Fendi, Peter (1796–1842), Zeichner, Maler und Druckgraphiker

Fendi Peter, Zeichner, Maler und Druckgraphiker. Geb. Wien, 4. 9. 1796; gest. ebd., 28. 8. 1842 (seit 1909 Ehrengrab: Zentralfriedhof). Sohn des Privatlehrers Joseph Fendi (gest. Wien, 24. 3. 1814) und der Elisabeth Fendi, geb. Schäffer; unverheiratet. – F., durch einen Unfall in seiner Kindheit körperlich beeinträchtigt und von schlechter Gesundheit, fiel schon früh durch ein besonderes Zeichentalent auf. Ab 1807 besuchte er die Normal-Hauptschule bei St. Anna in Wien, 1810–13 erhielt er an der Zeichnungsakademie St. Anna bei Johann Martin Fischer, Hubert Maurer und →Johann Bapt. von Lampi d. Ä. Unterricht. Seine weitere Karriere förderte besonders der Augenarzt und Sammler →Josef Barth, der ihm seine bedeutende Antikensammlung erschloss. Ab 1816 war F., der bereits 1814 nach dem Tod seines Vaters für den Unterhalt seiner Mutter sorgen musste, offensichtlich durch die Intervention des Präsidenten der Wiener Akademie der bildenden Künste →Anton Franz de Paula Graf von Lamberg-Sprinzenstein am Wiener Hofantikenkabinett tätig, ab 1818 auf Lebenszeit besoldeter Kabinettzeichner und -stecher. 1821 folgten Reisen mit dessen Direktor →Anton Steinbüchel von Rheinwall u. a. nach Venedig und Salzburg (zu den dort 1817 aufgefundenen römischen Mosaiken). Gesundheitsbedingt kurze weitere Reisen folgten 1824/25 und 1829 nach Mähren. Ab den 1830er-Jahren erhielt F. auf Vermittlung von →Moritz I. Fürst Dietrichstein zu Nikolsburg, der 1833 das Antikenkabinett übernommen hatte, Aufträge für das Kaiserhaus, Werke für den Wiener Hochadel folgten. 1836 wurde F. wirkliches Mitglied der Akademie der bildenden Künste in Wien. F.s Œuvre ist breit gefächert. In Zusammenhang mit seiner Tätigkeit am Hofantikenkabinett stehen zahlreiche Kopien von Antiken und Ölgemälden, von denen heute über 2.000 Blätter nachweisbar sind. F. löste sich bald von seiner klassizistisch geprägten Ausbildung und entwickelte einen eigenen bewegten, zum Teil barock anmutenden Stil, der ihn v. a. in seinen Zeichnungen und Aquarellen zu einem charakteristischen Vertreter der Wiener Biedermeierkunst machte. Seine spezielle Note besteht hier besonders in flüchtig, aber mit höchster Präzision hingeworfenen Pinselstrichen, die er überdies in identischer Weise zu wiederholen imstande war. Gerade seine Aquarelle sind häufig nicht bis zum Bildrand ausgemalt und vermitteln damit einen scheinbar unvollendeten, in Wahrheit aber beabsichtigten skizzenhaften Eindruck. Thematisch ist die Spannweite zwischen häuslichen Darstellungen des einfachen ländlichen bzw. städtischen Lebens und den Familienbildern des Kaiserhauses sowie hohen Adels beachtlich. Als verbindendes Element der Zeichnungen und Gemälde F.s kann ein genreartiger Zug ausgemacht werden, der auch seine sozialkritisch unterlegten Werke durchzieht. Dazu kommt das Porträtfach als eigenständige Aufgabe, da F. am Ende der 1830er-Jahre als bevorzugter Kinderporträtist in aristokratischen Familien sowie als beliebter Zeichenlehrer anzutreffen ist. F. unterrichtete u. a. die Brüder Karl und →Johann Freiherr Vesque von Püttlingen d. J. sowie die Kinder des Fürsten von Liechtenstein. Als Pionier kann F. in der Gattung der Darstellung literarischer Themen bezeichnet werden, hauptsächlich von Gedichten Friedrich Schillers. Hier ist besonders eine Serie von 30 zwischen 1831 und 1835 geschaffenen Aquarellen für Erzherzogin →Sophie hervorzuheben, wobei er in seinen Interpretationen den Dichtungen Schillers einen eigenen Stempel aufdrückte. Daneben war F. als Illustrator wissenschaftlicher Werke tätig, v. a. jener von →Josef Freiherr von Hormayr zu Hortenburg. F. kann auch als Druckgraphiker nachgewiesen werden. Von seinem reichen Schaffen zeugen 34 Lithographien und 87 Radierungen. F.s wichtigste, von ihm v. a. in seinen letzten Lebensjahren geförderte Schüler →Carl Schindler und →Friedrich Treml führten das Erbe des Meisters weiter, arbeiteten aber stärker mit Militärsujets, die einen genrehaften Einschlag aufweisen. F. gilt als das lyrische Talent im Rahmen der „Altwiener“ Biedermeiermalerei, wobei in seinem Œuvre besonders zu beobachten ist, wie bestimmte Motive unterschiedlichste Themenstellungen durchziehen: Dazu gehören Mutter-Kind-Kombinationen in mehrfachen Variationen von sakralen Typenbildungen bis zur Welt des Alltäglichen. Die Szenen höfischen Alltagslebens sind nun erstmals mit einer spezifischen Note des Lebendigen und Volksnahen durchdrungen, was sicher auch mit den Intentionen von Erzherzogin Sophie als Auftraggeberin zusammenhängt. F.s Meisterschaft im zeichnerischen Fach besteht in der unerhörten Breite von der präzisen Wiedergabe in seiner Eigenschaft als Kopist im Antikenkabinett einerseits bis hin zur freien Genredarstellung andererseits.

Weitere W.: s. AKL.
L.: WZ, 6. 10. 1842; AKL (mit W.); Czeike; NDB; Thieme–Becker; Wurzbach; Carinthia 32, 1842, S. 151; W. Koschatzky, P. F. (1796–1842), 1995; Geschichte der bildenden Kunst in Österreich 5, ed. G. Frodl, 2002, s. Reg.; S. Grabner, Mehr als Biedermeier, Wien 2006, S. 68 (Kat.); W. Telesko, Geschichtsraum Österreich, 2006, s. Reg.; P. F. und sein Kreis, ed. K. A. Schröder, Wien 2007 (Kat.); M. L. Sternath – W. Telesko, Das Wiener Aquarell, Wien 2018, S. 148ff. (Kat.).
(W. Telesko)   
Zuletzt aktualisiert: 14.12.2018  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 7 (14.12.2018)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 4, 1956), S. 298
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