Fellner, Ferdinand III. (1872–1911), Architekt

Fellner Ferdinand III., Architekt. Geb. Wien, 26. 9. 1872; gest. Pressbaum (Niederösterreich), 9. 4. 1911; röm.-kath. Sohn von →Ferdinand II. Fellner und von Katharina Fellner, geb. Plank, Enkel von →Ferdinand I. Fellner. – Nach dem Besuch des Obergymnasiums in Salzburg studierte F. ab 1890 an der Technischen Hochschule Stuttgart, 1891–93 sowie 1894–95 an der Technischen Hochschule zu Berlin und 1895–96 an jener in Wien. Danach unternahm er mehrjährige Studienreisen nach Belgien und England und war in Brüssel im Atelier von Victor Horta und anschließend in einem Architekturbüro in London tätig. Nach seiner Rückkehr nach Wien trat er 1901 als Mitarbeiter seines Vaters in das Atelier Fellner & Helmer ein. Da alle Pläne des Ateliers nur mit dem Büronamen signiert wurden, ist das Ausmaß von F.s Tätigkeit heute nicht mehr klar feststellbar. Drei Wohnbauten können ihm jedoch eindeutig zugeschrieben werden. Die Fassade des Wohnhauses und Ateliergebäudes in der Steingasse 15 (1901, Wien 3) zeigt Formen des Brüsseler Art nouveau, die sich mit Elementen des Wiener Barock verbinden. Für den Zubau des Warenhauses Gerngross (1904, Wien 7; nicht erhalten) erzielte F. bei einem geladenen Wettbewerb den 1. Preis. Die Fassade zeigte die zeittypische Gestaltung einer Glas-Eisenwand, die steinverkleideten Seitenrisalite dekorierte er hingegen mit Elementen, die er in Brüssel kennengelernt hatte. Am deutlichsten ist der Einfluss Hortas bei dem Mietshaus in Wien 19, Gebhardtgasse 13 (1905) sichtbar, das eine äußerst bewegte plastische Fassade mit geschwungenen Gesimsen und Erkern sowie vegetabilem Dekor erhielt. Bei den ab 1900 entstandenen Theaterbauten des Ateliers Fellner & Helmer ist F.s Mitwirkung auf Grund neuer secessionistischer Dekorelemente anzunehmen. F. war ab 1903 Mitglied des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereins, ab 1908 der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs. Nach seinem frühen Tod gründete sein Vater Gedächtnisstiftungen an der Technischen Hochschule Wien und an der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs, wobei jährlich der beste dort gehaltene Vortrag prämiert wurde.

L.: AKL; Czeike; F. Fellner, in: ZÖIAV 57, 1905, S. 1f.; A. Lehne, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 35, 1981, S. 49ff.; ders., Jugendstil in Wien, 1989, s. Reg.; ders., Wiener Warenhäuser 1865–1914, 1990, S. 176ff.; F. Achleitner, Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert 3/1, 1990, S. 131; H. Weihsmann, In Wien erbaut, 2005; Architektenlexikon Wien 1770–1945, www.architektenlexikon.at (Zugriff 13. 2. 2015); Technische Universität Berlin, UA, Stuttgart, beide D.
(I. Scheidl)   
Zuletzt aktualisiert: 30.11.2015  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 4 (30.11.2015)
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Ansicht der Fassade am Haus Steingasse 15, 1030 Wien
Steingasse 15, 1030 Wien (Detail)