Fraenkel-Hahn (Fränkel-Hahn, Hahn-Fraenkel), Louise (Ludovica Leopoldine); geb. Hahn, verehelichte Fraenkel (1878–1939), Malerin und Graphikerin

Fraenkel-Hahn (Fränkel-Hahn, Hahn-Fraenkel) Louise (Ludovica Leopoldine), geb. Hahn, verehelichte Fraenkel, Malerin und Graphikerin. Geb. Wien, 12. 7. 1878; gest. Paris (F), 1939; röm.-kath.? Tochter von Ludwig Benedikt Hahn (1844–1925; mos.), Hofrat, Vorstand des Telegraphen-Correspondenz-Bureaus und Herausgeber der „Politischen Correspondenz“, der 1877 vom Judentum zum Katholizismus konvertierte, und dessen Frau Emma Hahn, geb. Blümel (1850–1940; röm.-kath.), Schwester von →Hans Hahn und der Philosophin und Mathematikerin Olga Hahn-Neurath (1882–1937), Schwägerin von →Otto Neurath; ab 1903 verheiratet mit dem Maler Walter Fraenkel (geb. Breslau, Preußen / Wrocław, PL, 12. 3. 1879; gest. nach dem 4. 3. 1943), der 1943 zunächst in das Sammellager Drancy, danach in das Vernichtungslager Sobibor und das KZ Majdanek deportiert wurde. Nach erstem Unterricht im Elternhaus besuchte F. 1896–98 die Kunstgewerbeschule in Wien (Malerei bei →Karl Karger) und 1901 die Damenakademie des Münchner Künstlerinnenvereins in der Malschule Heinrich Knirr in München. 1902 bereiste sie Italien und Griechenland. Durch einen Studienaufenthalt in Paris 1907 zunächst von den französischen Impressionisten und dem Japonismus beeinflusst, entwickelte F. in den 1920er-Jahren eine betont sachliche Malerei, ab 1935 finden sich volkstümliche Motive in ihren Arbeiten. Die Künstlerin schuf religiöse Bilder, Blumenstücke, Porträts, Farbholzschnitte und Exlibris. 1939 emigrierte sie mit ihrem Ehemann nach Paris. Ihre Arbeiten präsentierte sie u. a. im Kunstsalon Heller (1908), in der Secession (1909, 1919), bei der BUGRA in Leipzig (1914), im Bund Österreichischer Künstlerinnen (1916), in der Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs / VBKÖ (1910–36) sowie bei der Deutschen Frauenkunst (1925). Graphische Werke von F. befinden sich in der Kunstsammlung der Universität für angewandte Kunst, der Albertina, dem Wien Museum und der Österreichischen Nationalbibliothek (Bildarchiv und Graphiksammlung) in Wien. 1929 wurde sie mit dem Preis der Stadt Wien ausgezeichnet. F. war Mitglied des Bunds Österreichischer Künstlerinnen, der VBKÖ (1923–38 Präsidentin) und des Zentralverbands der bildenden Künstler Österreichs.

Weitere W.: David, 1902; Selbstporträt, 1903, 1929; Lasset die Kindlein zu mir kommen, 1910; Madonna, 1911; Flora mit den Blumen des Jahres, um 1912; Kaninchen, 1913; Japanische Lilien, um 1920; Frühlingsblumen im Glas; Blumenstrauß in chinesischer Vase.
L.: AKL; Emődi; Fuchs, 19. Jh.; Fuchs, Erg.Bd.; Jb. der Wr. Ges.; Thieme–Becker; Vollmer; A. Hirsch, Die bildenden Künstlerinnen der Neuzeit, 1905, S. 81; G. Ramberg, in: Jahrbuch Österreichische Exlibris-Gesellschaft 7, 1909, S. 38ff.; S. Plakolm-Forsthuber, Künstlerinnen in Österreich 1897–1938, 1994, s. Reg. (mit Bild); C. Karolyi – A. Smetana, Aufbruch und Idylle, 2004, S. 72f.; M. M. Brandow-Faller, An art of their own. Reinventing Frauenkunst in the female academies and artist leagues of late-imperial and first republic Austria, 1900–1930, phil. Diss. Washington, D.C., 2010, S. 411ff.; 100 Jahre/Years VBKÖ – Festschrift, ed. R. Lackner, 2011, S. 30; J. M. Johnson, The Memory Factory. The Forgotten Women Artists of Vienna 1900, 2012, S. 188, 277, 378; Universität für angewandte Kunst, VBKÖ, beide Wien.
(C. Karolyi)  
Zuletzt aktualisiert: 30.11.2015  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 4 (30.11.2015)
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