W.); oeml (auch für Friedrich F.); F. Anzenberger, in: Bekenntnis zur österreichischen Musik in Lehre und Forschung, 1996, S. 17ff.; ders., in: Forschungs- und Entwicklungsarbeit an der Pädagogischen Akademie Krems 2, 2001, S. 107ff.; E. Marx – G. Haas, 210 österreichische Komponistinnen …, 2001 (s. u. Henriette F.); KA, Wien.
(F. Anzenberger)   
Zuletzt aktualisiert: 30.11.2015  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 4 (30.11.2015)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 3, 1956), S. 281
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