Forstner, Leopold (1878–1936), Maler und Kunstgewerbler

Forstner Leopold, Maler und Kunstgewerbler. Geb. Leonfelden (Bad Leonfelden, Oberösterreich), 2. 11. 1878; gest. Stockerau (Niederösterreich), 5. 11. 1936; röm.-kath. Sohn des Tischlers und Gastwirts Franz Forstner und von dessen Frau Anna Forstner, geb. Kogseder; ab 1911 verheiratet mit Stephanie Stöger. – F. besuchte die Bürgerschule sowie die Staats-Handwerkerschule in Linz, ging anschließend nach Innsbruck und absolvierte 1896–99 eine Lehre in der Tiroler Glasmalerei- und Mosaik-Anstalt. Ausgebildet als Glasmaler, bewarb er sich an der Kunstgewerbeschule des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie in Wien und studierte 1899–1900 figurale Malerei bei →Karl Karger und 1900–02 bei seinem Mentor →Koloman Moser in der Fachklasse für Malerei sowie bei →Andreas Groll. 1902–03 vertiefte er seine Ausbildung bei Ludwig von Herterich an der Akademie der Bildenden Künste in München. Im Wintersemester 1913/14 besuchte F. neuerlich die Kunstgewerbeschule (Fachklasse für Email von →Adele von Stark). Nach dem Studium betätigte er sich als Zeichner, Graphiker und Illustrator im Stil der Wiener Flächenkunst. Er illustrierte Bücher, entwarf Exlibris, Plakate und Broschüren. 1908 gründete er die Wiener Mosaik-Werkstätte in Wien 9, die er 1911 in Wien 20 vergrößerte. 1912 gliederte er der Werkstätte eine Glasmalerei an und stellte die Rohmaterialien für seine Mosaike selbst her. 1911 gründete er gemeinsam mit dem Maler Alfred Basel und dem Architekten Cesar Poppovits das Unternehmen Wiener Friedhofskunst. Im 1. Weltkrieg bereiste F. als Sammeloffizier Albanien, Mazedonien und Montenegro, sammelte Gegenstände des täglichen Gebrauchs und dokumentierte in Zeichnungen und Aquarellen Land und Leute der Balkanländer für das Museum für Volkskunde. Nach Kriegsende verlegte er seine Werkstätte nach Stockerau und gründete die Österreichischen Edelglaswerke Ges.m.b.H., die er 1921 in eine AG umwandelte. In den wirtschaftlich schwierigen 1920er-Jahren geriet der Betrieb immer wieder ins Stocken, 1924 wechselten die Aktionäre und 1925 trat F. aus dem Unternehmen aus. Die böhmische Familie Fickl führte den Betrieb bis zur Schließung 1937 weiter. In der Folge unterrichtete er als Zeichenlehrer am Gymnasium in Hollabrunn, entwarf Denkmäler und arbeitete als Innenarchitekt. Zu seinen Werken zählen etwa die Ausführung der Mosaikfenster der k. k. Postsparkasse, das Mosaik über dem Portal des Museums für Kunst und Industrie, Ausführung und Entwurf der Fenster und Mosaike in der Karl-Lueger-Gedächtniskirche auf dem Zentralfriedhof, Entwurf und Ausführung des Altarbilds in der Kirche am Steinhof und der Apsis in der Pfarrkirche Ebelsberg (Linz), Ausführung des Mamorfrieses im Palais Stoclet in Brüssel nach einem Entwurf von →Gustav Klimt, das Mosaik im Speisesaal des Grand Hotel Wiesler in Graz, der Emailaltar für das Franziskanerkloster in Callicoon, NY, die Glasfenster für die Kirche St. Gertrud in Wien 18 und zahlreiche Glasfenster für Wohnhäuser in Wien. F.s Werke waren bei zahlreichen Ausstellungen vertreten: Wiener Kunstschau 1908, Internationale Kunstschau 1909, Internationale Jagdausstellung 1910 (beide Wien), Internationale Kunstausstellung 1911 (Rom), Frühjahrsausstellung des Hagenbunds 1912 (Wien). Er war Mitglied des österreichischen und deutschen Werkbunds und ao. Mitglied der Gesellschaft österreichischer Architekten.

L.: AKL; Fuchs, 19. Jh.; Fuchs, Erg.Bd.; Thieme–Becker; Vollmer; B. Zuckerkandl, in: Deutsche Kunst und Dekoration 24, 1909, S. 85ff.; L.-F.-Gedächtnisausstellung, bearb. O. Wutzel, Linz 1977 (Kat.); W. Mrazek, L. F. Ein Maler und Material-Künstler des Wiener Jugendstils, 1981 (mit Bild); L. F. …, Stockerau 1989 (Kat., mit Bild); E. Lässig, L. F. als christlicher Künstler des Jugendstils, phil. Diss. Wien, 1989; R. Franz, in: G. Klimt und die Kunstschau 1908, ed. A. Husslein-Arco – A. Weidinger, Wien 2008, S. 325ff. (Kat.).
(M. Bauer)   
Zuletzt aktualisiert: 30.11.2015  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 4 (30.11.2015)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 4, 1956), S. 338
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