Fink, Jodok (1853-1929), Politiker

Fink Jodok, Politiker. * Andelsbuch (Vorarlberg), 19. 2. 1853; † ebenda, 1. 7. 1929. Einer alten Bregenzerwälder Bauernfamilie entstammend, begann F. sein Wirken im öffentlichen Leben als junger Bürgermeister seines Heimatortes und wurde als Siebenunddreißigjähriger in den Vorarlberger Landtag gewählt. Hier erweiterte er seinen Interessenkreis wesentlich und beteiligte sich u.a. an der Einführung des Verhältniswahlrechtes für die Gemeinden, einer damals noch ganz vereinzelten Reform, und an der Ausdehnung des Landtagswahlrechtes über die bisher privilegierten Klassen hinaus. Um den Bau der Bregenzerwaldbahn hochverdient und zum Landeskulturreferenten bestellt (1903), wurde F. 1911 Landeshauptmannstellvertreter. Als sogen. „Wilder“ (Parteiloser) in die neugeschaffene Kurie des Abgeordnetenhauses gewählt (1897), schloß er sich alsbald der mächtig aufstrebenden Christlichsozialen Partei an, die sich durch F. aus den besondern lokalen Bedingungen Wiens zur demokratischen „Reichspartei“ des dt.-österr. Bauern- und Bürgertums entwickelte. Der schlichte, kinderreiche Abg. wurde zum Freund und Berater ihrer wichtigsten Männer Lueger und Gessmann. F. nahm Anteil an der Gesetzwerdung des Allg. Wahlrechtes (1907) und seine höchst einflußreiche, wenn auch nach außen hin zurückhaltende Tätigkeit erregte sogar die Aufmerksamkeit des alten Kaisers. Zusammen mit dem oberösterr. Volksführer Prälaten Hauser erkannte F. im entscheidenden Augenblick die Notwendigkeit und die Möglichkeit der Beteiligung der konservativ-demokratischen Kräfte am Aufbau der neuen Republik Deutschösterreich. Für das notleidende Volk ließen beide ein „Manifest an die Christen aller Nationen“ hinausgehen, den territorialen Bestand aber verteidigte F. auch gegen die in seinem Heimatland vorübergehend sehr mächtige, der Schweiz zugewandte Anschlußströmung. Als Vizekanzler in der Regierung Renner (15. 3. 1919 bis 11. 6. 1920), den er während der Pariser Friedensverhandlungen viel zu vertreten hatte, stellte er eine Zusammenarbeit der beiden großen Parteien her, die nach seinem Rücktritt in der Ersten Republik nie mehr erreicht werden sollte. Seit 1922 Obmann der Christlichsozialen Vereinigung, unterstützte F. das Sanierungswerk Seipels und wirkte bis zu seinem Tode ebenso treu seinen Grundsätzen als ausgleichend im Zusammenprall der die Demokratie gefährdenden Extreme. 1925 verlieh die Univ. Innsbruck, einmalig in ihrer Geschichte, dem Bauern F. das Ehrendoktorat.

L.: R.P. vom 3. und 12. 7. 1929; Wr. Ztg. vom 28. 6. 1949; F. Funder, Vom Gesternins Heute, 1952; E. Ludwig, Österr.s Sendung, 1954; J. F., ein Gedenkwerk, hrsg. von H.Deuring, 1932; Geschichte d. Republik Österr., hrsg. von H. Benedikt, 1954.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 4, 1956), S. 317f.
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