Fleischmann, Johann Baptist (Hans) (1864–1925), Botaniker und Lehrer

Fleischmann Johann Baptist (Hans), Botaniker und Lehrer. Geb. Gablitz (Niederösterreich), 8. 9. 1864; gest. Wien, 8. 5. 1925; röm.-kath. Unehelicher Sohn des Kutschers Johann Fleischmann (1838–1896) und der Magd Anna Drittlhuber (geb. 1845, Eheschließung 1868), Vater von Johanna Baptista Fleischmann (1902–1970) und Otto Karl Fleischmann (1905–1992); ab 1901 verheiratet mit Charlotte Helene Duponchel (1876–1963). – Nach dem Besuch der Lehrerbildungsanstalt in Wien erhielt F. 1883 das Zeugnis der Reife für das Lehramt an Volksschulen und wurde zunächst als provisorischer Lehrer angestellt. 1886 legte er die Lehrbefähigungsprüfung ab, wurde im Lehramt definitiv gestellt und unterrichtete an Knabenvolksschulen in Wien. 1910 zum Oberlehrer befördert, wurde er Ende März 1921 krankheitshalber pensioniert. F. bildete sich autodidaktisch zu einem international anerkannten Orchideen-Fachmann heran. Dabei spezialisierte er sich v. a. auf mediterrane Ragwurz-Arten (Gattung Ophrys), als deren bester Kenner er galt. In seiner ersten Arbeit „Zur Orchideen-Flora Lussins“ (in: Verhandlungen der kaiserlich-königlichen Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien 54, 1904) beschrieb er einige neue Orchideen-Sippen auf der Insel Lošinj, die Michael Ferdinand Müllner im Frühjahr 1903 gesammelt hatte. 1907 erfolgte die Bearbeitung der interessanten Orchideen-Funde von Guido Kraskovits aus Korfu, 1909 die systematische Auflistung der Orchideen der Balkanhalbinsel (in: K. Fritsch, Neue Beiträge zur Flora der Balkanhalbinsel, insbesonders Serbiens, Bosniens und der Herzegowina. Erster Teil, in: Mitteilungen des Naturwissenschaftlichen Vereines für Steiermark 45, 1909) sowie die Bearbeitung der Orchideen, die →Heinrich Freiherr von Handel-Mazzetti anlässlich einer Reise in die Nordosttürkei (Sandschak Trapezunt) im Sommer 1907 gesammelt hatte. Gemeinsam mit Karl Rechinger beschrieb F. zahlreiche neue Orchideen-Sippen der pazifischen Inselflora („Botanische und zoologische Ergebnisse einer wissenschaftlichen Forschungsreise nach den Samoa-Inseln, dem Neuguinea-Archipel und den Salomonsinseln. III. Teil“, in: Denkschriften der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse 85, 1910), 1914 widmete er sich mit einer Bearbeitung der Orchideen der Insel Korčula wieder der mediterranen Flora. Auch die asiatischen Ragwurz-Arten, die Joseph Bornmüller und Theodor Strauß gesammelt hatten, wurden von F. bestimmt und beschrieben („Neue Ophrys-Arten aus Asien“, in: Annalen des Naturhistorischen Museums in Wien 36, 1923). Eine letzte Arbeit zur Orchideenflora der Insel Kreta erschien erst nach seinem Tod, ebenfalls posthum wurde mit „Herstellung von Dauer-Analysen von Blüten (auf Glasplatten) zum Zwecke des Photographierens in der Durchsicht“ (ebd. 41, 1927) die eigentliche Methode publiziert, nach der F. seine neuartigen Blütenanalysen erstellt hatte. Dabei wurden die Teile der aufgekochten Orchideenblüten voneinander separiert, auf eine photographische Platte geklebt, getrocknet und lackiert. Ihm zu Ehren wurde 1905 eine Kratzdistel-Hybride Cirsium fleischmanni, 1909 ein Brechnussgewächs Geniostoma fleischmanni, 1911 eine Stendelwurz-Hybride Epipactis fleischmanni und 1926 eine Ragwurz Ophrys fleischmannii benannt. F. war ab 1904 Mitglied der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien und fungierte 1915–25 in deren Ausschussrat.

Weitere W.: Über eine verschollene Orchidee Niederösterreichs, in: Österreichische botanische Zeitschrift 55, 1905 (gemeinsam mit K. Rechinger); Ein neuer Orchideenbastard: Spiranthes aestivalis x autumnalis, ebd. 60, 1910; Ophrys Schulzei Bornm. et Fleischm., in: Mitteilungen des Thüringischen Botanischen Vereins, NF 28, 1911; Ein neuer Cirsium-Bastard, in: Annalen des k. k. Naturhistorischen Hofmuseums 27, 1913; O. Abels monströse Ophrys-Blüten, in: Verhandlungen der Kaiserlich-Königlichen Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien 67, 1917; Ein künstlich erzeugter sechsfacher Cirsium-Bastard und sein Werdegang, in: Österreichische botanische Zeitschrift 72, 1923.
L.: Renner, Nachlässe; Personal-Standesausweis der niederösterreichischen Lehrerschaft 1895/96, 1896, S. 394f., 8, 1910, S. 250; I. Dörfler, Botaniker-Adressbuch, 2. Aufl. 1902, S. 151, ebd. 3. Aufl. 1909, S. 214; S. E. Cassino, The scientistsʼ international directory, 1905/2, S. 9; Der Schulleiter 3, 1915, S. 72; Österreichische botanische Zeitschrift 74, 1925, S. 216; Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft 76, 1927, S. (2); J. H. Barnhart, Biographical notes upon botanists 1, 1965; L. J. Dorr – D. H. Nicolson, Taxonomic literature Suppl. 7, 2008; Dompfarre St. Stephan, Pfarre St. Jakob, UA (mit Bild), alle Wien; Pfarre Purkersdorf, Niederösterreich; Mitteilung Oskar Achs, Wien, Brita Fleischmann, Hagenbrunn, Günther Fleischmann, Bisamberg, beide Niederösterreich.
(M. Svojtka)   
Zuletzt aktualisiert: 30.11.2015  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 4 (30.11.2015)
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