Forescu, Maria; eigentl. Maria Füllenbaum (1875–nach 15.8. 1942), Schauspielerin und Sängerin

Forescu Maria, eigentl. Maria Füllenbaum, Schauspielerin und Sängerin. Geb. Czernowitz, Bukowina (Černivci, UA), 15. 1. 1875; gest. vermutlich Berlin, Deutsches Reich (D), nach 15. 8. 1942; mos. F. wuchs in Prag auf, besuchte dort das Deutsche Mädchenlyzeum und studierte 1894 bei →Mathilde Mallinger am Konservatorium Gesang. Im Jahr darauf kam sie nach Wien, wo sie zum Jahresende am Carltheater debütierte. Eine ihrer ersten Rollen war jene der Thora Griffenfeld in der Operette „Der Herr Gouverneur“. Ein früher Förderer wurde →Franz von Jauner. Bis 1898 blieb F. in Österreich und spielte am Olmützer und am Brünner Stadttheater sowie an den Vereinigten Theatern in Graz. 1899 wechselte sie an das Stadttheater Breslau, wo sie an der Oper wirkte. Anschließend folgte F. einem Ruf an die Oper des Stadttheaters von Teplitz-Schönau. 1902 kam sie erstmals nach Berlin. Nach Zwischenstationen in Bremen (1903/04) und Würzburg (1907/08) ließ sie sich 1908 in Berlin nieder, wo sie Ende 1911 auch ihr Filmdebüt gab. Sie übernahm eine große Anzahl an Nebenrollen und reüssierte vor allem im Fach dienstbarer Geister, so etwa als Angestellte, Hausbesorgerin, Dienerin, Wirtin und Wärterin. Während des 1. Weltkriegs spielte F. auch an Theatern an der Westfront (Frankreich, Belgien). Nach dem Krieg sah man sie zudem in Rollen zwielichtiger bis undurchsichtiger und krimineller Frauen. Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten in Deutschland war ihre Karriere beendet. F. galt als politisch links und war überdies gewerkschaftlich engagiert. Im Juli 1938 erfolgte ihr Ausschluss aus der Reichsfilmkammer, dennoch blieb sie weiterhin in Berlin ansässig. Mitte August 1942 sollte sie mit dem 18. Osttransport in das Ghetto von Riga deportiert werden. Dort kam sie jedoch nie an, da ihr Name von der Deportationsliste wieder gestrichen wurde. Vermutlich starb die nicht mehr transportfähige, unverheiratete F. wenig später in Berlin. Eine oft behauptete Deportation in das KZ Buchenwald kann ausgeschlossen werden.

Weitere Theaterrollen: Valentin (J. Offenbach, Fortunios Liebeslied); Stella Perezzi (F. v. Suppé, Das Modell); Baroness Frieda von Cleveborg (A. Ferron, Sataniel). – Filmrollen in: Krone und Fessel, 1911; Märtyrerin der Liebe, 1915; Veritas vincit, 1918; Das indische Grabmal, 1921; Hanneles Himmelfahrt, 1922; Der Graf von Charolais, 1922; Nju, 1924; Die Verrufenen, 1925; Götz von Berlichingen zubenannt mit der eisernen Hand, 1925; Menschen untereinander, 1926; Der Zigeunerbaron, 1926/27; Rajah, 1928; Madame X, 1929; Der Weg nach Rio, 1930; Danton, 1930; Das erste Recht des Kindes, 1932; Kampf um blond, 1932; etc.
L.: Filmkünstler. Wir über uns selbst, ed. H. Treuner, 1928 (m. B.); M. Koerber, M. F., Telefon Neukoelln 1329. Eine Spurensuche, in: Nahaufnahme Neukoelln. Kinos, Kameras, Kopierwerk, 1989, S. 79–82; U. Liebe, Verehrt verfolgt vergessen. Schauspieler als Naziopfer, 1992, S. 228f.; K. Weniger, Das große Personenlexikon des Films 3, 2001 (m. Filmographie); ders., Zwischen Bühne und Baracke. Lexikon der verfolgten Theater-, Film- und Musikkünstler 1933–1945, 2008, S. 120–122; CineGraph, Lieferung 19, o. J. (m. Filmographie).
(K. Weniger)   
Zuletzt aktualisiert: 15.3.2013  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 2 (15.03.2013)
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