Feldhammer, Jacob (Jakob) (1882–1944), Schauspieler

Feldhammer Jacob (Jakob), Schauspieler und Theaterdirektor. Geb. Czernowitz, Bukowina (Černivci, UA), 16. 5. 1882; gest. KZ Auschwitz, Deutsches Reich (PL), 23. 5. 1944 (umgekommen); mos. Sohn von Karl Feldhammer und Amalia Feldhammer, geb. Reifler, Bruder der Schauspielerin Anna Feldhammer. – F. begann seine künstlerische Laufbahn 1904 am Czernowitzer Volkstheater. 1905 wurde er vom neuen Leiter des Deutschen Theaters, →Max Reinhardt, nach Berlin verpflichtet und debütierte dort im selben Jahr in der Rolle des Ritters Wetzlaf in Kleists „Das Käthchen von Heilbronn“. 1907 übernahm er die Hauptrolle des Moritz Stiefel in einer Aufführung von Frank Wedekinds „Frühlings Erwachen“ und spielte dann zahllose Neben- bis Kleinstrollen in modernen wie klassischen Stücken. So verkörperte er u. a. den Fortinbras in Shakespeares „Hamlet“ und hatte, als Zweitbesetzung, 1912 Gelegenheit, den Romeo in „Romeo und Julia“ zu spielen. F. blieb bis 1912 in Berlin, anschließend wechselte er an die Vereinigten Stadttheater Leipzig, wo er u. a. als Osvald Alving in Ibsens „Gespenstern“ auf der Bühne stand, und trat schließlich 1913 ein Engagement an der Neuen Wiener Bühne an. 1917 kehrte F. nach Deutschland zurück und blieb für rund fünf Jahre am Frankfurter Schauspielhaus tätig. Dort übernahm er u. a. die Hauptrolle in der Uraufführung von Paul Kornfelds Drama „Die Verführung“ (1917). Ab 1923 neuerlich in Wien (Deutsches Volkstheater, Kammerspiele), trat er u. a. 1927 an der Seite Peter Lorres und Heinz Leo Fischers in Luigi Pirandellos „Die Nackten kleiden“ auf. In dem Kinodrama „Der Abtrünnige“, in dem er 1927 die Titelrolle des sich von seinem Glauben abwendenden Juden verkörperte, erhielt F. seine wichtigste Filmrolle, sein Hauptarbeitsfeld blieb aber die Bühne. Abgesehen von einem Engagement an den Vereinigten Städtischen Theatern Düsseldorf 1928/29 war F. weiterhin in Wien tätig, wo er, zusammen mit Otto Preminger, 1929–31 auch das Neue Wiener Schauspielhaus leitete. 1931 verfasste er mit Stefan Korein das Theaterstück „Karl der Letzte“. 1934 erhielt F. seine letzte wichtige Rolle in Paul Abrahams Lustspieloperette „Märchen im Grand-Hotel“ am Theater an der Wien. Danach fand er als jüdischer Schauspieler kaum mehr Arbeit. Das letzte nachweisbare Engagement führte ihn an die Wiener „Komödie“, später folgten nur noch künstlerische Kleinstaktivitäten wie für den jüdischen Sportklub Hakoah. Infolge des „Anschlusses“ Österreichs 1938 war F. völlig isoliert. Er bemühte sich zunächst um die Leitung des zu gründenden jüdischen Kulturbund-Theaters Wiens. An seinem 57. Geburtstag meldete er sich aus Wien nach England ab, strandete jedoch in Italien, wo er vermutlich die folgenden vier Jahre verbrachte (dokumentiert ist ein Aufenthalt von Juli 1940 bis September 1943 in Mailand). Noch im Sommer 1939 hatte Reinhardt vergeblich versucht, ihn in die USA zu holen. Von deutschen Stellen wurde F. über das Lager Sforzacosta in das Sammellager Fossoli di Carpi überstellt und von dort 1944 nach Auschwitz deportiert.

Weitere Filmrollen in: Fiat Lux, 1923; Der Evangelimann, 1923; etc.
L.: Wininger; K. Weniger, Zwischen Bühne und Baracke. Lexikon der verfolgten Theater-, Film- und Musikkünstler 1933–1945, 2008, S. 112f. (m. B.).
(K. Weniger)   
Zuletzt aktualisiert: 15.3.2013  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 2 (15.03.2013)
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