Feuchtersleben, Ernst Frh. von (1806-1849), Arzt und Schriftsteller

Feuchtersleben Ernst Frh. von, Arzt, Dichter und Schriftsteller. * Wien, 29. 4. 1806; † Wien, 3. 9. 1849. Aus einer sächsischen Adelsfamilie stammend, Sohn eines österr. Hofrates; absolv. die Theres. Milit. Akad., stud. Med., daneben Philos., Ästhetik, Literatur- und Kunstgeschichte, 1834 Dr.med., 1840 Sekretär der Ges. der Wr. Ärzte, 1845 Dekan der medizin. Fakultät der Univ. Wien, 1847 Vize-Dir. der medizin.-chirurg. Studien. 1848 Mitgl. der Akad. d. Wiss. in Wien und Unterstaatssekretär im Min. des öffentlichen Unterrichts, wo er maßgeblich an der österr. Unterrichtsreform beteiligt war, zog sich jedoch Ende 1848 enttäuscht ins Privatleben zurück. 1842–44 Hrsg. der „Verhandlungen der k. k. Ges. der Ärzte in Wien“. Eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des österr. Vormärz, stand er in persönlichem Verkehr mit Bauernfeld, Grillparzer, Hebbel, Schubert, Schwind, Stifter u.a. F., ein meisterhafter Aphoristiker und Kritiker im Geiste der Klassiker, als Lyriker reflektierend und didaktisch, gelegentlich im Volkston („Es ist bestimmt in Gottes Rat“), machte sich als Arzt um die empirische Vertiefung. der Medizin, die Entwicklung der Psychotherapie und -pathologie und die Reform des medizin. Studiums verdient.

W.: Über das hippokrat. erste Buch von der Diät, 1855; Gedichte, 1836; Beiträge zur Literatur-, Kunst- und Lebenstheorie, 1837; Versuch einer Prüfung der neuesten Ansicht von der Krankheit als einem Afterorganismus, in: Med. Jbb. des österr. Staates, 1837; Zur Diätetik der Seele, 1838, 46. Aufl. 1896; Die Gewißheit und Würde der Heilkunst, 1839, 2. Ausgabe als: Ärzte und Publikum, 1848; Lebensblätter, 1841; Almanach der Radierungen (Gedichte zu Zeichnungen von Schwind), 1844; Lehrbuch der ärztlichen Seelenheilkunde, 1845; Autobiographische Mittheilungen (Werksverzeichnis), 1849, in: Almanach Wien, 1853; Geist deutscher Klassiker (Eine Blumenlese), 10 He., 1851; Sämtliche Werke (mit Ausschluß der rein medizinischen), hrsg. von F. Hebbel (mit Biographie), 7 Bde., 1851–53; Ausgewählte Werke, hrsg. von R. Guttmann, 1907; Vom inneren Gleichgewicht (Auswahl), hrsg. von H. Merk, 1947; Kleines Lehrbuch der Vernunft (Zur Diätetik der Seele und Tagebuchblätter), hrsg. von H. Tabarelli, 1949; etc.
L.: Wr. Ztg. vom 3. 9. 1949; R. M. Meyer, E. v. F., in: Gestalten und Probleme, 1905; E. Rabe, E. Frh. v. F., Diss. Wien, 1932; H. Merk, E. Frh. v. F., in: Neue Jahrbücher für Wissenschaft und Jugendbildung, 1936; Die Furche vom 7. 12. 1946; Almanach Wien (Feierl. Sitz.), 1852, 1853 (Werksverz.); Der Wanderer, 1849, n. 260, 261, 1851, n. 236; Die Grenzbolten, 1850, 1; M. Neuburger. Der Arzt E. Frh. v. F., in: Wr. klin. Ws., 1906; F. Schlemüller, Die Beziehungen in F.s „Zur Diätetik der Seele“ zur romanischen Moral, Diss. Wien, 1906; H. Bahr, F., in: Preuss. Jbb., 1922, 1; ders. F., in: Sendung des Künstlers, 1923; G. Wilhelm, Herder, F. und Stifter, Euphorion, 16. Ergänzungsh., 1923; F. Haid, E. Frh. v. F., eine Studie zum Verständnis seiner Persönlichkeit, ungedr., 1930 (Bibl, des Institutes für Geschichte der Med., Wien); M. Neuburger, F. als Psychiater und Psychotherapeut, in: WMW., 1933; K. Koweindl. Die Biographie F. Schlegels von E. Frh.v. F., Diss. Wien, 1934; B. Keppelmüller, Auf den Spuren F.s, in: Unsere Heimat, 1938; M. Engels, Das Verhältnis F. Hebbels zu E. Frh. v. F., Diss. Wien, 1948; E. Roemer, Grillparzer und F., Diss. Wien, 1948; Kosch, Literaturlex.; Giebisch-Pichler-Vancsa; Nagl-Zeidler-Castle, s. Reg.; ADB; Wurzbach; Deutsche Irrenärzte, hrsg. von Th. Kirchhoff, 1921ff.; Hirsch: K. Adametz, 100 Jahre Wiener Männergesang-Verein, 1943, s. Reg.; H. Rupprich - G. Wilhelm – R. Meister, E. Frh. v. F., in: Anz. phil.-hist. Kl., Akad. d. Wiss. in Wien, 1950, n. 11; Enc.It.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 4, 1956), S. 306f.
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